Ebola-Hilfe:Kein Job für Abenteurer

Ebola-Hilfe: Rot-Kreuz-Mitarbeiter laufen durch einen Slum der liberianischen Hauptstadt Monrovia, in dem Ebola ausgebrochen ist.

Rot-Kreuz-Mitarbeiter laufen durch einen Slum der liberianischen Hauptstadt Monrovia, in dem Ebola ausgebrochen ist.

(Foto: Abbas Dulleh/AP)

Das Deutsche Rote Kreuz findet nicht genug qualifizierte Freiwillige für den Ebola-Einsatz. Was die Anforderungen an die Helfer sind und welche Garantie für den Fall der Ansteckung gilt.

Von Nina von Hardenberg

Insgesamt 200 Betten zur Behandlung von Ebola-Kranken baut das Deutsche Rote Kreuz derzeit in Westafrika auf. Doch es gibt Zweifel, ob diese überhaupt belegt werden können. Viel zu wenige Freiwillige hätten sich bislang gemeldet, warnt das Deutsche Rote Kreuz (DRK). "Die bisherigen Bewerberzahlen reichen bei Weitem nicht aus, um die Stationen zwölf Monate betreiben zu können", sagt ein Sprecher. Warum aber wollen nur so wenige helfen? Ein Überblick:

Warum fällt es dem Roten Kreuz so schwer, Freiwillige zu finden?

Der Kampf gegen Ebola ist für das DRK ein besonderer Einsatz. Die Organisation kann nicht auf ihr normales Netz von Katastrophenhelfern zurückgreifen, die etwa nach einem Taifun auf den Philippinen aufräumen würden. Die Freiwilligen, die jetzt gesucht werden, müssen sehr gut Englisch sprechen, und es wird vor allem ausgebildetes Krankenhauspersonal gesucht. Auf den Aufruf des BRK haben sich insgesamt etwa 2000 Interessenten gemeldet. 520 Menschen bewarben sich, doch nur 220 davon sind grundsätzlich für den Einsatz geeignet, darunter 90 Ärzte. Die Bewerber sollten über Erfahrung und Verantwortungsgefühl verfügen. "Abenteurer können wir nicht gebrauchen", sagte ein Sprecher. Das DRK interviewt jeden Bewerber. Ein 18-Jähriger, der gerade erst seine Ausbildung geschafft hat, werde eher nicht genommen. "Es gibt viele Hürden, bis ein Helfer wirklich eingesetzt werden kann", sagt ein DRK-Sprecher.

Sind die Bundeswehr-Soldaten hilfsbereiter als der Rest der Bevölkerung?

Tatsächlich hat die Bundeswehr auf ihren Aufruf 3500 Mails erhalten. "Eine erfreulich hohe Zahl", sagt eine Sprecherin. Doch längst nicht alle dieser Interessenten kämen für die Aufgabe infrage. Bislang habe man 2500 Mails ausgewertet, davon schienen lediglich 250 für den ersten Einsatz geeignet. Derzeit schult die Bundeswehr die ersten 40 Freiwilligen, darunter Ärzte, Sanitäter aber auch Techniker.

Welche Berufsgruppen, wie viele Freiwillige werden gesucht?

Es werden Ärzte aller Fachrichtungen gesucht dazu Pfleger, Hebammen, Physiotherapeuten, Pharmazeuten, Labortechniker und Röntgenfachkräfte. Außerdem braucht das DRK für den Aufbau und Betrieb der Stationen Techniker und Logistiker, die sich mit Sanitäranlagen, Wasser und Elektrik auskennen. Das DRK rechnet mit drei medizinischen Helfern pro Krankenhausbett. Die internationalen Freiwilligen sollen aber nur jeweils vier bis sechs Wochen im Einsatz bleiben. Für die jetzt geplanten Kapazitäten (ein Behandlungszentrum mit hundert Betten in Sierra Leone und von Mitte November an ein weiteres gemeinsam mit der Bundeswehr betriebenes Hundert-Betten-Haus in Liberias Hauptstadt Monrovia) werden deshalb über zwölf Monate mehrere Hundert Helfer gebraucht. 90 Prozent davon sollen aus den Ländern selbst kommen.

Müssen Freiwillige Angst haben, sich mit Ebola anzustecken?

"Es gibt für die Helfer keine hundertprozentige Sicherheit vor Ansteckung", sagt dazu Bryce de le Vigne von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel. Trotzdem bleibe die Organisation in diesem noch nie da gewesenen Ausbruch weiterhin engagiert. Ärzte ohne Grenzen betreiben nach eigenen Angaben derzeit 60 Prozent aller Betten für die Ebola-Behandlung in Westafrika. Seit März waren dort mehr als 500 internationale Helfer und etwa 3000 Mitarbeiter aus den Ländern selbst im Einsatz. Bislang hätten sich 23 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz angesteckt, darunter zwei internationale Helfer. Beide internationalen Mitarbeiter wurden in ihre Heimatländer gebracht und sind dort gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden. 13 Mitarbeiter seien an Ebola gestorben. Ärzte ohne Grenzen untersuche jeden einzelnen Ansteckungsfall. Es habe sich gezeigt, dass die meisten Ansteckungen außerhalb der Kliniken stattfanden. Gerade die lokalen Mitarbeiter sind auch in ihrem privaten Umfeld mit Ebola-Kranken konfrontiert. Das Deutsche Rote Kreuz warnte deshalb auch vor Panikmache.

Was passiert, wenn sich ein Helfer ansteckt?

Die Bundesregierung hat zugesagt, jeden deutschen Helfer, der sich mit Ebola ansteckt, zur Behandlung nach Deutschland zu holen. Außerdem versuchen die Hilfsorganisationen die Ansteckungsgefahr schon im Vorfeld zu minimieren. Die BRK-Freiwilligen besuchen alle eine Schulung in Würzburg. Dort wird in einem speziell präparierten Zelt unter anderem geübt, was es heißt bei 40 Grad Hitze in Schutzanzügen zu arbeiten. Auch Ärzte ohne Grenzen und die Bundeswehr bereiten ihre Mitarbeiter in mehrtägigen Schulungen auf den Einsatz vor.

© SZ vom 23.10.2014/rus
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