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Bewerbung per Videochat:Ein erstes Kennenlernen, mehr nicht

Laut dem Münchner Bewerbungscoach Hans-Jörg Liersch ist das aber nicht immer so. "Es kann durchaus passieren, dass der Mitbewohner durch das Bild läuft oder plötzlich die Katze auf die Tastatur springt", sagt er. Mit solchen Vorfällen solle man "charmant und gelassen" umgehen. Otto-Personalerin Baumgart erinnert sich an ein Interview per Skype: Da klingelte bei der Bewerberin plötzlich der Wecker. "Darüber haben wir herzlich gelacht. Heute ist sie bei uns beschäftigt."

Dennoch gelte es, mögliche Fehlerquellen auszuschalten, erklärt Hanna Pfirmann, Recruiterin bei X-TIX. Wichtig seien allen voran eine stabile Internetverbindung und gute Tonqualität. "Technische Störungen während des Gesprächs sind ein No-Go", sagt sie. Zudem mache es einen schlechten Eindruck, wenn das Umfeld laut sei oder wenn sich der Bewerber in einem sichtbar unaufgeräumten Zimmer aufhalte.

Bewerbungscoach Liersch rät zudem, das Gespräch vorher mit einem Freund zu proben und sich Feedback geben zu lassen. "So kann man sicherstellen, dass die Technik funktioniert und man selbst überzeugend rüberkommt." Vor allem Menschen, die viel gestikulieren, sollten das beim Skype-Gespräch unterlassen, sagt Liersch. Man laufe sonst Gefahr, mit den Händen vor der Kamera herumzufuchteln und ein unruhiges Bild zu erzeugen. Personalerin Pfirmann sieht es zudem gern, wenn Bewerber direkt in die Kamera und nicht auf den Bildschirm schauen. "Dadurch entsteht indirekt Augenkontakt, was den Bewerber sympathischer macht", sagt sie.

Im Gespräch kann man dann laut Personaler Schäfer zusätzlich durch einen routinierten Umgang mit der Videochat-Software punkten." Ein Bewerber schickte uns beispielsweise über die Chat-Funktion einen Link zu einem Projekt, das er kürzlich abgeschlossen hatte." Das sei ihm positiv aufgefallen.

Für Baumgart sind solche technischen Feinheiten nicht ausschlaggebend. Sie möchte ihr Gegenüber vor allem gut sehen können. "Deshalb ist es schlecht, wenn die Sonne ins Bild scheint und der Bewerber nur schemenhaft zu erkennen ist", sagt sie. Baumgart rät deshalb dazu, vor dem Gespräch zu überprüfen, in welche Richtung die Sonne wandern wird.

Auch die Kleidung muss auf das virtuelle Vorstellungsgespräch abgestimmt werden. "Wegen der vergleichsweise niedrigen Bildauflösung eignet sich kleingemusterte Kleidung gar nicht", sagt Liersch. Lieber solle man dunkle oder kräftige Farben tragen. Sonst gilt laut Schäfer dasselbe wie für jedes andere Vorstellungsgespräch auch: Das Outfit dürfe ruhig ein wenig schicker sein, als das sonst im Unternehmen üblich ist. Dabei sieht der Personaler natürlich immer nur das, was oberhalb der Tischkante ist. "Manch einer mag Hausschuhe tragen", sagt Personalerin Baumgart.

Ellen Nagel hat auf legere Fußbekleidung verzichtet. "Das wäre peinlich geworden, wenn ich zwischendurch hätte aufstehen müssen", sagt sie. Nagel schaffte nach ihrem gelungenen Skype-Gespräch den Sprung in die engere Auswahl. Heute ist sie Referentin im Personalmarketing bei Otto.

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