Ebola-Epidemie Falsche Botschaften

In Mali haben Tests an Ebola-Impfstoffen begonnen. In dem Land wächst die Sorge, dass sich Ebola ausbreiten könnte.

(Foto: dpa)

Verwirrende Fallzahlen und zweifelhafte Empfehlungen an Afrika-Touristen lenken von einer Tatsache ab: Das Ebola-Virus breitet sich noch immer aus. Die Krankheit wurde ein zweites Mal nach Mali eingeschleppt; es ist unklar, ob alle Kontakte verfolgt werden.

Von Kathrin Zinkant

Wer sich in den vergangenen zwei Wochen über die jeweils aktuellen Ebola-Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gebeugt hat, dürfte sich das ein oder andere Mal am Kopf gekratzt haben. Mehrmals sank die Ziffer der bislang insgesamt aufgetretenen Ebola-Infektionen unter den Wert der Vorwoche, obwohl das nicht möglich ist, weil diese Zahl nur zunehmen kann. Inzwischen ist sie nun wieder geklettert, auf mehr als 14 000 Fälle. Im jüngsten Report ist auch die Drei-Wochen-Infektionsrate zurückgekehrt, die zuletzt einfach gefehlt hatte, obwohl sie das Tempo der Ausbreitung verdeutlichen soll.

Es scheint nicht mehr allzu wichtig zu sein, der Öffentlichkeit schlüssige Informationen zukommen zu lassen. Der UN-Krisenkoordinator für die Ebola-Gebiete, David Nabarro, ermutigt sogar Touristen, in die betroffenen Gebiete zu reisen und sich die "phantastischen Attraktionen" von Monrovia und Conakry anzusehen. Niemand weiß, was den Mann geritten hat und ob er wirklich bezwecken wollte, den Ernst der Lage herunterzuspielen. Leider wird in der westlichen Welt nun aber die Botschaft der Entwarnung ankommen. Das Interesse an Ebola ist ohnehin spürbar eingebrochen, nachdem der letzte Ebola-Patient der USA geheilt aus dem Krankenhaus entlassen wurde und auch in Europa keine Fälle mehr behandelt werden.

Tatsächlich aber geht die Ebola-Epidemie ungebrochen weiter, und sie überschreitet neue Grenzen. In Guineas Nachbarland Mali sind nach Angaben der WHO bereits vier Menschen an Ebola erkrankt und gestorben, nachdem die Krankheit zum zweiten Mal ins Land geschleppt wurde. Nach dem Tod eines kleinen Mädchens vor wenigen Wochen war demnach nun ein 70-jähriger Mann in Guinea erkrankt. Er wurde Ende Oktober für eine Behandlung über die Grenze nach Bamako in Mali gebracht. Kurz vor seinem Tod besuchte ihn dort ein Freund, der bald darauf an einer unklaren Infektion starb.

Mit einer einzigen Beerdigung kann die Seuche auf ein weiteres Land übergreifen

Beide Männer wurden nicht auf Ebola getestet, es existieren auch keine Proben, die nachträglich untersucht werden könnten. Inzwischen ist ein Pfleger aus dem behandelnden Krankenhaus an einer bestätigten Ebola-Infektion gestorben. Eines der Opfer wurde dennoch für Bestattungsrituale in eine nahe liegende Moschee überführt, gewaschen und beigesetzt. Die WHO geht davon aus, dass der Beerdigung viele Menschen beiwohnten. Verfolgt werden bislang aber nur 28 bekannte Kontakte.

Die Gefahr ist also noch lange nicht vorüber. Zwar bemühen sich die Helfer in den betroffenen Gebieten, jede Infektionskette möglichst schnell zu unterbrechen, aber eine einzige Beerdigung kann jederzeit ein ganzes weiteres Land dem Seuchengebiet einverleiben. Umso wichtiger erscheint die klinische Prüfung von Impfstoffen und Medikamenten, die aber nur langsam voranschreitet.

Am Donnerstag stellte Médecins Sans Frontières drei Studien vor, die in wenigen Wochen in Guinea beginnen und den therapeutischen Fortschritt beschleunigen sollen. Getestet werden ein Grippemittel und ein Virostatikum, die bereits an Menschen erprobt wurden. Außerdem prüft MSF Blutpräparate von überlebenden Ebolapatienten, welche mutmaßlich eine heilende Wirkung haben sollen, obwohl es bislang keine Hinweise auf einen solchen Nutzen gibt. Mit ersten Resultaten der MSF-Studien rechnen die Ärzte allerdings auch erst im März. Bis dahin - und darüber hinaus - muss die Aufmerksamkeit in der westlichen Welt geschärft bleiben. Ganz sicher nicht hilfreich dürfte allerdings sein, Touristen zu einem unbeschwerten Sightseeing in den betroffenen Ländern zu animieren.