Übelkeit in der Schwangerschaft:Helfen alternative Mittel?

Oft heißt es auch, die so genannte Morgenübelkeit, die übrigens keineswegs nur morgens, sondern rund um die Uhr auftreten kann, sei psychisch bedingt: "Angst vor der Elternschaft", eine starke Mutterbindung der Schwangeren oder gar hysterische Tendenzen vermuten manche Mediziner als Ursache. Doch solche Spekulationen seien durch keinerlei brauchbare Daten belegt, schreibt Niebyl.

So vage wie die Ursachen des Leidens sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Die Vorschläge reichen vom Banalen - die Schwangere möge Lebensmittel und Gerüche meiden, von denen ihr schlecht wird - bis zum Einsatz verschiedener Medikamente, deren Nutzen indes wenig erforscht ist. Eine traurige Stellung in der Medizingeschichte nimmt hier das Contergan ein, das Schwangeren unter anderem zur Behandlung der morgendlichen Übelkeit verordnet wurde und Tausende von ungeborenen Kindern schädigte.

Niebyl empfiehlt, in Übereinstimmung mit dem American College of Obstetricians and Gynecologists, in erster Linie Vitamin B6. Wenn es allein nicht hilft, soll es mit einem Antihistaminikum kombiniert werden, einem Mittel also, wie es auch gegen Allergien verabreicht wird. Zwei kleinere Studien aus den 1990er-Jahren hatten einen gewissen Effekt des Vitamins angedeutet.

Eine systematische Bewertung von insgesamt 27 Studien mit insgesamt mehr als 4000 Frauen, die die gemeinnützige Cochrane Collaboration im Jahr 2010 herausgab, dämpft allerdings den Optimismus: Sehr dünn seien die Belege dafür, dass das Vitamin B6 - ob allein oder kombiniert mit anderen Mitteln - die Übelkeit während der Schwangerschaft lindern kann, so das Gutachter-Team um Anne Matthews von der Dublin City University in Irland. Auch für spezielle Medikamente gegen das Erbrechen fehlen bisher überzeugende Studien mit Schwangeren.

Wo die Schulmedizin so wenig zu bieten hat, haben alternative Mittel Konjunktur. Ingwerpräparate oder Akupunktur gelten als hilfreich. Doch hier sind die Belege für den Nutzen noch schwächer, so Matthews und ihre Kollegen. Sechs Studien zur Akupunktur beispielsweise konnten keinen Nutzen nachweisen. Ingwer mag vielleicht helfen, aber sicher ist das auch nicht. Weder konventionelle noch alternative Mittel sind zudem frei von Nebenwirkungen. So machen Arzneien, die das Erbrechen lindern sollen, oft müde. Ingwer kann zu Sodbrennen führen.

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