Symptome der Aids-Erkrankung Das Virus setzt die Abwehr matt

Nicht überall auf der Welt bekommen HIV-Infizierte rechtzeitig Medikamente. Dann schwächt das Virus den Körper auf vielerlei Weise.

HIV befällt das Immunsystem und setzt die körpereigene Abwehr schleichend außer Gefecht. Ohne Therapie schwächt das Virus den Körper so lange, bis sich lebensbedrohliche Erkrankungen ungehindert ausbreiten können.

Von Nina Buschek

Der Mensch schützt sich durch ein kompliziertes Immunsystem vor Eindringlingen. Die körpereigene Abwehrpolizei schlägt Alarm, wenn potenzielle Krankheitserreger in den Organismus eindringen und versucht, die Viren, Bakterien oder Pilze zu beseitigen. HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) greift genau diese Schutztruppe an.

Es befällt die Zellen des Immunsystems und setzt es damit nach und nach außer Kraft. Einige Zeit gelingt es dem Immunsystem, HIV in Schach zu halten. Aus eigener Kraft kann es die Infektion jedoch nicht besiegen. Eine HIV-Infektion verläuft bei jedem Betroffenen anders. Grundsätzlich lassen sich vier Phasen unterscheiden.

Akute Infektion

Sechs Tage bis sechs Wochen nach der Ansteckung treten die ersten Beschwerden auf. In dieser Zeit vermehrt sich das Virus besonders intensiv. Der Körper reagiert darauf mit Fieber, geschwollenen Lymphknoten, eventuell einem leichten Hautausschlag am Rumpf, Durchfall oder Schluckbeschwerden. Nach einer bis zwei Wochen klingen die Beschwerden in der Regel wieder ab. Die akuten Krankheitszeichen können mild ausfallen. Oft werden sie als Erkältung verkannt oder ganz übersehen.

Beschwerdefreie Phase

In den ersten zwei Jahren nach der Ansteckung bleibt die HIV-Infektion in der Regel unbemerkt. Sie macht keine Beschwerden und das Immunsystem arbeitet hinreichend zuverlässig. Ohne Therapie entwickeln danach etwa sechs von 100 Infizierten pro Jahr einen schweren Immundefekt. Zehn Jahre nach der Ansteckung ist jeder zweite Unbehandelte an Aids erkrankt.

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Der Nächste bitte

HIV wird oft zu spät erkannt

Je eher eine HIV-Infektion diagnostiziert wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Doch selbst Ärzte übersehen die Anzeichen mitunter. Dabei gibt es einige Erkrankungen, die auf eine HIV-Infektion hindeuten können - und zur Sicherheit einen Aids-Test nach sich ziehen sollten.

Chronische HIV-Infektion

HIV schwächt den Körper schleichend. Bleibende Schäden an der körpereigenen Abwehr machen sich häufig zuerst am Darm bemerkbar. Typische Symptome der chronischen HIV-Infektion sind Durchfall, Unwohlsein, Veränderungen an der Haut oder den Schleimhäuten. Auch Fieber, Nachtschweiß oder Lymphknotenschwellungen können auf den Immundefekt hindeuten. Manche Infizierte werden anfälliger für Krankheiten. Andere überspringen die Phase der chronischen Beschwerden und erkranken scheinbar aus völliger Gesundheit heraus an Aids.

Schwerer Immundefekt (AIDS)

Ohne Therapie haben die HI-Viren das Immunsystem irgendwann soweit lahmgelegt, dass es Erregern nicht mehr viel entgegensetzen kann. Lebensbedrohliche Erkrankungen breiten sich ungehindert im Körper aus. Erst in dieser Phase der Erkrankung spricht man von Aids. Ob, wann und in welcher Form ein Infizierter an Aids erkrankt, lässt sich im Einzelfall kaum voraussagen.

Bei unbehandelten Patienten manifestiert sich Aids meistens in Form einer lebensbedrohlichen Infektion durch sogenannte opportunistische Erreger. Darunter versteht man Bakterien, Viren oder Pilze, die einem gesunden Körper nichts anhaben können, bei geschwächtem Immunsystem aber eine schwere Erkrankung auslösen. Typisch sind Lungenentzündungen, Pilzinfektionen der Speiseröhre oder chronische Herpesinfektionen.

Der schwere Immundefekt kann auch bewirken, dass bestimmte Krebsarten den Körper befallen. Zu ihnen zählt zum Beispiel das Kaposi-Sarkom, bei dem an der Haut oder in inneren Organen Zellen der Blutgefäße unkontrolliert wuchern.

HIV kann auch an Gehirn und Nervensystem irreversible Schäden hinterlassen. Die Beschwerden reichen von Gedächtnisproblemen über Bewegungsstörungen bis zu einer schweren Demenz.

In Ländern mit guter Gesundheitsversorgung ist Aids heute selten geworden. Eine individuell angepasste Therapie mit Medikamenten, welche die Vermehrung von HIV eindämmen, kann die Erkrankung aufhalten. Infizierte können über Jahrzehnte beschwerdefrei mit HIV leben.