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Promotionen:Weibliche Elite

Immer mehr Frauen promovieren: Die Zahl weiblicher Doktoranden steigt auf mehr als 10.000 an, doch in Forschung und Lehre dominieren nach wie vor die Männer.

Es gab Zeiten, da sprach man die Ehefrau eines promovierten Arztes oder Richters mit "Frau Doktor" an. Auf die Idee, dass die Frau selbst promoviert haben könnte, kamen damals die wenigsten. Das hat sich grundlegend geändert, seit junge Frauen immer öfter einen akademischen Weg einschlagen. Schülerinnen erwerben mittlerweile häufiger die Hochschulreife als ihre Mitschüler, bei den Studienabschlüssen liegen sie ebenfalls leicht vorne.

Doktor, Frau, iStock

Immer mehr Frauen erwerben einen Doktortitel.

(Foto: Foto: iStock)

Und auch bei den Promotionen holen Frauen auf: Im Jahr 2007 erwarben in Deutschland etwa 10000 Frauen den Doktortitel, ihr Anteil an den Promotionen stieg auf 42 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im Jahr 2000 hatte der Frauenanteil noch bei 34 Prozent gelegen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) spricht von einem "enormen Sprung nach vorn". Nun müsse allerdings auch der Anteil an den Professuren steigen, mahnt Schavan. Denn in Forschung und Lehre sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert: Ihr Anteil an den wissenschaftlich Beschäftigten der Hochschulen liegt bei einem Drittel. Im Vergleich zum Jahr 2000 bedeutet das eine Steigerung um sechs Prozentpunkte.

Geringer Frauenanteil bei den Professuren ist "beschämend"

Vor allem bei den Professuren gibt es noch immer einen großen Abstand zwischen den Geschlechtern. Nur 16 Prozent der Professuren sind mit Frauen besetzt. In der höchsten Besoldungsgruppe (C4/W3), in der die Bezahlung am besten und das Berufsprestige am höchsten ist, liegt der Frauenanteil sogar nur bei zwölf Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist dies dennoch ein Fortschritt; damals betrug der Wert sieben Prozent.

Vergleichsweise viele Professorinnen gibt es in Berlin und Niedersachsen, dort ist mehr als jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Besonders wenige Professorinnen gibt es in Schleswig-Holstein und in Bayern. Alle Hochschulen, die der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) angehören, haben sich aber mittlerweile zu "Gleichstellungsstandards" verpflichtet.

Eine feste Quote, wie sie einige Professorinnen und Gleichstellungsbeauftragte verlangen, lehnt die DFG allerdings ab, sie orientiert sich stattdessen an einem sogenannten Kaskadenmodell: Der Frauenanteil auf einer Qualifikationsstufe soll möglichst dem Anteil auf der vorausgehenden Stufe entsprechen, beispielsweise der Anteil an Professorinnen dem Anteil der Habilitationen von Frauen in dem jeweiligen Fach. Die einzelnen Hochschulen sollen der DFG regelmäßig über die Entwicklung berichten. Der geringe Frauenanteil bei den Professuren sei "beschämend" für das deutsche Wissenschaftssystem, sagt DFG-Präsident Matthias Kleiner.

Bei Juniorprofessuren kommen verstärkt Frauen zum Zuge

Bei der Bewilligung von Fördergeldern könnten deshalb Aspekte der Gleichstellung ein wichtiges Kriterium werden; die DFG versucht auf diese Weise, dem Thema Gewicht zu geben. Einen Schub für die Frauenförderung an den Universitäten brachte außerdem die 2005 gestartete bundesweite Exzellenzinitiative. Viele der beteiligten internationalen Gutachter maßen dem Thema eine hohe Bedeutung zu; seitdem bemühen sich immer mehr deutsche Universitäten, Frauen besser zu fördern und eine familienfreundliche Infrastruktur mit Betreuungsangeboten für Kinder aufzubauen.

Vor allem bei den Juniorprofessuren für Nachwuchswissenschaftler kommen verstärkt Frauen zum Zuge; die Frage ist allerdings, ob sie später, wenn ihre befristeten Stellen auslaufen, den Sprung auf eine reguläre Professur schaffen.

Das Bundesbildungsministerium fördert Professorinnen derzeit mit einem eigenen Programm. Hochschulen, die eine Fachjury mit ihrem Gleichstellungskonzept überzeugen konnten, dürfen jetzt bis zu drei zusätzliche Stellen für Professorinnen beantragen. Nach fünf Jahren läuft die Förderung des Bundes aus; vor kurzem erhielten in der zweiten Runde des sogenannten Professorinnenprogramms 45 Hochschulen den Zuschlag.