Lese-Rechtschreib-Schwäche Für die Behandlung müssen oft die Eltern zahlen

Oft wird Legasthenie spät erkannt, die Kinder und ihre Familien sind auf sich allein gestellt, da sich niemand für die außerschulische Förderung zuständig fühlt. In vielen Fällen wird die Behandlung nicht oder nicht vollständig erstattet, da Therapeuten in eigener Praxis die Behandlung nur gezahlt bekommen, wenn ihre Patienten psychisch auffällig sind. "Dabei ist ein umfassendes Betreuungskonzept nötig", sagt Schulte-Körne. "Reine Sprachtherapie reicht nicht. Oft geht es darum, die Kinder erst mal zu motivieren und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Die haben ja zunächst meist keine Lust, zusätzlich zur Schule noch weiter zu lernen."

In den Schulen findet zu wenig Förderung statt. Der Wille sei zwar vorhanden, "aber da sitzen dann in der sechsten oder siebten Stunde ,Intensivierung' die Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie und ADHS zusammen, die Lehrkräfte sind meist nicht geschult und auf keinen Schüler kann gezielt eingegangen werden", so Schulte-Körne. Für die gesamte Grundschulzeit stünden in Bayern gar nur fünf zusätzliche Stunden zur Verfügung, um Kinder mit Legasthenie zu fördern.

"Es gibt viele tolle und motivierte Lehrer", sagt Schulte-Körne. "Aber die Art des Unterrichts beeinflusst eben auch die Ergebnisse in hohem Maße." Was nicht sehr überraschend klingt, führt in der Praxis zu erstaunlichen Unterschieden: Wenn Kinder in der Grundschule längere Zeit so schreiben dürfen, wie sie die Laute hören, kann das eine Legasthenie stark verschlimmern.

"Es gibt viel Wildwuchs in der Unterrichtsdidaktik", so der Kinder- und Jugendpsychiater. In vier bis sechs Wochen soll eine neue Leitlinie zur Legasthenie erscheinen, aus der für Lehrer, Eltern und Therapeuten ersichtlich ist, was sinnvoll ist und was eher schadet.