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Manipulationsverdacht am Herzzentrum Berlin:Mitten ins Herz

Operation

Operations am offenen Herzen: Das Deutsche Herzzentrum Berlin gehörte bislang zu den angesehensten medizinischen Einrichtungen des Landes.

(Foto: dpa)

Am Deutschen Herzzentrum Berlin sollen Patienten mit hoch dosierten Medikamenten noch kränker gemacht worden sein - damit sie schneller an ein Spenderorgan kommen. Als ein mögliches Motiv wird medizinischer Ehrgeiz vermutet.

Vor einigen Tagen feierte man noch stolz, dass seit 1986 insgesamt 1800 Herzen in dem renommierten Krankenhaus verpflanzt wurden - doch jetzt wird das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) womöglich von einem Skandal erschüttert. Eine Ärztin steht unter Verdacht, durch hoch dosierte Medikamente den Gesundheitszustand von Patienten verschlechtert zu haben. Durch diese Manipulationen rückten die Kranken auf der nach Dringlichkeit gestaffelten Warteliste für eine Transplantation nach oben, während andere abrutschten. Das Herzzentrum hat deshalb Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin erstattet.

Dort ermittelt man nun wegen versuchten Totschlags, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Genauere Angaben will er vorerst nicht machen. Nach Informationen des Tagesspiegels geht es aber angeblich um eine Mitarbeiterin, die inzwischen vom Dienst suspendiert sein soll. Sie soll die hoch dosierten Medikamente - die Rede ist von "Katecholaminen" - verabreicht haben.

Ein mutmaßliches Motiv: medizinischer Ehrgeiz

Zu den bekanntesten Vertretern dieser Arzneimittel gehören Adrenalin und Noradrenalin. Als körpereigene Substanzen führen sie in Stresssituationen dazu, dass Puls, Blutdruck und Atemfrequenz steigen und der Körper alle Energien mobilisiert. Als Medikamente werden sie nach einer Blutvergiftung, einem kreislaufbedingten Schock oder bei allergischen Reaktionen eingesetzt, um Herz und Kreislauf zu stärken. Werden die Mittel unnötigerweise oder zu hoch dosiert gegeben, können sie zu Rhythmusstörungen, Brustenge oder Infarkt führen. Der Zustand von Patienten, die aufgrund schwerer Herzleiden sowieso für eine Transplantation in Frage kommen, kann so noch bedrohlicher werden.

Derzeit ist nicht erkennbar, dass finanzielle Gründe für die Manipulationen eine Rolle gespielt haben. Als Motiv werde medizinischer Ehrgeiz vermutet, sagte der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja. Es gehe um 28 Fälle im Zeitraum zwischen 2010 und 2012. Erste Hinweise auf Manipulationen gab es im Juni, als die Prüfkommission der Bundesärztekammer am DHZB Unregelmäßigkeiten feststellte. So fand man heraus, dass die Dosierung von Medikamenten in zwei Fällen unschlüssig sei.

Herzoperation

Chirurgen unterhalten sich im Operationssaal. Und manchmal streiten sie.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Spenderorgane werden über die Zentralstelle Eurotransplant im holländischen Leiden zugeteilt. Dabei geht es neben Kriterien der Verträglichkeit, beispielsweise der Blutgruppe, auch um Dringlichkeit. Die riskante Medikamentengabe in Berlin könnte, wenn sie sich bestätigt, einige Patienten vom Status "dringlich" auf "sehr dringlich" gehoben haben. Patienten mit "High Urgency"-Status befinden sich in akut lebensbedrohlichen Situationen und rücken daher in der Warteliste nach vorne.