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Konflikte im Büro:Größtmögliche Distanz wahren

Und dann gibt es noch die Soziopathen, zu deren Hauptmerkmalen oberflächlicher Charme, Verantwortungslosigkeit, Unehrlichkeit und Gewissenlosigkeit gehören. Eigenschaften, die in Unternehmen bisweilen geschätzt werden. Wissenschaftler um den kanadischen Psychologen Robert D. Hare untersuchten 203 Führungskräfte aus sieben amerikanischen Konzernen und fanden heraus, dass mehr als sechs Prozent der untersuchten Personalverantwortlichen die Merkmale von Soziopathen besaßen. In der Allgemeinbevölkerung trifft das nur auf ein Prozent zu. Risikobereitschaft und Gewissenlosigkeit bescherten den Managern in großen Unternehmen anscheinend Erfolg - zumindest zeitweise. Denn häufig folgte irgendwann der berufliche Absturz.

Schwierige Mitarbeiter gibt es in jedem größeren Unternehmen - und damit Potenzial für zwischenmenschliche Konflikte. Doch wie kann die Kommunikation mit Problemkollegen so gestaltet werden, dass nervenaufreibende Streitereien weitestgehend vermieden werden? Die erste Regel lautet: Wer mit schwierigen Menschen zusammenarbeitet, sollte größtmögliche Distanz wahren. Zu Problemkollegen sollten Arbeitnehmer keine außerberuflichen Kontakte pflegen und ihnen auf keinen Fall Einblicke in ihr Privatleben gewähren. Denn diese könnten später durchaus dazu benutzt werden, Druck auszuüben oder unerwünschte Vertraulichkeit zu schaffen.

Zweitens sollte man sich darum bemühen, die Begegnungen mit schwierigen Kollegen so kurz wie möglich zu halten. Nörgelt der Zyniker wiederholt über die Sinnlosigkeit des neuen Projekts, könnte die passende Antwort lauten: "Ich erlebe das ganz anders." Innere Bestrebungen, den Kollegen eines Besseren zu belehren oder gar ihn ändern zu wollen, schüren neue Konflikte.

Manchmal allerdings ist es unabdingbar, konfliktgeladene Themen mit schwierigen Kollegen zu besprechen. Dabei hilft ein knapper und sachlicher Gesprächsstil. Um nicht zur Zielscheibe von Angriffen oder Kommentaren zu werden, kann es außerdem sinnvoll sein, die Aufmerksamkeit von der eigenen Person ab- und stattdessen auf das Gegenüber zu lenken. Das ist allerdings nicht immer möglich. Steht etwa ein Gespräch mit dem narzisstischen Chef an, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, seinen Mitarbeiter bei Meetings öffentlich herunterzuputzen, muss der Arbeitnehmer natürlich seine Position darlegen.

"So ein Gespräch sollten Sie immer unter vier Augen und immer hinter geschlossenen Türen führen", erklärt die Ärztin Susan Biali, die Arbeitnehmer im Umgang mit schwierigen Vorgesetzten und Kollegen coacht. "Ganz ruhig sollten Sie Ihrem Chef klarmachen, dass sein Benehmen inakzeptabel ist und es für Ihre Arbeit unabdingbar ist, öffentlich seine Rückendeckung zu erhalten. Verbunden mit der Aufforderung, künftige Schwierigkeiten gemeinsam hinter geschlossenen Türen zu besprechen."

Doch nicht immer fruchtet ein klärendes Gespräch. Gerade bei manipulierenden Vorgesetzten mit soziopathischen Zügen helfen keine Diskussionen und auch keine Machtspiele. Ihre Gewissenlosigkeit lässt sie perfide Ausgrenzungsstrategien benützen, gegen die emotional durchschnittlich strukturierte Menschen mit einigermaßen intakten Moralvorstellungen kaum Chancen haben. Da empfiehlt es sich vielmehr, die Firma zu verlassen.

Auch Andrea Schulau gab auf. Nach dem Abschluss ihres Projektes wechselte sie auf eine Forschungsstelle an einer norddeutschen Universität. Letztlich keine schlechte Entscheidung; heute ist sie dort selbst Professorin.

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