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Schwangerschaftsvergiftung:Jeder Tag zählt

Bei Schwangeren, die in der 14. Woche erfahren, dass sie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Präeklampsie tragen, könnten enorme Ängste entstehen. "Diese Frauen müssen die ganze Schwangerschaft lang darauf warten, dass sie krank werden", sagt Fischer. Das sei belastend, so der Gynäkologe vom Klinikum Landshut-Achdorf.

Machen sich die Tests also selbst überflüssig, wenn sie eine Krankheit zwar erkennen, aber weder ihr Auftreten noch ihre Folgen beeinflussen können? "Nein", sagt Holger Stepan, Leiter der Geburtshilfe an der Universitätsklinik Leipzig. "Stellt man bei einer Schwangeren ein sehr hohes Risiko fest, sollte sie möglichst bald in einem Perinatalzentrum betreut werden."

Allein die Wahl der richtigen Entbindungsklinik könnte die Erkrankungsrate bei Neugeborenen um ein Fünftel senken. Auch Thorsten Fischer hält es für wichtig, dass bei Bluthochdruckerkrankungen rasch eine große Klinik aufgesucht wird, die auf Risikoschwangerschaften und Frühgeburten spezialisiert ist.

In kleineren Kliniken wird eine Schwangere mit typischen Anzeichen einer Präeklampsie meist rasch entbunden. In großen Zentren versucht man hingegen eine Verlängerung der Schwangerschaft mit blutdrucksenkenden Medikamenten und intensiver Überwachung.

Gerade im zweiten Schwangerschaftsdrittel zählt jeder Tag, den das Ungeborene im Mutterleib bleiben kann. "Die Frühgeburtlichkeit nimmt in Deutschland zu, und ein erheblicher Teil dieser Frühgeburten entsteht durch ärztliche Entscheidungen", warnt Fischer.

Ob die neuen Tests die zunehmende Zahl der Frühgeburten wirklich senken können oder erst recht Panik bei Schwangeren und Ärzten entstehen lassen, bleibt abzuwarten. Holger Stepan sieht allein in der Entdeckung der Substanzen, auf die getestet wird, enormes Potential für die praktische Geburtshilfe.

Erst seit einigen Jahren beginnen Wissenschaftler zu verstehen, wie Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft entstehen. Wahrscheinlich gräbt sich der Embryo in den allerersten Tagen der Schwangerschaft nicht richtig in die Muskelschicht der Gebärmutter ein - mit dem Ergebnis, dass der Mutterkuchen von vorneherein nicht so leistungsfähig ist wie bei gesunden Schwangeren.

Um dieses Defizit auszugleichen, gibt die Plazenta Moleküle in den Kreislauf der Mutter ab, die ihren Blutdruck erhöhen und so die Blutzufuhr für das Ungeborene steigern. "Wir hoffen, anhand dieser Moleküle nicht nur Screeningtests, sondern auch Medikamente zu entwickeln", sagt Stepan.

Diese Arzneien könnten eine Präeklampsie bei Risikoschwangeren verhindern und nicht nur Symptome mildern, wie man es mit Blutdrucksenkern versucht. "Bis wir so weit sind, können allerdings noch Jahre vergehen."

© SZ vom 15.07.2009/gal
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