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Cybermobbing in der Schule:Gemein sein, bis der Arzt kommt

Immer mehr Jugendliche werden im Internet von Mitschülern bloßgestellt: Viele macht das krank, sie fühlen sich von allen abgelehnt, ihr Selbstbewusstsein ist kaum mehr vorhanden. Wie sich Schüler und Eltern wehren können.

Klara fühlte sich eigentlich recht wohl in der 9. Klasse ihrer Realschule. Es hatte zwar einige Probleme gegeben, als sie ihren Freund kennenlernte, aber sie glaubte, die Angelegenheit sei geklärt. Er kam aus der Parallelklasse. Andere Mädchen fanden ihn auch nett, aber er hatte sich für Klara entschieden. Komisch fand sie dann, dass Mitschülerinnen, die sie als Freundinnen bezeichnete, auf ein Mal in der Schule über sie lästerten, sie ausgrenzten und mit ihr nichts mehr zu tun haben wollten.

Internet-Mobbing gegen Lehrer

Gemeinheiten im Netz: Cybermobbing macht Jugendliche krank.

(Foto: dpa)

Klara bewegte sich virtuell nachmittags vorwiegend bei SchülerVZ und ICQ. Auch dort gingen die Lästereien weiter, allerdings noch härter und kränkender. Schlampe und Hure waren noch harmlose Bemerkungen. Anfangs mischte sie noch mit, rechtfertigte sich, schimpfte zurück. Doch die Sache nahm einen Verlauf, dem sie nicht mehr gewachsen war. Noch nie war sie im Leben so beschimpft und gekränkt worden. Sie traute sich nicht mehr aus der Wohnung heraus, zog sich immer weiter zurück, verlor Kontakte zu anderen Jugendlichen, auch die Beziehung zu ihrem Freund ging in die Brüche. Die Mutter erzählte ihr erst viel später, dass sie im Postkasten einen Zettel gefunden hatte mit der Botschaft, dass Klara doch sterben solle.

Nachdem Klara dann die Schule aus Angst vor weiteren Attacken ein halbes Jahr nicht mehr besucht hatte, kam sie zu uns in die Klinik. Emotional zutiefst verunsichert, verängstigt. Sie fühlte sich von allen abgelehnt, ihr Selbstbewusstsein war kaum vorhanden, sie war nicht mehr belastbar. Es gab Zeiten, da wollte sie nicht mehr leben. Ihre Eltern waren hilflos.

So fangen in den letzten Jahren Problematiken von einigen Jugendlichen an, die in die stationäre psychiatrische Behandlung kommen. Das Cybermobbing hat stark zugenommen, es macht die emotionale Verwundbarkeit von Jugendlichen noch größer und ist oft Auslöser für seelische und soziale Krisen. Mittlerweile gehört es zum Standard bei stationären Aufnahmen, auch die Aktivitäten im Internet abzufragen.

Festzuhalten ist, dass fast jeder aufgenommene Jugendliche Kontakte zu sogenannten Social Networks hat, Mädchen im Schnitt etwas umfassender als Jungen. Es geht nicht mehr um Erfahrungsaustausch und Wissenserwerb, sondern darum, sich einer Öffentlichkeit zu präsentieren, möglichst viele Kontakte zu knüpfen, "dazuzugehören" und Lebenswelten miteinander zu verbinden.