Gesundheit:"Viele Flughäfen und andere Areale sind betroffen"

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Selbst wenn die Produktion weltweit eingestellt würde, würden die Altlasten in Böden und Gewässern noch immer für gewaltige Probleme sorgen. "Viele Flughäfen und andere Areale sind betroffen", sagt Weber, etwa durch frühere Löscheinsätze und Übungen, als die PFOS-Menge in Löschmitteln noch nicht auf die heutigen 0,001 Prozent begrenzt war. "Auch an Raffinerien und Standorten chemischer Industrie finden sich häufig PFOS-bedingte Kontaminationen." In Oberflächengewässern gilt eine Belastung mit 0,65 Nanogramm PFOS pro Liter als unbedenklich. Im Rhein finden sich laut Weber fünf bis zehn Nanogramm. Neben industriellen Einleitungen seien auch alte Deponien, aus denen die Substanzen kontinuierlich ausgewaschen werden, eine mögliche Quelle.

Auch aus Haushalten gelangen PFC mit dem Abwasser in die Umwelt, denn diese stecken in vielen Produkten. PFOA etwa dient nicht nur als Hilfsmittel zur Herstellung von Teflon, es findet sich auch in Textilien, Teppichen, Möbeln, Papier, Verpackungen, Farben, Reinigungsmitteln, Imprägniersprays, Pflanzenschutzmitteln und Feuerlöschern. Bisher hat nur Norwegen einen Grenzwert für diese Substanz festgesetzt. 2014 schlugen Norwegen und Deutschland bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) ein Herstellungs- und Verwendungsverbot für PFOA vor. Der Antrag sieht für Produkte einen besonders strengen Grenzwert von zwei Mikrogramm pro Kilogramm vor, welcher nahe der Nachweisgrenze liegt.

Dagegen wehrte sich die Industrie. Nicht möglich, klagten etwa die Hersteller von Löschmitteln. Vertreter der Textilindustrie gaben zu bedenken, dass sogar das für die Produktion genutzte Wasser manchmal stärker belastet sei. Der wissenschaftliche Ausschuss der ECHA entschärfte den vorgeschlagenen Grenzwert schließlich: Nun sollen 25 Mikrogramm PFOA pro Kilogramm Produkt erlaubt sein. Diese Werte halten Kritiker für zu lax. "Wir glauben, dass damit die absichtliche Verwendung in Verbraucherprodukten nicht verhindert werden kann", sagt Annegret Biegel-Engler vom Umweltbundesamt (UBA). Das gelte insbesondere für Importe aus Fernost.

In Innenräumen ist die Belastung oft deutlich höher als im Freien

Ein Großteil des PFOA kommt bei eher verzichtbaren Anwendungen zum Einsatz: Chemische Beschichtungen sollen Heimtextilien, Teppiche und Polstermöbel vor Wasser und Schmutz schützen. Damit sind sie aber auch eine potenzielle Quelle für PFC in Innenräumen, wo die Belastung oft höher ist als im Freien. Das UBA empfiehlt daher, vor dem Kauf genau zu überlegen, ob eine Beschichtung auf PFC-Basis wirklich nötig ist. Diese Frage sollten sich Verbraucher auch bei regendichter Outdoorkleidung stellen, die oft den Einsatz umweltschädlicher Fluorchemie erfordert.

Statt langkettiger Fluorchemikalien wie PFOA greift die Industrie in Europa inzwischen auf kurzkettige Verbindungen zurück. Doch über diese Stoffe gebe es bislang kaum Daten, sagt Hermann Fromme vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit. Sie sind nicht so extrem langlebig wie die größeren Verbindungen, aber noch mobiler. Damit könnten sie "leichter ins Trinkwasser gelangen", sagt UBA-Expertin Biegel-Engler. "Wir wissen noch nicht genau, wo wir mit diesen Stoffen rechnen müssen", sagt Ulrike Pabel vom BfR. Es gebe Hinweise darauf, dass pflanzliche Lebensmittel bei kurzkettigen PFC eher betroffen sind. "Über Toxikologie und Epidemiologie wissen wir fast nichts", sagt Michael Schümann.

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