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Heimliche Herrscherinnen im Büro:Moneypenny allmächtig

Kolumne #endlichfreitag

Karriereratgeber empfehlen, es sich keinesfalls mit der Sekretärin zu verscherzen. Mit gutem Grund.

(Foto: SZ.de/Katharina Bitzl)

Er verdient das Geld, sie ist zuständig für Haushalt und Erziehung. Nein, wir sind nicht in einer konservativen Familie, sondern im Büro. Er ist der Chef - sie die heimliche Herrscherin. #endlichfreitag mit einer Hommage an die Sekretärin.

Job-Kolumne #endlichfreitag

Endlich Freitag. Hochgefühl! Ein letzter Gedanke an die verpatzte Präsentation am Montag, ein Erschauern im Rückblick auf das Get-together am Mittwochabend, schnell noch ein Papierkügelchen in Richtung des Kollegen im Polohemd geschnippt: Was Arbeitnehmer im Büro erleben und warum es immer wieder schön ist, wenn die Arbeitswoche rum ist - darum geht es in der Kolumne #endlichfreitag.

"Petraaaaaaaa - ich bin wieder dahaaaaa!" Die Stimme überschlägt sich fast. Doch der Mann, der ruft, steht nicht etwa auf einem Bahnsteig und freut sich über das Wiedersehen mit einer alten Flamme. Er steht in einem Großraumbüro und informiert seine Sekretärin darüber, dass er aus der Mittagspause zurück ist. Wie er auch sonst jede Befindlichkeit mit ihr teilt: Missfallen über die Raumtemperatur ("Petra, warum ist es so warm hier?"), Ärger über jegliche Art von Technik ("Petra, jetzt hat sich das hier schon wieder verstellt!"), Hunger ("Petra, ich brauch' was Süßes!") oder auch Erstaunen darüber, dass man für Pfandflaschen tatsächlich Geld zurückbekommt ("Und ich hab' die immer weggeschmissen!").

Und Petra? Veranlasst, dass die Raumtemperatur reguliert wird, korrigiert die Tastatur-Einstellung, besorgt Schokolade und erklärt geduldig, dass es für eine Bierflasche acht Cent und eine Coladose 25 Cent Pfand gibt. Und sie bleibt auch ruhig und freundlich, wenn die Stimme des Chefs laut und fordernd wird. "Petra, was soll diese Spesenabrechnung? Sowas will ich nicht auf dem Schreibtisch haben. Stellen Sie mich sofort zum Berger durch!"

Jeder mithörende Arbeitnehmer würde an dieser Stelle am liebsten aufspringen und sagen: "Weißt du eigentlich, was du ohne diese Frau wärst? Nichts! Also setz' dich gefälligst auf deinen Hosenboden und schau' selbst im Intranet nach, welche Durchwahl der Kollege Berger hat." Doch aus Selbstschutz machen das die wenigsten, es bleibt bei einem verschwörerischen Zwinkern in Richtung Petra. Und im Stillen fragt sich der Arbeitnehmer einmal mehr bewundernd: Wie hält sie das nur aus?

Kaffeemaschine, Drucker, bockige Kinder

500 000 Sekretärinnen und Assistentinnen soll es in Deutschland geben. Der Bundesverband Sekretariat und Büromanagement kann diese Zahl allerdings weder bestätigen noch dementieren: Die Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt, es könnten je nach Auslegung mehr oder weniger sein. Aber der kolportierte Anteil von nicht einmal zwei Prozent Männern in dieser Position komme "vom Gefühl her hin". Im Büro sind die Geschlechterrollen noch klar verteilt: Er verdient das Geld, sie ist zuständig für Haushalt und Erziehung.

Konkret bedeutet das: Sie sorgt für das leibliche Wohl der Familie (= eine funktionierende Kaffeemaschine), kümmert sich darum, dass defekte Haushaltsgeräte (Drucker!) zeitnah repariert werden, rennt den Kindern, pardon, Kollegen nach, wenn sie mal wieder vergessen haben, die Spülmaschine auszuräumen, und weist den Chef darauf hin, dass morgen ein wichtiger Geburtstag ist (und dass ein Tankstellen-Bouquet zum 40. der Ehefrau keine gute Idee ist). Gedankt wird es ihr oft mit einem genervten Augenrollen.

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Wobei sich durchaus nicht nur der Chef gebärden kann wie ein bockiger Teenager. Mancher Mitarbeiter ignoriert beharrlich auch noch die vierzehnte Erinnerungsmail, er möge doch bitte seine Steuer-ID übermitteln. Um dann wutschnaubend im Sekretariat aufzulaufen, weil er in Lohnsteuerklasse 6 eingestuft wurde: "Frau Kruse, da stimmt was nicht mit meiner Gehaltsabrechnung! Ihnen muss ein Fehler unterlaufen sein!"

Dabei gibt es genügend Ratgeberliteratur, die vor Arroganz und Geringschätzung gegenüber Sekretärinnen warnt. Sie werden zu Recht auch als die heimlichen Herrscher im Büro bezeichnet. Denn wenn Wissen Macht ist, dann ist die Sekretärin allmächtig. Verträge, Strategiepapiere, Budgetpläne - alles landet auf ihrem Schreibtisch. Verschwiegenheit gehört da natürlich zur Jobbeschreibung. Für Arbeitnehmer führt der Weg zum Chef so gut wie immer durch das Vorzimmer: Die Sekretärin entscheidet, wer am Telefon durchgestellt wird, sie priorisiert Mails, und wenn sie ein "dringendes Anliegen" für unwichtig befindet, kann der Mitarbeiter lange auf seinen Termin warten.

Rache ist tödlich

Respekt sollte also das Mindeste sein. Udo Lindenberg nannte seine frühere Assistentin einen "Flexibelbetrieb". Das klingt nach technokratischem Unternehmensberaterdeutsch - ist aber wohl eine Verneigung vor den Fähigkeiten seiner Mitarbeiterin. Und James Bond formuliert seine Hochachtung für Miss Moneypenny, die vielleicht berühmteste Sekretärin der Welt, einmal so: "There never has been and there never will be anybody but you." Natürlich, 007 und Moneypenny, das ist ein ewiger Flirt. Das macht das Kompliment aber nicht weniger wahr - dessen sollten sich auch alle Chefs bewusst sein.

Was passieren kann, wenn man seine Assistentin schlecht behandelt, zeigt der Fall Katharina Münk. Die frühere Chefsekretärin, die eigentlich anders heißt, veröffentlichte später mehrere Bücher über ihre Zeit als Vorzimmerdame. Eines trägt den Titel "Denn sie wissen nicht, was wir tun". Ein anderes heißt "Und morgen bringe ich ihn um".