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Führungsspitzen:Mit Ideen-Recycling an die Macht

Energie für die Chefetage sparen: Warum sich Manager mit Nachhaltigkeit und Öko-Strategien beschäftigen sollten.

Alexandra Borchardt

Dass ein gewisses Maß an ökologischer Grundbildung heute Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften ist, hat sich in den meisten Chefetagen herumgesprochen. Wenigen Führungskräften ist jedoch bewusst, wie viele grüne Prinzipien ohnehin ihr Handeln durchziehen. Es empfiehlt sich also ein Nachhaltigkeitstest. Mit den Ergebnissen wird so mancher Proband beim nächsten Öko-Audit glänzen können.

Auch leere Flaschen sehen aufgefüllt fast wieder wie neu aus. Das wissen auch Manager.

(Foto: Foto: Reuters)

Zunächst zu klären wäre die Frage der Nachhaltigkeit selbst. Das Wort ist der Versuch einer Übersetzung des englischen Begriffs sustainable development, einer Entwicklung also, die etwas erhält. Und welcher Chef hätte nicht das oberste Ziel, sich selbst in seiner Position zu halten? Na also.

Wer nachhaltig handeln will, sollte etwas von Recycling verstehen. Und auch Führungskräfte wären ohne diese Technik aufgeschmissen. So lassen sich die Ideen der Kollegen neu verpackt beim nächsten Treffen mit der Geschäftsführung als eigene verkaufen. Die Folien drei bis sieben aus der Kundenpräsentation wirken auch beim Motivationsgespräch mit der Verkaufstruppe, und um viele Thesen, Redebausteine oder Witze wäre es geradezu schade, würde man sie nur einmal vorbringen. Es empfiehlt sich jedoch, die Herkunft bei Wiederverwendung unkenntlich zu machen. Dies klappt beim Jobwechsel am besten.

Standardrepertoire in Krisenzeiten

Die Suche nach alternativen Antrieben, mit der sich Automanager derzeit aus ökologischen Gründen quälen, gehört für jeden Vorgesetzten zum Standardrepertoire in Krisenzeiten. Verbietet der Etat Gehaltserhöhungen, müssen andere Strategien die Beschäftigten in Bewegung setzen. Für die Umwelt ist es allerdings am besten, wenn Verkehr vermieden wird, was sich auch aufs Innerbetriebliche übertragen ließe.

Der Energiebilanz wie dem Vorgesetzten hilft eine gute Isolation. Es führt sich besonders unbeschwert, wenn man motzende Mitarbeiter, nörgelnde Kunden und fordernde Vorgesetzte nicht allzu nah an sich heran lässt. Um sich energetisch zu optimieren, strukturiert man seine Abteilung wie ein Passiv-Haus: so, dass sie ohne Energiezufuhr von außen vor sich hin wirtschaften kann. Weniger Einmischung dient dem Klimaschutz.

Warum selbst managen, wenn es Unter-Manager gibt?

Viele Vorgesetzte zeichnen sich ohnehin durch konsequentes Energiesparen aus. Warum selber managen, wenn sich dafür auch ein Unter-Manager einsetzen lässt? Warum viel Staub in der Abteilung aufwirbeln, wenn die Mitarbeiter danach stundenlang mit Fegen beschäftigt sind? Auf der Treppe zum Erfolg ist Energieeffizienz ein Muss: Wer auf den unteren Etagen zu viel Kraft verbraucht, wird es nie bis ganz nach oben schaffen.

In der Natur wie im Beruf lassen sich ökologische Schäden dennoch nie ganz vermeiden. Die Führungskraft ist deshalb gut beraten, wenn sie den Prinzipien des grünen Deals folgt: Wer an einer Stelle holzt, muss anderswo umso mehr Bäume pflanzen. Wer also zu Wutausbrüchen neigt, sollte umso kräftiger loben. Hat es ein Geschäftsführer nur mit Zahlen, nicht aber mit Menschen, lässt sich dies kompensieren, indem man ihm einen Menschenfreund zur Seite stellt. Im Umweltschutz wird so etwas Emissionshandel genannt.

Schwierige Sache

Dies alles darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass umweltverträgliches Führen eine schwierige Sache ist. Wer immer noch nach einer Strategie sucht, könnte es vielleicht mit Kraft-Wärme-Kopplung versuchen.

© SZ vom 11.01.2010/holz
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