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Gesundheitssystem in Rumänien:Angeschlagenes Image

Alle Rumänen haben ein Recht auf kostenlose medizinische Versorgung in einem vom Staat geförderten Gesundheitssystem.

Assistenzärzte an öffentlichen Spitälern verdienen rund 200 Euro im Monat. Fachärzte bekommen 500 Euro. Auch mit diesem höheren Lohn bleibt kaum Geld übrig, berücksichtigt man die Mietkosten für eine Wohnung in der Hauptstadt Bukarest.

Viele Ärzte bessern ihr Einkommen mit Überstunden und Schwarzarbeit im kleinen aber lukrativen privaten Gesundheitssektor auf.

Korruption in serbischen Spitälern

Die zivilgesellschaftliche Organisation Serbia on the Move richtete kürzlich ein Service zur Versendung von Textnachrichten ein, um über Korruption im Gesundheitswesen zu berichten. Beinah ein Drittel aller Fälle, über die berichtet wurde, betrafen Korruption während des Einstellungsprozesses. Laut dem Vorstandsvorsitzenden von Serbia on the Move, Predrag Stojicic, klagten Ärzte und Pflegepersonal darüber, dass man von ihnen Geld verlangte, wenn sie um einen Arbeitsplatz ansuchten. Die Höhe der Bestechungsgelder variiere zwischen 5.000 und 15.000 Euro, wobei sich höhere Beträge auf Jobs in Spitälern in Großstädten wie Belgrad, Novi Sad und Nis beziehen würden. Stojicic gibt dem Bildungssystem Schuld an einem Teil des Problems, da er der Meinung ist, es hätte mehr Ärzte hervorgebracht, als das Land brauchen würde.

Viele Tausende medizinische Arbeitskräfte haben Rumänien in den letzten sechs Jahren seit dem Betritt zur Europäischen Union verlassen. Als Beweggründe geben sie das geringe Gehalt in ihrer Heimat und die daraus erwachsende Kultur der Korruption an.

"Es ist unmöglich, in Rumänien Arzt zu sein, ohne Schmiergeld anzunehmen", meint Adina Derevenciuc, die nach Abschluss ihrer Ausbildung nach Deutschland gezogen ist. "Ich finde das jedoch unmoralisch ... Ich weigere mich, in einem öffentlichen Spital zu arbeiten, weil es ein krankes System ist."

Catalina Marioara, eine rumänische Medizinstudentin, die derzeit an einem Austauschprogramm in der deutschen Stadt Greifswald teilnimmt, erzählt, sie war über die Gegensätze zwischen den beiden Ländern erschreckt. "Ich könnte nie etwas von meinen Patienten annehmen. Wenn ich in Rumänien bliebe, müsste ich auf die Hilfe meiner Eltern zählen", sagt sie.

Angesichts dessen, dass sie prinzipiell überall in der EU arbeiten dürfen, sind Ärzte aus Rumänien nach Frankreich, Deutschland und Großbritannien gezogen, wo die Löhne wesentlich höher sind als in ihrer Heimat.

Ihre Qualifikationen, gepaart mit der Bereitschaft, die anstrengenden Nachtschichten zu übernehmen, haben einen kritischen Engpass in Spitälern in ganz Westeuropa entschärft.

Doch während ihr Profil im Ausland wächst, kämpfen rumänische Ärzte in ihrer Heimat - mit niedrigen Löhnen, schlechter Ausstattung und einem angeschlagenen Ruf aufgrund der vielen Korruptionsgeschichten.

Und dennoch tragen Patienten zuweilen bereitwillig zu der korruptionsgeplagten Wirtschaft bei, zwingen sie den Ärzten doch aus Dankbarkeit oder Angst ihr Geld auf. Einige Ärzte berichten sogar, dass die Weigerung Schmiergeld anzunehmen Patienten in Panik versetzen kann, weil sie dies als Zeichen für die Unheilbarkeit ihres Zustandes deuten.

"Das Gehalt eines Arztes ist gering, zu gering", meint eine Frau Mitte dreißig, die namentlich nicht genannt werden will. Sie erzählt, sie habe einem Geburtsarzt, der ihr durch eine schwierige Geburt geholfen hatte, Geld gegeben.

Eine andere Frau, die ebenfalls anonym bleiben wollte, erzählt, sie habe immer wieder versucht, einem Arzt, der ihre Eileiterschwangerschaft behandelt hatte, einen Umschlag mit Bargeld zu geben.

"Der Arzt wollte das Geld nicht. Er ging mir aus dem Weg, deshalb bin ich nach meiner Entlassung zu ihm nach Hause gefahren. Der Umschlag war zerknittert, weil ich ihn im Krankenhaus ständig bei mir hatte, in meinem Morgenmantel oder unter meinem Kopfkissen", erzählt sie. "Ich denke, für mich war es eine Art Dankeschön ... und für meinen eigenen Seelenfrieden."

Hin- und hergerissen zwischen Ethik und der Zwangslage ihres Berufstandes halten sich viele Ärzte an einen informellen Verhaltensgrundsatz. Sie akzeptieren Schmiergeld von ihren Patienten, verlangen aber nicht danach.