Auszubildende in der Krise Jung und chancenlos

Die Wirtschaftskrise trifft Auszubildende besonders stark. Jeder vierte Azubi wird nicht übernommen, unbefristete Arbeitsverträge gibt es kaum.

Von Katja Riedel

Auszubildende sind von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise deutlich stärker betroffen als ältere Arbeitnehmer. Das hat eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergeben, die am Montag veröffentlicht wurde. Demnach wussten zwei von drei der knapp zweitausend befragten Lehrlinge kurz vor Ende ihrer Ausbildung noch nicht, ob sie nach erfolgreicher Prüfung in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden. Jeder Vierte wusste hingegen schon sicher, dass es für ihn in seinem Ausbildungsbetrieb keine Zukunft gibt. Von diesen hatten die meisten noch keine Perspektive, wie es künftig für sie weitergehen soll.

Die Perspektiven nach der Ausbildung sind für viele Azubis beschränkt.

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"Atypische Beschäftigung"

Von den Jugendlichen, die in ihrem Betrieb bleiben können (36 Prozent), wird jedoch nur jeder Dritte einen unbefristeten Vertrag erhalten. Befragt hatte der DGB Auszubildende in drei westdeutschen und einem ostdeutschen Bundesland. Vergleichszahlen aus dem Vorjahr lagen der Studie nicht zugrunde.

Der DGB sieht das Ergebnis der Befragung dennoch mit großer Sorge. Es bestätige, dass gerade junge Menschen zunehmend von "atypischer Beschäftigung" betroffen seien, heißt es in der Studie. Eine reguläre Übernahme sei mittlerweile die Ausnahme, beklagte der Gewerkschaftsbund. Da Jugendliche nach der Ausbildung nur sehr kurz Anspruch auf Arbeitslosengeld hätten, würden sie schnell in Hartz IV und prekäre Jobs gedrängt, weil sie anderenfalls mit Sanktionen rechnen müssten, kritisiert der DGB.

Auch die Bundesanstalt für Arbeit (BA) war in einer Analyse des Arbeitsmarktes zu dem Ergebnis gekommen, dass die Krise vor allem die ganz Jungen trifft. Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen ist binnen eines Jahres um zwölf Prozent angestiegen. Während die Kurzarbeit Entlassungswellen unter Älteren noch verzögere, seien Ausbildungsverhältnisse vielfach nicht in Einstellungen gemündet und befristete Verträge nicht verlängert worden, hieß es seitens der BA.

Im Westen stärker betroffen als im Osten

Auch bei Kündigungen nach Sozialauswahl stehen die Jungen meist schlechter da als ihre älteren Kollegen. In der Arbeitslosenstatistik hat sich das schon seit Februar bemerkbar gemacht: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt seitdem jeden Monat deutlich über dem Wert des Vorjahres. 16 Prozent mehr Jugendliche beziehen daher inzwischen Arbeitslosengeld, acht Prozent mehr müssen von Hartz-IV-Leistungen leben. Jugendliche im Westen sind von dem Anstieg deutlich stärker betroffen als ihre Alterskollegen im Osten.