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Wahl zur "Besten Sekretärin Deutschlands":"Mehr Wertschätzung wäre schön"

Deutschlands beste Sekretärin heißt Rebecca Stache und kommt aus Hamburg. Was man tun muss, um den Arbeitgeber komplett zufriedenzustellen, erklärt sie im Gespräch. Was dabei nicht helfe: blöde Vorurteile.

Die "Beste Sekretärin Deutschlands 2014" ist 32 Jahre alt und kommt aus Hamburg. Der Titel wurde Rebecca Stache gerade von einem großen deutschen Büroartikelhersteller verliehen. Sie arbeitet als persönliche Assistentin des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Hafen City Hamburg GmbH.

Süddeutsche.de: Glückwunsch erstmal! Was mussten Sie denn für Ihren Titel tun?

Rebecca Stache: Wir mussten einen Allgemeinwissenstest absolvieren, auf Zeit Akten sortieren und wegheften, ein Rollenspiel mitmachen und einen Brief auf Englisch schreiben. Schließlich gab es noch einen Gedächtnistest, bei dem wir uns Gesichter mit ihren zugehörigen Funktionen und Firmen merken mussten. Das war ziemlich anstrengend; wir hatten für alle Aufgaben nur sehr wenig Zeit.

Ich höre Ihnen die Erschöpfung fast ein bisschen an. Geht es Ihnen nach einem normalen Arbeitstag auch so?

Im Büro habe ich meistens ein bisschen mehr Zeit als nur drei bis fünf Minuten. Aber die Bandbreite der Aufgaben war schon repräsentativ, ja.

Auf welche Eigenschaften kommt es denn am meisten an als Sekretärin?

Ich finde proaktives Handeln ganz wichtig. Der Chef sollte einem nicht jeden Handgriff erklären müssen. Man sollte schon drei Schritte im Voraus denken können und sich alleine überlegen, wie man dem Vorgesetzten Arbeit abnehmen kann. Ansonsten sind für mich Loyalität und Verschwiegenheit ganz wichtige Punkte. Man sollte Firmengeheimnisse für sich behalten könnten und auch dem Chef gegenüber Loyalität beweisen. Flexibilität ist ebenfalls unabdingbar. Wenn sich im Arbeitsablauf etwas ändert, sollte man spontan darauf reagieren können.

Sind die früheren Königsdisziplinen einer Sekretärin wie Stenografieren und Kaffeekochen noch gefragt?

Ich kann das natürlich, mache das aber nur ab und zu. Es ist das Klischee, das immer noch an uns Sekretärinnen hängt und gegen das wir nach wie vor kämpfen müssen. Viele Leute haben vielleicht noch nicht die Erfahrung gemacht, wie es ist, mit einer guten Sekretärin zusammenzuarbeiten. Einer, die einem Arbeit abnimmt.

Keine Sekretärin ohne Chef. Was sind Ihrer Meinung nach die Eigenschaften eines guten Vorgesetzten?

Wichtig ist es, einen Chef zu haben, der kommuniziert und sich mit seiner Sekretärin abstimmt. Einer, der offen und ehrlich sagt, wie er die Dinge erledigt haben will und hinterher Feedback gibt. Außerdem sollte er kompetent sein, in dem, was er tut. Nichts ist schlimmer als ein Chef, der keine Ahnung hat und für den man sich dann vielleicht noch entschuldigen muss.

Viele Sekretärinnen werden inzwischen gar nicht mehr so genannt oder wollen auch gar nicht mehr so genannt werden. Wie geht es Ihnen mit der Berufsbezeichnung?

Ich habe damit kein Problem. Ich richte mich immer danach, was von Seiten des Unternehmens gewünscht ist. Es kommt ja auch immer auf die Aufgaben an, die mit der Tätigkeit verknüpft sind. Meine Bezeichnung ist persönliche Assistentin. Das bedeutet, dass ich eben auch mal persönliche Anliegen für den Chef erledige und nicht nur die Dinge, die für die Firma anstehen. Diesen Titel hat sich mein Chef so gewünscht. Darüber hinaus bin ich auch geschäftsführende Sekretärin. Mir persönlich ist die Bezeichnung relativ egal. Aber wenn das Wort "Sekretärin" fällt, kämpft man schon mehr mit Klischees.

A propos: Was ist für Sie das blödeste Klischee über Sekretärinnen?

Immer wieder: Kaffee kochen, Nägel lackieren, tippen. Nichtsnutziges Herumsitzen eben. Das entspricht ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr der Realität. Das ärgert mich manchmal. Der Wettbewerb ist eine gute Möglichkeit, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen.

Was war bislang für Sie das schönste Kompliment für Ihre Arbeit?

Ein konkretes Ereignis habe ich da nicht im Kopf. Generell freue ich mich über positives Feedback von meinem Chef. Wenn ich weiß, er ist zufrieden und ich habe einen guten Job für ihn gemacht. ln erster Linie muss ich mich ja auf ihn einstellen.

Was möchten Sie den Leuten für den Umgang mit Sekretärinnen mitgeben?

Sie sollten die Klischees vergessen und darauf achten, was wir in unserem Job leisten. Mehr Wertschätzung wäre schön. Wir sind keine kleinen Tippsen.