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Mers in Südkorea:Furcht vor tödlicher Atemwegserkrankung

In Hongkong werden Passagiere auf Mers-Symptome kontrolliert.

(Foto: AP)

Mers war bislang vor allem im Nahen Osten verbreitet. Nun erlebt Südkorea einen größeren Ausbruch. Vier Menschen sind gestorben, mehr als 40 infiziert. Die WHO sucht nach Erklärungen.

Von Berit Uhlmann

Fieber, Husten, Atembeschwerden, in schlimmen Fällen Lungenentzündung und Nierenversagen: Mit diesen Symptomen breitete sich Mers in den vergangenen Wochen in Südkorea aus - eine Erkrankung um die es in letzter Zeit recht ruhig geworden war. Mittlerweile sind dort vier Menschen an der Atemwegserkrankung gestorben, bei mehr als 40 Patienten wurde der Erreger nachgewiesen. Einer von ihnen verschleppte das Virus nach China.

All diese Fälle gehen offenbar auf einen 68-Jährigen zurück, der Mitte Mai von der Arabischen Halbinsel zurückgekehrt war. Dort wurde das Virus vor drei Jahren erstmals dokumentiert und von dort hat es auch seinen Namen: Middle East Respiratory Syndrome.

Es war zunächst eine beunruhigende Entdeckung, denn das Mers-Coronavirus ist mit dem Erreger von Sars verwandt - jener Lungenerkrankung, die sich 2003 rasant um die Welt verbreitete und innerhalb von Monaten mehr als 700 Menschen tötete. Mers hingegen verbreitete sich bisher deutlich langsamer. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkrankten binnen drei Jahren knapp 1200 Menschen, etwa 440 starben - die meisten von ihnen in Saudi-Arabien. Aus dem Nahen Osten schleppten Reisende das Virus in mittlerweile 25 Länder ein, auch in Deutschland wurden bereits drei Mers-Fälle behandelt. Doch nirgendwo hatte der Erreger so weitreichende Folgen wie jetzt in Südkorea. Das Land erlebt den größten Ausbruch der Erkrankung außerhalb Saudi-Arabiens.

Die WHO schickte ein Expertenteam nach Südkorea, das untersuchen soll, wie es zu den gehäuften Infektionen kam. Als Hauptinfektionsquelle gelten Dromedare und ihre Milch. Von Mensch zu Mensch wurde das Virus bislang nicht leicht übertragen. Hat es sich also verändert? Derzeit deutet nichts darauf hin, berichtet die WHO, fügt jedoch hinzu, dass es diesbezüglich noch Wissenslücken gibt. Daher untersuchten Wissenschaftler das Virus aus Fernost derzeit.

Der Bonner Virologe Christian Drosten erwartet als Befund allerdings keine größere Veränderung, denn bislang habe das Virus sehr wenige Mutationen gezeigt. Drosten hält auch den aktuellen Ausbruch nicht für außergewöhnlich. In saudi-arabischen Kliniken habe es Infektionen in ähnlichem Ausmaß gegeben. Für die hohe Zahl an Diagnosen könnte auch verantwortlich sein, dass Südkorea Kontaktpersonen sehr umfangreich teste.

Auch ansonsten sind die prophylaktischen Maßnahmen nun äußerst intensiv. In den vergangenen Tagen wurden mehr als 1000 Schulen geschlossen, mehr als 1600 Menschen unter Quarantäne gestellt. Die Dromedare in den Zoos wurden isoliert. Rätselhaft bleibt derweil auch, wie sich der erste Patient in Südkorea anstecken konnte. Er soll keinerlei Kontakt zu Dromedaren oder Mers-Erkrankten gehabt haben.

© SZ vom 06.06.2015

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