bedeckt München 26°

Insektengiftallergie:Wie sich Bienen und Wespen fernhalten lassen

Wespen auf Marmeladenbrötchen

Marmelade zieht Wespen an. Wer kein Risiko eingehen will, sollte sehr süße Speisen nicht im Freien essen.

(Foto: dpa)

Lebensgefahr Bienenstich: Vor einer Insektengiftallergie ist niemand gefeit. Wie Sie die Gefahr erkennen und was gegen die Stiche hilft.

Von Andrea Bannert

Wenn sich Bienen, Wespen und Hummeln bedroht fühlen, stechen sie zu und spritzen einen Giftcocktail unter die Haut. Das ist zwar unangenehm, aber normalerweise harmlos. Das Jucken, Brennen und die Rötung um die Einstichstelle klingen bei den meisten Gestochenen nach einem Tag wieder ab.

Bei ihnen reicht es, nach dem Stich so schnell wie möglich den Stachel zu entfernen. Denn je länger er in der Haut verbleibt, desto mehr Gift wird aus der anhängenden Giftblase in den Körper gepumpt. Achtung: Den Stachel nicht mit zwei Fingern packen, denn sonst pressen Sie das restliche Gift heraus. Besser wegkratzen oder mit einer Pinzette entfernen. Die Schwellung lässt sich mit Coolpacks, kalten Umschlägen oder Eiswürfeln lindern.

Bei Allergikern dagegen schießt das Immunsystem über das Ziel hinaus: Bis zu ein Viertel der Bevölkerung reagiert mit besonders schweren Schwellungen, bei 3,5 Prozent kommt es zu einem allergischen Schock - und der kann sogar lebensbedrohlich werden. "Eine Insektengiftallergie kann in jedem Alter entstehen", sagt Allergologe Bernhard Przybilla vom Klinikum der LMU München. Kinder werden häufiger gestochen und sind daher auch öfter betroffen, genauso wie Imker und Landwirte. Eine Insektengiftallergie ist im Gegensatz zu vielen anderen Allergieformen nicht vererbbar. Sie entwickelt sich nur dann, wenn ein Insekt sein Gift unter die Haut spritzt. "Da reicht ein einziger Stich", so Przybilla. Schon der zweite kann dann eine schwere Reaktion hervorrufen.

Symptome des allergischen Schocks

Wer mit einem allergischen Schock reagiert, spürt kurz nach dem Stich häufig ein Kribbeln auf Handflächen, Kopfhaut oder Zunge. Nach diesen Vorboten kommen Atemnot, Übelkeit, Kopfschmerzen, starker Schwindel, Herz-Kreislaufbeschwerden oder allergische Entzündungen der Nasenschleimhaut und der Augenbindehaut hinzu. Es drohen Herz-Kreislaufversagen und Atemstillstand. In diesen Fällen sollte der Notarzt gerufen werden.

"Bei Kreislaufproblemen sollte sich der Patient flach auf den Boden legen und die Beine hochlagern", rät Przybilla. Wird der Betroffene bewusstlos, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Bei Atemstillstand müssen Herzdruck-Massage und Beatmung durchgeführt werden.

Allergietest und Behandlung

Wer bei sich eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich beobachtet, sollten zu einem Allergologen gehen. Denn die Symptome werden von Mal zu Mal schlimmer. Der Arzt kann dann einen Hauttest (Prick-Test) durchführen. Dazu werden verschiedene Insektengifte auf den Unterarm aufgetragen. Wichtig ist, dass der Test unter Aufsicht abläuft, denn in seltenen Fällen kann er ähnliche Reaktionen wie ein tatsächlicher Insektenstich hervorrufen. Um die Diagnose zu bestätigen kann zusätzlich das Blut auf spezifische Antikörper gegen das Insektengift untersucht werden (RAST-Test). Einen vorsorglichen Test kann man nicht vornehmen. "Viele reagieren auf den Hauttest positiv, obwohl sie gar keine Allergie haben - das verunsichert nur", so Przybilla.

Bestätigt sich die Insektengiftallergie, sollten Betroffene ein Notfallpaket mit sich führen - zumindest von Frühjahr bis Herbst. Es enthält gewöhnlich ein Antihistaminikum, das der allergischen Reaktion entgegen wirkt, den Entzündungshemmer Kortison, sowie Adrenalin gegen Atem- und Kreislaufprobleme. Außerdem empfiehlt es sich, eine Pinzette zum Entfernen des Stachels dazuzupacken.

Wer eine Insektengiftallergie hat, muss sich nicht damit abfinden. "Eine sogenannte Hyposensibilisierung ist sehr effektiv und wirkt in 95 Prozent der Fälle", erklärt Przybilla. Das ist eine spezifische Immuntherapie, bei der in langsam ansteigenden Mengen ein standardisiertes Insektengiftpräparat verabreicht wird. So lässt sich das Immunsystem gegen die Stiche unempfindlich machen.

Bienen aus dem Weg gehen

Der einfachste Weg einer Allergie vorzubeugen ist, sich nicht stechen zu lassen. Auch wenn es keine Garantie gibt, können einige Verhaltensregeln die Chancen auf Stiche reduzieren:

  • Süßigkeiten, Fleisch und alkoholische Getränke können die summenden Insekten besonders gut riechen. Achten Sie also darauf, was Sie im Freien essen und trinken.
  • Kontrollieren sie offene Flaschen und Getränkedosen, bevor sie daraus trinken, stechende Insekten könnten hineingelangt sein.
  • Lockstoffe kommen auch aus Mülleimern (vor allem Biomüll), von Fallobst, blühenden Blumen und stark duftender Kosmetika. Vermeiden sie diese Gerüche oder ihre Nähe so gut es geht.
  • Helle Kleidung ist günstiger: Insekten fliegen eher auf dunkle Kleidung.
  • Barfuß übers Gras zu laufen, sollten zumindest Allergiker meiden. Denn einige Wespenarten leben in Bodenlöchern; Bienen lieben Wiesenklee.
  • Fenster können mit Fliegengittern gesichert werden, um den Insekten den Weg ins Haus zu versperren.
  • Vermeiden Sie hektische Bewegungen, wenn Bienen und Wespen in der Nähe sind. Denn die Insekten stechen erst, wenn Sie glauben, sich verteidigen zu müssen.
© Süddeutsche.de/beu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB