Knigge fürs Bewerbungsgespräch:Wie man sich im Vorstellungsgespräch richtig benimmt

Es hat geklappt: Die Einladung fürs Vorstellungsgespräch liegt im Briefkasten. Für Bewerber wird es jetzt richtig ernst: Es gilt, den potenziellen Arbeitgeber auch im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Schon Kleinigkeiten können über den Erfolg entscheiden. Die wichtigsten Tipps.

Tina Nachtmann

Jetzt bloß keinen Fehler mehr machen. Die Bewerbungsmappe wurde mühevoll erstellt, die erste Runde des Bewerbungsverfahrens erreicht. Nun liegt es an den Kandidaten, auch persönlich einen guten Eindruck beim künftigen Chef zu machen. Carolin Lüdemann, Karriereberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat, weiß, was sich beim Vorstellungsgespräch schickt und worauf Bewerber achten sollten. Und zwar, sobald sie den Ort des Geschehens betreten - was sie natürlich weder zu spät, aber auch nicht viel zu früh tun sollten.

Bewerbungsgespräch

Nicht immer ganz leicht: Wie benehmen sich Bewerber richtig, wenn ihnen ein Personaler gegenüber sitzt?

(Foto: endostock - Fotolia)

"Sobald man im Unternehmen ankommt, heißt es aufpassen: Alle Personen dort sind wichtig, beim Pförtner angefangen über den Empfang und die Sekretärin bis hin zum Gesprächspartner", sagt die Expertin. Daher sollten Bewerber zu allen freundlich sein, sich beim Empfang vorstellen: "Guten Tag, mein Name ist xy, ich habe einen Termin bei xy."

Bevor es richtig losgeht

Wird der Bewerber in einen Raum geführt, in dem er auf den Personaler warten soll, sei es ratsam, stehen zu bleiben - selbst wenn es heißt 'Nehmen Sie schon mal Platz'. "Das ist wichtig, weil man nicht weiß, ob es eine Sitzordnung gibt. Außerdem ist es so möglich, das Gespräch auf Augenhöhe zu beginnen", erläutert Lüdemann.

Sollte der Verantwortliche vergessen haben, einem den Mantel abzunehmen, könne man ruhig fragen, wo man ihn aufhängen dürfe, sagt sie - denn mit einer Jacke über dem Arm sähe man im Gespräch sonst aus, als sei man schon in Aufbruchsstimmung. Wer noch einmal die Toilette vor dem Gespräch aufsuchen möchte, kann auch das tun - unter einer Voraussetzung: "Unbedingt fragen: 'Wo finde ich die Waschräume?' oder 'Wo kann ich mir die Hände waschen?'"

Die Begrüßung

Wenn schließlich der Personaler den Raum betritt, hier lauert schon die nächste Fehlerquelle: Der Bewerber sollte sich ihm vorstellen, etwa mit 'Guten Tag, darf ich mich vorstellen, ich bin...'. Aber auf keinen Fall darf er ihm die Hand entgegenstrecken. "Das macht immer der Ranghöhere", erklärt Lüdemann.

Wenn es dann zum Händeschütteln kommt, sollte das nach Möglichkeit nicht über ein Hindernis hinweg wie etwa einen Schreibtisch oder Stuhl geschehen. Betreten mehrere Menschen den Raum und wider Erwarten macht keiner den ersten Schritt, geht man als Bewerber von sich aus gesehen von links nach rechts auf sie zu.

Richtig sitzen

Nach der Begrüßung wird der Personaler dem Bewerber einen Platz anbieten und gleichzeitig auf einen Stuhl deuten, auf den er sich setzen darf - was er zeitgleich mit dem Gesprächspartner tun sollte. Schlägt der Personaler wider Erwarten keinen Platz vor, setzt sich der Bewerber am besten auf einen Stuhl, der nicht so weit von seinem Gesprächspartner entfernt steht. "Je mehr Distanz, desto schwieriger ein gutes und vertrauensvolles Gespräch", erklärt Lüdemann.

Nun sind aber noch längst nicht alle Hürden genommen, denn auch das Sitzen will richtig gemacht sein: "Mittig und ganz auf dem Stuhl sitzen und den Oberkörper nicht so schmal machen", sagt Lüdemann. Männer stellen die Beine nebeneinander, Frauen dürfen sie überschlagen, müssen aber aufpassen: Dann wirken sie schnell schmal im Unterkörper und sollten ihren Oberkörper optisch verbreitern, etwa, indem sie die Ellbogen auf die Armlehnen legen.

