Herzinfarkt:Münchner Kardiologen entwickeln Test für Herzinfarkt-Risiko

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Herzinfarkt: Ein aktuer Herzinfarkt ist ein Notfall. Doch auch danach ist die Gefahr nicht gebannt.

Ein aktuer Herzinfarkt ist ein Notfall. Doch auch danach ist die Gefahr nicht gebannt.

(Foto: dpa)

Nach einem Herzinfarkt ist die Gefahr oft nicht gebannt: Jeder zehnte bis 20. Patient stirbt in den nächsten zwei Jahren. Wer ein besonders hohes Risiko trägt, wollen Münchner Ärzte mit einem einfachen Test bestimmen.

Von Christina Berndt

Der Herzinfarkt ist überstanden, aber der Tod ist nicht gebannt: Etwa fünf bis zehn Prozent aller Infarkt-Überlebenden sterben binnen zwei Jahren, obwohl alles Nötige für sie getan worden ist. Welche Patienten ein besonders hohes Risiko tragen, könnte ein einfacher Test herauszufinden helfen. Das berichtet ein Team um Daniel Sinnecker und Georg Schmidt vom Münchner Klinikum rechts der Isar nun im Journal of the American College of Cardiology.

Die Kardiologen untersuchen dazu den Einfluss der Atmung auf die Herzfrequenz ihrer Patienten: Normalerweise erhöht sich die Herzfrequenz beim Einatmen und sinkt beim Ausatmen, man spricht von "respiratorischer Sinusarrhythmie". Ist diese gestört, steigt den neuen Daten zufolge die Gefahr für einen weiteren Infarkt.

Der Gedanke, eine so einfache Methode heranzuziehen, sei "sehr aufregend"

Mehr als 900 Herzinfarkt-Überlebende haben Sinnecker und Schmidt vermessen. Wer in den zwei Wochen nach seinem Infarkt in Sachen Atmung und Herzrate nicht weiter auffiel, trug nur ein dreiprozentiges Risiko, in den folgenden fünf Jahren zu sterben. Doch für jene Patienten, bei denen sich die Atmung auffällig wenig auf die Herzrate auswirkte, lag das Sterberisiko bei 15 Prozent, obwohl sie medizinisch bestens versorgt waren. "Wie es um einen Patienten steht, ist leider nicht immer mit der üblichen Diagnostik erkennbar", sagt Georg Schmidt.

Herzrate und Atemfrequenz könnten deshalb "helfen, jene Patienten zu identifizieren, die eine sorgfältige weitere Diagnostik erfordern". Eine Option könnte das Einsetzen eines Defibrillators sein, auch wenn dieser zunächst nicht nötig zu sein scheint. Der Kardiologe Kim Eagle von der University of Michigan zeigt sich bereits angetan. Bevor das Münchner Verfahren Routine werde, müsse sein Nutzen weiter überprüft werden, schreibt er in einem Kommentar, aber der Gedanke, eine so einfache Methode für derart lebensrettende Entscheidungen heranzuziehen, sei "sehr aufregend".

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