Ebola Leipziger Patient in "extrem kritischem" Zustand

  • Dem seit Donnerstag in Leipzig behandelten Patienten geht es nicht gut. Auch die spanische Infizierte befindet sich in kritischer Verfassung.
  • Die EU-Gesundheitsminister wollen über Einreisekontrollen debattieren.
  • Staatschef der Ebola-Länder richten Hilferuf an die Welt.
  • Mehr als 8000 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert.

Leipziger Patient in kritischer Verfassung

Der Ebola-Patient aus Westafrika befindet sich nach Angaben seiner Leipziger Ärzte in einem "extrem kritischen Zustand". Der 56-jährige Sudanese erscheine aber stabil. Es gehöre zum Krankheitsverlauf, dass sich meist ab dem achten Tag der Zustand massiv verschlechtere, was zwei bis vier Wochen andauern könne, sagte Oberarzt Thomas Grünewald vom Klinikum St. Georg. Dort wird der Mann seit Donnerstagmorgen behandelt.

Wie Grünewald sagte, steckte sich der Mann in Liberia an, wo er an Hilfsprojekten für Ebola-Infizierte mitarbeitete. Dem Mediziner zufolge traten die ersten Symptome am 3. Oktober auf, zwei Tage später sei die Diagnose Ebola gestellt worden.

Zustand der spanischen Infizierten verschlechtert

Der Zustand der mit dem Ebola-Virus infizierten spanischen Krankenpflegerin verschlechterte sich unterdessen ebenfalls. Weitere Angaben wollte die Madrider Klinik "Carlos III." jedoch nicht machen, da die 44-jährige Patientin dies nicht wolle. Sie ist der erste Mensch, der sich in Europa mit dem Virus infiziert hat. Sie arbeitete in der Klinik, in der zwei an Ebola erkrankte Missionare gestorben waren. Mittlerweile stehen in der Klinik sieben Menschen unter Beobachtung: der Ehemann der Infizierten sowie Kollegen. Bei ihnen wurde das Virus bisher aber nicht bestätigt.

EU denkt über Einreisekontrollen nach

Nach der Ansteckung der Frau in Spanien erwägt die Europäische Union (EU) verschärfte Kontrollen an Flughäfen für Reisende aus Westafrika. Man diskutiere entsprechende Maßnahmen mit den Mitgliedsländern, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Das Thema werde bei der Ratssitzung der EU-Gesundheitsminister am kommenden Donnerstag erörtert. Den internationalen Regeln folgend würden Reisende bisher vor dem Abflug in den betroffenen Gebieten untersucht. Die USA haben bereits verstärkte Einreisekontrollen angekündigt. Betroffen sind die Flughäfen in New York (JFK), Newark, Chicago, Washington und Atlanta. Reisende aus den Ebola-Gebieten müssen ihre Körpertemperatur messen lassen und einen Fragebogen ausfüllen.

Hilferuf aus den Ebola-Ländern

Die Staatschefs der drei am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Länder haben einen eindringlichen Hilferuf an die Weltgemeinschaft gerichtet. "Diese Krankheit ist eine internationale Bedrohung und verdient eine internationale Antwort", forderte Guineas Präsident Alpha Condé am Rande der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington. Ähnlich äußerten sich die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und Sierra Leones Staatschef Ernest Bai Koroma, die über Video zu dem ranghohen Treffen zugeschaltet waren.

"Unsere Länder sind in einer sehr fragilen Situation", sagte Condé. Koroma beklagte, dass das Engagement der internationalen Gemeinschaft derzeit noch hinter der Infektionsrate zurückbleibe. "Zusagen auf Papier sind gut. Aber Zusagen als fassbare Fakten vor Ort sind am besten", sagte er.

Internationale Gemeinschaft "kläglich gescheitert"

Die internationale Gemeinschaft ist nach Aussage von Weltbank-Präsident Jim Yong Kim in ihrem Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus "kläglich gescheitert". Nachdem die Krise nun auch Spanien und die USA betreffe, sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass das Virus auch andere europäische Länder erreiche, sagte Kim der britische Zeitung Guardian. "Ebola war eine Bewährungsprobe und wir haben versagt", so Kim. Er wünsche sich nun die Unterstützung der westlichen Regierungen für einen neuen 20 Milliarden Dollar (knapp 16 Milliarden Euro) schweren Gesundheitsfonds für Notfälle.

Ebola

Wie das Virus sich ausbreitet

Mehr als 8000 Infizierte weltweit

Die Zahl der registrierten Ebola-Toten in Westafrika wächst unterdessen weiter. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben bis Sonntag in Guinea, Liberia und Sierra Leone 3865 Menschen an der Seuche. Die Zahl der gemeldeten Infizierten in den drei Ländern stieg laut der jüngsten WHO-Statistik auf 8011.