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Die Wissenschaft nach Guttenberg:Eitle Exzellenzen

Zwischen Selbstvermarktung und Karriere: Die Welt der Wissenschaft ist beileibe nicht so rein, wie sie nun in der Plagiatsaffäre tut. Heuchelei, Filz und Verlogenheit sind dem Wissenschaftsbetrieb nicht fremd.

Einen Tag nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers haben die Professoren wieder ihre Exzellenz-Hymnen gesungen. Am Mittwoch fielen die Vorentscheidungen in der "Exzellenzinitiative", dem bundesweiten Wettbewerb der Universitäten um Geld und Prestige. Das Zusammentreffen des Termins mit der Plagiatsaffäre ist ein Zufall, den man durchaus einem Gott der Wissenschaft andichten könnte. Was will er den Studenten und Professoren damit sagen?

Studenten feiern Abschluss in Bonn

Für immer mehr Studenten gehört der feierliche Abschluss zum Studium - in entsprechender Kleidung.

(Foto: dpa)

Vielleicht ist es ein Wink, sich vor Selbstzufriedenheit zu hüten. Vielleicht ist es eine Warnung, die Freude über wissenschaftliche Exzellenz nicht zum Hochmut zu steigern. Bescheidenheit ist an der Universität von heute nicht unbedingt eine Tugend, die noch belohnt wird. Wer nach dem ur-wissenschaftlichen Prinzip "Präzision vor Tempo" arbeitet, gerät in Gefahr, keine Karriere zu machen.

Showmanship gibt es nicht nur in der Politik, sondern auch an der Universität. Das war immer schon so. Das Exzellenz-Rennen, Rankings und die "leistungsorientierte Mittelvergabe" haben die Selbstvermarktungszwänge und den Narzissmus der Institutionen und ihrer Forscher aber noch verstärkt.

Der Furor, der sich an den Hochschulen gegen Guttenberg richtete, speist sich womöglich auch aus dem Selbstekel von Professoren, die auf Tagungen und in Sammelbänden oft mehr Schein als Sein aufbieten. Alle wissen es, alle merken es, aber keiner sagt etwas.

Zwar gibt es durchaus Selbstheilungskräfte der Wissenschaft; der Fall Guttenberg ist dafür ja das beste Beispiel. Die ersten Plagiatsvorwürfe kamen schließlich von einem Bremer Professor. Und die Universität Bayreuth, an der die unselige Dissertation angenommen und wieder aberkannt wurde, wird den Fall auch noch prüfen, wenn sich Politiker und Journalisten längst anderen Themen zugewandt haben.

Aber nicht alle Defekte im eigenen System erreichen das kritische Auge der Wissenschaft. Vieles wird zugedeckt durch die phrasenhafte Rhetorik von "Exzellenz" und "Spitzenforschung". Das Exzellenzstreben hat zweifellos auch sein Gutes. Es bewahrt die Universitäten davor, im Dämmerzustand vor sich hin zu siechen. Niemand kann sich die Schläfrigkeit und die Verkrustungen zurückwünschen, die noch in den frühen neunziger Jahren das Leben auf dem Campus prägten.

Der Muff unter den Talaren war verzogen, der Mief eines bürokratisierten Massenbetriebs um so unerträglicher. So gesehen kann man ein bisschen froh sein über all die smarten und schneidigen Uni-Präsidenten und Wissenschaftsmanager, die nun an den Hochschulen den Ton angeben.

Man muss nur aufpassen, dass die Dümpelei von früher nicht einer gut getarnten Scharlatanerie weicht. Überspitzt gesagt: Ist das Prinzip des Plagiats - das Vorspiegeln eigener Größe - nicht auch jener Mechanismus, den die Universitäten, angetrieben vom Exzellenz-Wettbewerb, oft bis zur Grenze des Erlaubten selbst strapazieren? Und bisweilen sogar über die Grenze hinaus: Erst vor wenigen Wochen erteilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft zwei Wissenschaftlern eine "Rüge", weil in ihrem Antrag Plagiate auftauchten.

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