Die Frage nach den Getränken

"Darf es etwas zu trinken sein?"

Auf die Frage 'Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?' sollte man unbedingt mit 'Ja' antworten, rät die Expertin. "Das wirkt sonst wie eine Zurückweisung, und außerdem vermittelt man den Eindruck: Naja, das wird hier eh nicht so lang dauern." Aber auch bei den Getränken gelten strenge Regeln: Man sollte sich an dem orientieren, was einem angeboten wird. Sonderwünsche wie 'Bitte einen Espresso mit Milchschaum' sind an dieser Stelle nicht angebracht. Wird einem etwa Wasser und eine Tasse Kaffee angeboten, darf man durchaus beides annehmen. Allerdings sollte man bis zum Ende des Gesprächs auch alles ausgetrunken haben.

Espresso im Restaurant 'Künstlerhaus' in München, 2010

Bekommt der Bewerber Kaffee angeboten, sollte er ihn annehmen - allerdings ohne Extrawünsche zu äußern.

(Foto: Catherina Hess)

Während des Gesprächs

Ein Vorstellungsgespräch beginnt normalerweise mit ein bisschen Smalltalk, bei dem der Bewerber aktiv mitwirken sollte. "Das heißt, meine Beiträge bestehen nicht nur aus fünf Wörtern, sondern sind schon 15 bis 20 Sekunden lang, damit mein Gesprächspartner sieht: Ich bin in der Lage, mich zu unterhalten, auch mit jemandem Fremden, denn das ist ein Zeichen sozialer Kompetenz", sagt Lüdemann. Themen könnten zum Beispiel das Wetter oder das Unternehmen sein.

Im Verlauf des Vorstellungsgesprächs gilt das gleiche. "Das ist ja kein Vorstellungsverhör, sondern ein gleichberechtigtes Gespräch", sagt Lüdemann. Wer sich nur verhören lässt, wirkt wenig selbstsicher. Der Bewerber solle sich einbringen. Er darf Fragen stellen und kann, falls es sich ergibt, vielleicht sogar auf einen Punkt hinleiten, den er gerne erwähnen möchte.

Während des ganzen Gesprächs sollte der Bewerber, solange er zuhört, ununterbrochen den Blickkontakt zum Personaler halten, sonst erscheine er desinteressiert. Und noch etwas darf er nicht vergessen: zu lächeln. "Das ist wichtig, den ein Lächeln sagt mehr als 1000 Worte", erklärt Lüdemann. Wer zu lächeln vergesse, wirke unfreundlich. Außerdem sollte der Bewerber darauf achten, dass seine Hände immer sichtbar sind. "Sonst entsteht der Eindruck, der hat etwas zu verbergen", sagt Lüdemann. Die Hände kann man auf dem Tisch ablegen - sofern einer vorhanden ist und es sich dabei nicht um den Schreibtisch des Personalers handelt - oder auf den Oberschenkeln oder der Armlehne.

Die Verabschiedung

Am Ende des Gesprächs heißt es meist: 'Haben Sie noch Fragen?'. Dann sei es angebracht, diese Chance zu nutzen. "Natürlich frage ich nicht nach Urlaub, Weihnachtsgeld oder einem Firmenparkplatz", sagt Lüdemann. "Aber vielleicht: 'Wie groß wird das Team sein, in dem ich arbeiten werde? Kann ich vielleicht schon mal einen Blick auf den Arbeitsplatz werfen?' Es kommt jedenfalls nicht in Frage, 'Nein, danke' zu sagen."

Ist alles vorbei, wartet der Bewerber, bis der Gesprächspartner aufsteht. Dann sollte er sich für das interessante Gespräch bedanken, den Stuhl zurechtrücken und warten, bis ihm der Personaler die Hand reicht.

Lüdemann empfiehlt, gleich nach dem Gespräch ein Dankesschreiben an das Unternehmen zu schicken. In dem Brief erwähnt man noch einmal zwei, drei Punkte aus dem Gespräch, die einem besonders gefallen haben. "Das kommt gut an, weil es kaum einer macht. So kann man sich von den anderen abheben." Außerdem könne man so bekunden, dass man noch an der ausgeschriebenen Position interessiert ist - denn das ist ja nicht selbstverständlich.

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