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Elite-Uni Harvard:Die sieben mageren Jahre haben begonnen

Ideologische Differenzen

(Foto: Foto: dpa)

Schon möglich, dass die Finanzfachleute, die Harvard ja selbst ausbildet, auch angesichts der hohen festen Kosten (Schuldendienst, Finanzhilfe, Gehälter, zugesagte Forschungsgelder) noch einiges hätten richten können. Aber im Investment-Bereich hatten ideologische Differenzen zwischen den Beteiligten schon lange zu Spannungen geführt.

Nina Munks Analyse ist hier besonders erhellend: Harvards Kapital wird seit 1974 von der Harvard Management Company (HMC) verwaltet, und gewirtschaftet wurde zunächst sehr vorsichtig: Walter Cabot, Spross einer alteingesessenen Bostoner Familie und erster Vorsitzender der HMC, hatte Harvards Vermögen durch konservative Anlagen durch den Crash von 1987 gebracht. "Ich hätte anderswo sicher mehr Geld verdienen können; aber mir ging es immer darum, etwas Einzigartiges für die Institution zu tun, die mich selbst ausgebildet hat."

Kühne Expansions- und Ausgabenpolitik

Als der Markt sich erholte, war Cabot, durch einen Herzinfarkt geschwächt, nicht mehr in der Lage, den Aufschwung für die Universität zu nutzen. Er wurde durch Jack Meyer ersetzt, der die Investment-Strategie völlig veränderte und die HMC wie einen regulären Hedge Fund an der Wall Street führte. Das bedeutete auch, dass er seine Mitarbeiter, wie an der Wall Street üblich, am Gewinn beteiligte. Zwischen 1990 und 2008 wuchs Harvards Kapital jährlich um 14,3 Prozent, was Harvards Verwaltung eben zu jener kühnen Expansions- und Ausgabenpolitik verführte.

Mit den Gewinnen wuchsen die Vergütungen für die Mitarbeiter der Investment-Gruppe. Das rief einerseits die Neider auf den Plan (was sind schon lumpige 200.000 Dollar im Vergleich zu den 10,2 Millionen, die der Investment-Stratege Jon Jacobson 1998 einstrich). Andererseits machten die riskanten Strategien des neuen HMC-Teams die Führung der Universität nervös.

Ein Gewinn von 27 Prozent

Außerdem mischte sich nach 2001 der neue Präsident Lawrence Summers, der selbst kurz Finanzminister der Vereinigten Staaten gewesen war, ständig ein. Im Jahr 2005 warf Meyer schließlich das Handtuch, nach 15 Jahren bei der HMC. Er nahm 30 seiner besten Leute mit.

Ein Jahr wurde vertan, um einen Nachfolger zu finden. Als der kluge, in Oxford ausgebildete Mohamed El-Erian 2006 den Job annahm, wurde er so gegängelt, dass er sich nach zwei Jahren wieder verabschiedete. Er hatte im Jahr 2007 für Harvard einen Gewinn von 27 Prozent erwirtschaftet. Als im Juli 2008 Jane Mendillo auf El-Erians Sessel folgte, ahnten einige schon, welch schweren Job sie da angenommen hatte.

Noch liegen die neuen Zahlen zu Harvards tatsächlicher Finanzlage nicht vor. Doch allen ist klar, dass die sieben mageren Jahre begonnen haben. Die Kornkammern der Universität Harvard aber sind leer.

© SZ vom 4.8.2009/bön

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