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Weltaids-Konferenz:HIV: In 74 Ländern steigt die Rate der Neuinfektionen

International AIDS Conference in South Africa

Was tun gegen HIV? Beratungszentren, wie hier in Liberia, gibt es mittlerweile in fast allen Ländern der Welt.

(Foto: dpa)

"Aids ist nicht vorbei, so viel ist sicher": Weltweit stecken sich einer neuen Studie zufolge mehr Menschen mit dem HI-Virus an als bislang geschätzt.

Mehr Menschen als bislang gedacht sind weltweit mit HIV infiziert, auch die Rate der Neuansteckungen liegt höher als von der UN vermutet. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Epidemiologen im Fachblatt The Lancet HIV.

Demnach sind derzeit rund 38,8 Millionen Menschen HIV-positiv, zwei Millionen mehr als derzeit von den Vereinten Nationen geschätzt. Die Rate der Neuansteckungen liegt der Studie zufolge bei rund 2,5 Millionen pro Jahr. Die Zahl der Neuansteckungen sei weltweit gesehen seit etwa zehn Jahren nahezu konstant, sagte der Leiter der Untersuchung, Haidong Wang von der Washington University, auf der Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban.

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"Schlimmer noch, in 74 Ländern ist die Rate der Neuinfektionen angestiegen", sagte Wang. Zu diesen Ländern zählen etwa Ägypten, Mexiko, Russland, Indonesien, aber auch europäische Staaten wie Griechenland und Spanien. Die Hauptlast der Epidemie tragen jedoch die afrikanischen Länder südlich der Sahara, mit 1,8 Millionen neuen Fällen im Jahr 2015. In Botswana, Lesotho und Swaziland infizierten sich innerhalb eines Jahres mehr als ein Prozent der Gesamtbevölkerung. In Deutschland leben rund 61 000 Personen mit HIV, 1800 infizierten sich vergangenes Jahr neu.

Der Kampf gegen Aids habe nachgelassen, folgern die Autoren. 2015 seien die globalen Finanzmittel für die Epidemie erstmals geschrumpft. "Aids ist nicht vorbei, soviel ist sicher", sagte Peter Piot, Direktor der London School of Hygiene and Tropical Medicine und früherer Unaids-Direktor. Die gleichbleibend hohe Rate der Neuansteckungen sei vermutlich "die verstörendste Tatsache dieser Konferenz". Allerdings gebe es in vielen Staaten ein hohes Bevölkerungswachstum, so viele Menschen wie nie zuvor seien sexuell aktiv. Dies sei ein starker Faktor für die Zahl der Neuansteckungen.

Wegen des verbesserten Zugangs zu antiretroviralen Medikamenten sinkt zudem die Sterblichkeit aufgrund von Aids in vielen Regionen. Vor zehn Jahren starben noch 1,8 Millionen Menschen jährlich an Folgen der Immunschwächekrankheit, 2015 waren es 1,2 Millionen. Auch die HIV-Übertragungen von Müttern auf Kinder gehen immer weiter zurück.

Für die Analyse hatten die Forscher Daten aus 195 Staaten zwischen den Jahren 1980 und 2015 ausgewertet.

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