Gründungszuschuss:Die Zukunft des Bildungscoachings ist unklar

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Das schreckt viele Menschen ab, die sich Zeit lassen wollen, um sich gut vorzubereiten", sagt Nicole Führing. Sie war früher bei einem Hersteller für Zahnimplantate im Außendienst tätig und machte sich Ende 2008 mit dem mobilen Büroservice "Draußendienst" selbständig. Seither berät sie auch Gründer, unter anderem im Auftrag der Kfw-Bankengruppe. Auch dieses Gründungscoaching, das etwa 1000 Euro kostet, wird zu großen Teilen öffentlich gefördert. Wie das in Zukunft aussehen wird, ist unklar.

"Dass die Förderungsdauer reduziert werden soll, ist sehr ungünstig", sagt Führing, "vor allem Gründer mit teuren und langwierigen Vorhaben, etwa in der Gastronomie, setzt das stark unter Druck. Sie müssen nun in nur sechs Monaten ein geeignetes Restaurant suchen, Personal finden und Kredite beantragen. Auf diese Weise stolpern viele Menschen zu schnell in die Gründung hinein. Das könnte dazu führen, dass sie eher wieder scheitern."

Nach einer IAB-Studie ist die Förderung ein effektives Instrument zur Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Während zum Gründungszuschuss noch keine genauen Zahlen vorliegen, haben sich mehrere Studien mit dem früheren Überbrückungsgeld befasst. Die Forscher ziehen überwiegend eine positive Bilanz, besonders auf längere Sicht: Knapp fünf Jahre nach der Gründung sind immer noch 55 bis 70 Prozent der Geförderten in Vollzeit oder Teilzeit selbständig tätig. Weitere 20 Prozent gehen wieder einer sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nach, was auch daran liegt, dass während der Selbständigkeit neue Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern entstehen.

Warum nun gerade der Gründungszuschuss so stark beschnitten werden soll, ist nicht nur den Gründerverbänden unklar. Auch Fachleute bei der Bundesagentur und im Wirtschaftsministerium, das erst 2010 mit der "Initiative Gründerland" eine Offensive startete, um mehr Menschen zu motivieren, Unternehmer zu werden, halten nichts vom Sparkurs.

Die 35 Jahre alte Jennifer Rumbach aus Aachen ist nicht sicher, ob sie sich ohne den Zuschuss eine Selbständigkeit zugetraut hätte. Nach einem abgebrochenen Germanistikstudium absolvierte sie eine Lehre bei einem Fotografen, ließ sich dann aber bei einem kleinen Verlag als "Mädchen für alles" anstellen, weil ihr die Auftragslage als Berufsanfängerin zu unsicher erschien und sie nach diversen unbezahlten Praktika "auch endlich mal Geld verdienen" musste.

Der Job im Verlag war ein Kompromiss, das hat mich auf Dauer belastet", sagt Rumbach. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet sie nun erfolgreich als Fotografin und Künstlerin. "Gerade in den ersten Monaten nach der Gründung hatte ich noch nicht viele Kunden", sagt sie. "Ohne den Gründungszuschuss hätte ich das nur mit Hilfe von Ersparnissen durchgestanden." Da sie keine Kredite aufnehmen wollte und finanziell kein Polster hatte, hätte sie sich einen anderen Job zum Broterwerb suchen und die Fotojobs erst einmal eine Weile nebenbei machen müssen. "Das wäre schon möglich gewesen", sagt Rumbach, "aber dann hätte es Jahre gedauert, bis ich von meinem erlernten Beruf hätte leben können."

Im vergangenen Juli hat die Bundesagentur für Arbeit 11 047 Menschen mit Gründerzuschuss oder Einstiegsgeld unterstützt, im August waren es 11 897. Die Zahlen legen nahe, dass viele Gründungswillige ihre Entscheidung vorziehen, um sich noch rechtzeitig den Zuschuss in der bisherigen Höhe zu sichern.

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