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Lehrermangel:Aktionismus sehr gut - Pädagogik mangelhaft

Mit Zeitungsannoncen auf Lehrerfang

Die Lehrer selbst sind in der Zwickmühle: "Auf der einen Seite heißen wir so etwas natürlich überhaupt nicht gut", sagt Marianne Demmer, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW. "Auf der anderen Seite muss der Unterricht schließlich aufrechterhalten werden - und es ist den Kollegen nicht zuzumuten, Klassen mit 40 Schülern zu unterrichten." Darüber hinaus benötige selbstverständlich jeder Seiteneinsteiger eine pädagogische Zusatzqualifikation.

Dazu werben sich die Bundesländer die begehrten Pädagogen gegenseitig ab. Hessen etwa stellt Werbeplakate vor den Universitäten in Köln und Mainz auf und bietet Arbeitsbedingungen, von denen Lehrer im benachbarten Rheinland-Pfalz nur träumen können: Haupt- und Realschullehrer werden wie Gymnasiallehrer bezahlt, die Verbeamtung ist bis zum 50. Lebensjahr möglich. Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) schaltete Zeitungsannoncen in Sachsen.

So werden die Löcher in einem Bundesland mit den Lehrern des nächsten gestopft, die sich wiederum beim Nachbarland bedienen. Nachhaltige Personal- und Einstellungspolitik: Fehlanzeige. Kein Wunder, denn auf eine langfristige Bedarfsprognose können weder das Bundesbildungsministerium noch die Kultusminister der Länder zurückgreifen. Die letzte Studie der Kultusministerkonferenz (KMK) arbeitet mit Daten aus dem Jahr 2001. Auch die aktuellen Studentenzahlen erlauben kaum Rückschlüsse. Denn wer Erziehungswissenschaften und zwei Unterrichtsfächer auf Bachelor studiert, macht noch lange keinen "Master of Education".

Überfüllte Klassen, frustrierte Kollegien

Vor allem in Fächern wie Physik oder Mathematik, in denen der Mangel derzeit besonders groß ist, entscheiden sich viele junge Leute gegen das Lehramt. Industrie und Wirtschaft locken mit höheren Gehältern und besseren Aufstiegschancen. Zumal Lehramt-Studenten schon im Studium die mitunter schwierigen Arbeitsbedingungen - überfüllte Klassen und frustrierte Kollegien - kennenlernen. Ein Schreibtisch-Job mit Firmenwagen gewinnt da zusätzliche Attraktivität.

Dass nun Leute rekrutiert werden, die Pädagogik mit "mangelhaft" abgeschlossen haben oder ihre Eignung für den Lehrerberuf erst gar nicht unter Beweis stellen mussten, bringt Eltern, Schulleiter und Bildungsforscher angesichts der mittelmäßigen Ergebnisse bei Pisa, Iglu und TIMSS schier zur Verzweiflung. "Die Kluft zwischen den hehren Zielen und der Realität wird künftig noch weiter auseinanderklaffen", sagt Marianne Demmer von der GEW. "Wir blicken pessimistisch in die Zukunft."

Wie mit zu wenig oder nur unzureichend qualifiziertem Personal gute Lernergebnisse erzielt werden sollen, bleibt das Geheimnis der Kultusminister.