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Führungsspitzen:Machen Sie sich mal richtig frei

Die nackte Wahrheit lautet: Dank Krise herrscht Motivationslosigkeit überall. Dabei gibt es eine ultimative Methode zur Team-Ertüchtigung.

Wollen wir also den nackten Tatsachen schonungslos ins Antlitz blicken. Ödnis und Motivationslosigkeit so weit das Auge reicht. Die halbe Mannschaft arbeitet schon seit Monaten kurz, fünf Mitarbeiter aus der Abteilung haben einen goldenen Abfindungshandschlag bekommen, und ihr Abgang hat nicht dazu beigetragen, die Stimmung der Hinterbliebenen zu heben. Folgerichtig hält sich auch das Produktivitätsniveau hartnäckig auf dem Stand des Stimmungspegels, also nahe null.

Machen Sie sich mal richtig frei: Ein nackter Arbeitstag bewirkt eine nachhaltige Durchlüftung der Kommunikation.

(Foto: Foto: iStock)

Schon trägt sich der Chef mit dem Gedanken, einen Humortrainer zu engagieren. Lachen wir sie einfach weg, die Finanzkrise. Immerhin, so viel weiß er seit dem Siegeszug der noch jungen Lachforschung: Beim Zwerchfellerschüttern werden positive zwischenmenschliche Signale gesetzt, die Teamgeist, Kreativität und Motivation im Betrieb fördern. Humor im Büro hilft Konflikte zu lösen und Stresshormone abzubauen. Weswegen der ohnehin schon vollkommen überlaufene Coaching- und Trainermarkt wiederum um eine spezialisierte Spezies reicher geworden ist.

Die Gegner einfach nackt vorstellen

Aber über Humortrainer lachen inzwischen schon die Hühner. Gibt es da doch eine Methode mit durchschlagenderen Erfolgsaussichten. Nicht von ungefähr heißt es ja, wer immer sich vom tobenden Chef geschurigelt oder von der mobbenden Kollegin in den Senkel gestellt wähnt, möge sich die Protagonisten seiner Albträume einfach nackt vorstellen, schon verfliege der Ärger - nun ja, wenigstens zum Teil.

Aber was heißt vorstellen? Warum nicht gleich zur Tat schreiten? Genau! Bei der Design- und Marketingagentur Onebestway im britischen Newcastle ist sowieso Hopfen und Malz verloren, dachte sich der Firmenpsychologe David Taylor, da ziehen wir jetzt mal ganz andere Saiten auf. Der Bürosegen hing mehr als windschief, seit sechs Krisenverlierer mangels Auftragseingängen ihre Schreibtische hatten räumen müssen, und so ließ sich Agenturchef Michael Owen zur Radikalkur überreden.

Durchlüftung der Kommunikation

Als an einem "Casual Friday" im April Millionen von Büroangestellten zwischen Honolulu und Hammerfest in legerer Freizeitkleidung in ihre Kontore eilten, kamen die sechs übrig gebliebenen Agenturleute - vier Männer und zwei Frauen - sowohl oben als auch unten ohne. Nun sind die Briten mit ihrem legendär skurrilen Humor vielleicht noch die dankbarsten Abnehmer solcher Team-Ertüchtigungsinstrumente Marke Holzhammer, von denen selbst der Psychologe Taylor sagt, dass dies das extremste Mittel sei, das er je eingesetzt habe. Und dass das Marketing- und Designvölkchen immer für einen Jokus gut ist, wissen wir auch.

Jedenfalls scheint der nackte Arbeitstag eine nachhaltige Durchlüftung der Kommunikation bewirkt zu haben. "Es war schon erstaunlich", so Agenturchef Owen, "wir haben plötzlich viel ehrlicher miteinander gesprochen." Zweifellos habe ein neuer Teamspirit bei Onebestway Einzug gehalten.

Ebenso zweifellos fällt uns der eine oder andere Wirtschaftsgroßkonflikt ein, bei dem krasse Kommunikationsstörungen zum entscheidenden Hemmnisfaktor gerieten. Außer der Jahreszeit spricht aber nicht viel dafür, dass sich Auto- und Sportwagenbauer oder ihre Zulieferer zwischen Franken, Niedersachsen und Schwaben so weitgehend frei machen könnten. Für sie gilt der gute alte Arthur Schnitzler: "Die Entblößung der Gefühle ist viel anstößiger als die des Körpers."