Bloggen als Business Die Modebloggerin (1)

Julia Richter von apersonalstyle.com (Bild: Frank Bauer)

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Julia Richter, 46

Blog: apersonalstyle.com

Reichweite: 3000 Unique User pro Monat

Verdienst: fast nichts

Ich verdiene mit meinem Blog kein Geld - zumindest nicht regelmäßig. Das liegt vor allem daran, dass ich keine beliebigen Werbebanner auf dem Blog sehen möchte. A personal style ist ja kein normaler Modeblog, sondern fast schon eine Sozialstudie. Ich porträtiere Menschen und ihren Stil - und zwar immer wieder über Jahre hinweg. Insgesamt zeige ich 14 Menschen, die ich alle paar Monate treffe und mit denen ich über ihr Leben, ihren Stil rede und darüber, was sich seit unserem letzten Treffen verändert hat. Man sieht jetzt schon, nach drei Jahren, wie sich meine Protagonisten ändern, wie manche Haarsträhnen grau werden, wie ein Ortswechsel oder ein neues Studium die Leute beeinflussen.

Diese Form der Nachhaltigkeit ist nicht einfach zu vermarkten. Natürlich möchte ich Geld verdienen mit dem Blog, ich muss ja von etwas leben. Im besten Fall wäre das eine Firma, die diese Art der Darstellung als Image nutzt und der Nachhaltigkeit, Tradition und Wertigkeit etwas bedeutet. Ein Beispiel für so eine gelungene Kooperation ist die zwischen Tiffany's und dem Blog Advanced Style, der das Outfit von alten New Yorkerinnen fotografiert. So etwas fände ich schön. Ich könnte mir auch Sponsored Posts vorstellen, also Beiträge, für die ein Kunde bezahlt, oder Produkttests, wenn es zu meinem Blog passt. Aber noch habe ich nicht den richtigen Partner gefunden, obwohl ich von PR-Firmen mit Angeboten zugeballert werde. Das liegt vor allem daran, dass ich bei einigen Rankings oben dabei bin, weil die Verweildauer auf meinem Blog bombig ist.

Es hat sich eher dahin entwickelt, dass mein Blog zu einer Art Sedcard geworden ist. Einige meiner Protagonisten wurden schon als Models für Werbekampagnen gebucht. Und auch für mich ist der Blog ein Portfolio geworden, durch das ich auch schon Aufträge für Foto-Jobs bekommen habe, obwohl ich ursprünglich aus einem anderen Bereich komme. Ich bin gelernte Modedesignerin und habe auch einige Jahre in dem Job gearbeitet, bevor ich Trendscout wurde. Ich habe für große Unternehmen in den USA europäische Mode- und Stoff-Trends beobachtet und den Designern Trendbücher zusammengestellt.

Der Job war toll, aber als meine Kinder kamen, konnte ich erst mal nicht weitermachen. Und wenn man in dem Bereich eine dreijährige Pause einlegt, dann sind sämtliche Kontakte kalt und man kann von vorne anfangen. In der Zeit habe ich mich ziemlich abgehängt gefühlt.

Als ich dann mit dem Blog angefangen habe, war das wie eine Befreiung. Da konnte ich etwas Komplexes schaffen und hatte eine Art Mappe, die ich der Welt präsentieren konnte. Momentan mache ich einen Post pro Woche, das bedeutet etwa fünf Stunden Arbeit. Ich treffe die Leute immer lange, rede mit ihnen, mache Bilder. Danach texte ich und nebenher promote ich den Blog auf Facebook und Pinterest.

Natürlich will ich populärer werden und wachsen. Gleichzeitig will ich mich nicht zu sehr verbiegen. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, mich von einer Agentur vermarkten zu lassen, die meinen Blog ohne Rücksicht auf Verluste pusht, nur um das Ranking zu erhöhen. Irgendwie gefällt mir das langsame Wachstum ja auch. Schnell ist nämlich nicht gleichbedeutend mit gut.