Personalmangel Bahn-Beschäftigte sammeln fast acht Millionen Überstunden an

Über 900 Jahre Überstunden haben die Beschäftigten der Deutschen Bahn bis Ende 2013 angesammelt.

(Foto: dpa)

Millionen Überstunden haben die Bahn-Mitarbeiter bis Ende 2013 angesammelt. Und das, obwohl der Konzern seit vergangenem Jahr zusätzlich Personal einstellt. Das kostet die Bahn Millionen - und lässt Gewerkschafter toben.

Fast acht Millionen Überstunden haben die Mitarbeiter der Deutschen Bahn im Schienenbereich einem Bericht zufolge bis Ende 2013 angehäuft. Hinzu kämen 5,6 Millionen Stunden aus offenen Urlaubsansprüchen, berichtete die ZDF-Sendung "Frontal 21". Zusammengenommen entspreche dies der Arbeitsleistung von 8500 Vollzeit-Mitarbeitern in einem Jahr. Eine Konzernsprecherin sagte in Berlin, das Unternehmen arbeite aktiv daran, die Mehrarbeit abzubauen.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner, bezeichnete die Zahl der Überstunden als "inakzeptabel". Die Mitarbeiter hätten Anspruch darauf, "in normalen Arbeitszeiten ihre Arbeit machen zu können und nicht ständig noch zusätzliche Leistungen zu erbringen", sagte er "Frontal 21". Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beklagte, der Druck, Sonderdienste zu leisten, sei hoch. Die Zahlen bedeuteten außerdem "einen zunehmenden Krankenstand, Ausfälle und Fahrdienstunfähigkeit", sagte GDL-Chef Claus Weselsky dem TV-Magazin.

Die Bahn-Sprecherin erklärte, beim Bemühen um den Abbau von über mehrere Jahre aufgelaufener Mehrarbeit seien bereits erste Erfolge sichtbar. Es handele sich allerdings um einen "Prozess, der seine Zeit braucht". Ende Februar seien noch sieben Millionen Überstunden verzeichnet gewesen. Die Bahn nehme ihre Verabredungen mit den Arbeitnehmervertretern sehr ernst, versicherte die Sprecherin. Dazu gehörten Neueinstellungen. Seit 2009 habe die Deutsche Bahn etwa 40 000 neue Mitarbeiter eingestellt. Auch in den nächsten Jahren würden jeweils 7000 bis 8000 neue Angestellte in den Konzern kommen.

Dem Bericht von "Frontal 21" zufolge werden im Geschäftsbericht der Bahn für 2013, der am Donnerstag präsentiert wird, die finanziellen Belastungen aus Überstunden und offenen Urlaubsansprüchen auf insgesamt 614 Millionen Euro beziffert. Das bedeute eine Zunahme von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert, berichtete "Frontal 21".

Den Personalmangel hatten im vergangenen Sommer auch die Fahrgäste zu spüren bekommen. Am Mainzer Hauptbahnhof hatte es wegen fehlender Fahrdienstleiter über Wochen Zugausfälle und Umleitungen gegeben. Bahnchef Rüdiger Grube sprach von einer "großen Blamage" für die Bahn und vereinbarte eine Überprüfung der Personalplanung.