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Die Wissenschaft nach Guttenberg:Unis führen sich auf als seien sie Harvard

Manche Unis führen sich mittlerweile auf, als seien sie schon eine Kopie von Harvard oder Yale. Mit ein paar Millionen Euro aus dem Exzellenz-Programm kann aber niemand abheben, und statt fescher Slogans könnten die Rektoren Wilhelm Buschs Geschichte vom fliegenden Frosch an die Hörsaal-Wände pinnen: "Wenn einer, der mit Mühe kaum / gekrochen ist auf einen Baum, / schon meint, dass er ein Vogel wär, / so irrt sich der."

Comebacks nach dem Rücktritt

Jetzt erst recht

Großspurigkeit, Schummelei oder Schlamperei sind nur die eine Seite des Guttenberg-Komplexes. Eine andere Seite ist die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, das Schinden von Eindruck und das Schielen nach Effekt. Und diese Sehnsucht kennen viele Wissenschaftler gut.

Manche Uni-Präsidenten gerieren sich längst wie Politiker, und einige Professoren werden als Superstars der Forschung umgarnt, mit hohen Summen gelockt und "transferiert" wie teure Fußballprofis. Die Universität verwandelt sich in einen marktgesteuerten Spielbetrieb.

Der für die Wissenschaft konstitutive Markt der Ideen rückt dabei in den Hintergrund, auch wenn die Stars der Forschung ihren Wert zunächst aus ihrer intellektuellen Kraft und Kreativität beziehen. Wenn der Markt der Ideen und die Ideale von Wahrheit und Wahrhaftigkeit allerdings überlagert werden durch eine Kommerzialisierung des Geistes, wäre am Ende auch die intrinsische Motivation der Studenten und Professoren bedroht, ohne die wirklich gute Forschung nicht möglich ist.

Sich geschickt zu präsentieren, ist eine Kunst, die an der Hochschule immer wichtiger wird, oft zum Schaden von Substanz und Diskurs. Viele Doktoranden werden neuerdings in Seminare geschickt, in denen sie etwas über Präsentationstechniken und Selbstvermarktung lernen - als wollte die Universität lauter kleine Consultants heranziehen.