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Körpersprache von Frauen im Büro:Lieber einmal drängeln als endlos bitten

Frauen tun sich beim beruflichen Aufstieg schwerer als Männer. Das liegt auch an ihrer Körpersprache.

Frauen sind in der Minderheit - zumindest in Führungspositionen. Und obwohl sie ihren männlichen Kollegen in Sachen Entscheidungsfähigkeit in nichts nachstehen, müssen sie um die ihnen entgegengebrachte Akzeptanz in einem männlich dominierten Umfeld immer noch kämpfen. Hat ihre Körpersprache etwas damit zu tun?

Körpersprache Frauen

Frauen bewegen ihre Arme eher aus dem Ellebogen, Männer aus der Schulter: Angela Merkel (CDU) neben Matthias Platzeck (SPD).

(Foto: dpa)

Körpersprachliche Machtgesten sind männlich. Weibliche Körpersprache unterscheidet sich von männlicher in erster Linie nicht in der Bedeutung der Gesten, sondern vielmehr in deren Anwendung: Viele Körperhaltungen, die für einen Mann selbstverständlich - wenngleich längst nicht immer angebracht - sind, würde eine Frau schlichtweg nicht einnehmen. Beispielsweise jene, bei denen der Genitalbereich offen präsentiert wird.

Dies gilt ebenso für typische Machtgesten, denn auch diese sind vorwiegend männlich: Kurze, knappe Bewegungen, die Ausweitung der eigenen sowie die fehlende Rücksichtnahme auf fremde Distanzzonen. Zusammen mit einem mechanischen Lächeln und einem reduzierten Blickkontakt sendet man damit Signale, die eindeutig den eigenen Machtanspruch unterstreichen.

Generell beanspruchen Männer mehr Platz und führen ihre Körpersprache raumgreifender aus. Demgegenüber ist die weibliche Körpersprache deutlich rücksichtsvoller und bescheidener: Sie enthält weichere Bewegungen und benötigt weniger Raum. So stehen beispielsweise die Füße einer Frau im Stand näher beieinander. Reicht sie ihre Hand zum Gruß, liegt dabei die Hauptbewegung ihres Arms im Ellbogen; beim Mann liegt sie im Schultergelenk. Ein Mann holt weiten Schrittes aus, Frauen neigen zu kleineren Schritten. Männer drängeln, stoßen und schubsen eher und fassen Frauen in Einzelfällen wesentlich selbstverständlicher an, als diese es tun würden - und als es ihnen angenehm ist.

Diese Form der Nähe resultiert allerdings weniger aus Fürsorglichkeit, sondern daraus, dass Männer Besitz ergreifender agieren. Es ist bekannt, dass Frauen mehr soziale Eigenschaften und Fähigkeiten haben als Männer; entsprechend äußert sich dies eben auch in ihren körpersprachlichen Signalen.

So wird der männliche Vorgesetzte, der seinem Mitarbeiter einen Aktenstapel vorlegt und ihn mit den Worten: "Erledigen Sie das bis morgen!" auffordert, diesen schnellstmöglich abzuarbeiten, seine Aufforderung mit einem auf den Stapel deutenden Zeigefinger unterstreichen. Dieses dominante Signal macht deutlich: Hier handelt es sich um eine klare Order. Dem Naturell einer Frau entspräche in diesem Fall eher, eine Bitte vorzubringen, etwa: "Könnten Sie das bitte bis morgen erledigen?" und diese mit einer nach oben geöffneten Handfläche zu unterstützen. Für ihr männliches Gegenüber allerdings implizierte diese Variante vermutlich eine geringere Dringlichkeit.

Auch beim Handgruß, der einzigen in unserer Kultur in geschäftlichen Zusammenhängen gestatteten Körperberührung, setzen sich Männer häufiger durch. Etwa beim "Ranzieher" (1), beim "Schraubstock" (2) oder beim "Deckler" (3). Alle Varianten dominieren das Gegenüber, indem sie es entweder in die eigene Intimzone ziehen (1), dessen Hand zu impulsiv drücken oder gar quetschen (2) oder ihm - durch die Position der eigenen Hand mit dem Handrücken nach oben - die untergeordnete Position aufzwingen (3). Frauen, die auf diese und andere Machtdemonstrationen verzichten, gelten zu Recht als wesentlich umgänglicher, drohen allerdings deshalb - zumindest körpersprachlich - leichter zu unterliegen.

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