Bewerbung mit langer Berufserfahrung Wie ältere Arbeitnehmer einen neuen Job finden

Viele Menschen jenseits der 45 suchen aus den verschiedensten Gründen eine neue Stelle. Sie haben es nicht leicht, sich gegen junge Bewerber durchzusetzen. Doch mit ein paar Kniffen steigen die Chancen.

Interview: Sibylle Haas

Sascha Armutat, 41, ist Forschungsleiter bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Er beschäftigt sich mit allen Personalthemen und betreut ein Projekt zur Personalentwicklung älterer Mitarbeiter. Mit mehr als 2300 Mitgliedsunternehmen und 40.000 Personalverantwortlichen fördert die DGFP den Erfahrungsaustausch zwischen den Firmen.

Bewerbungsgespräche

Verräterische Körpersprache

SZ: Herr Armutat, haben Menschen, die über 45 Jahre alt sind, überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt?

Sascha Armutat: Definitiv ja. Angesichts des Fachkräftemangels müssen Unternehmen umdenken und auch andere Bewerbergruppen in ihre Rekrutierungskonzepte aufnehmen. Das gilt gerade für ältere Mitarbeiter, die mit ihren Erfahrungen einen echten Mehrwert für Unternehmen bieten können. Hier kommt es sicherlich darauf an, welche Kompetenzen sie im Laufe ihres Berufslebens erworben haben und wie nachgefragt die Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt sind.

SZ: Kann man sich mit 45 noch beruflich verändern?

Armutat: Zum einen kann man sich beruflich noch verändern. Es gibt mittlerweile ziemlich viel Forschung zu der Frage, ob und wie ältere Menschen neue Kompetenzen erwerben können. Die Aussage ist eindeutig: Es geht. Zum anderen spielt eine Rolle, ob man sich beruflich nach einer längeren Tätigkeitsphase verändern möchte. Da gibt es immer mehr Hinweise, dass vielen Mitarbeitern eine Veränderung zur Mitte ihres Berufslebens entgegenkommt.

SZ: Was sollten Ältere beachten?

Armutat: Ältere Bewerber sollten auf ihre Erfahrungen aufmerksam machen und verdeutlichen, dass sie nicht nur eine Berufs-, sondern auch eine parallel laufende Lernbiografie aufweisen. Das zeigt, dass sie sich neue Inhalte aneignen können und nicht in festen Denkstrukturen verhaftet sind.

SZ: Sollen sie sich flexibel zeigen?

Armutat: Es ist gut, die Flexibilität im Lebenslauf zu verankern. So können ältere Mitarbeiter darauf hinweisen, dass sie an unterschiedlichen Orten gearbeitet haben oder dass ihre Tätigkeit mit Reisen verbunden war.

SZ: Was müssen sie anders machen als junge Bewerber?

Armutat: Beim Bewerbungsprozess müssen sie nichts anders machen. Die Bewerbungsmappe Älterer muss alles enthalten, was auch bei jüngeren Bewerbern relevant ist und ihre Eignung für die gesuchte Tätigkeit herausstreicht.

SZ: Brauchen Ältere zusätzliche Qualifikationen?

Armutat: Wie gesagt, sie sollten auf ihren Erfahrungsschatz aufmerksam machen und möglicherweise darauf hinweisen, dass sie die zeitgemäßen Arbeitsmittel beherrschen.

SZ: Welche besonderen Stärken haben Ältere?

Armutat: Neben ihrer Erfahrung haben ältere Mitarbeiter ein abwägenderes Entscheidungsverhalten. Sie denken in Kontexten und bringen ihre Lebenserfahrung in die Bewertung von Handlungsalternativen mit ein.

SZ: Wie sollten sie diese Stärken herausstellen?

Armutat: Durch Referenzen und möglichst genaue Beschreibung ihrer Tätigkeitserfahrung. Gute Interviewer werden genau das herausarbeiten können.

SZ: Müssen sie bei der Gehaltsforderung etwas Besonderes beachten?

Armutat: Gehälter werden zunehmend kompetenzorientiert gezahlt. Das heißt, dass es bei einer möglichen beruflichen Umorientierung zu Abstrichen beim Gehaltsniveau kommen kann. Darauf müssen sich ältere Bewerber einstellen.

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