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Diagnose der Zöliakie:Bluttest und Darmspiegelung

"Ich vertrage einfach kein Brot": Ob tatsächlich Gluten die Beschwerden verursacht, muss ein Facharzt klären. Wie die Diagnose abbläuft.

Rühren die Verdauungsbeschwerden vom Gluten her? Lieber mal das Brot weglassen? Experimente mit der Nahrung ersetzen keine Diagnose. Das muss schon ein Fachmann tun. Er wird zunächst einen Bluttest anordnen. Haben sich Patienten bis zuletzt glutenhaltig ernährt, enthält ihr Blut Antikörper gegen das Enzym Gewebetransglutaminase.

Den Verdacht bestätigt dann eine Spiegelung des Zwölffingerdarms, bei der Gewebeproben entnommen werden. "Um ein eindeutiges Ergebnis zu bekommen, sollten mehrere Proben aus der Dünndarmschleimhaut entnommen werden", sagt Michael Schumann von der Klinik für Gastroenterologie, Rheumatologie und Infektiologie der Charité Berlin.

Je nach Ausprägung der Krankheit werden verschiedene Stadien der Schleimhautveränderungen unterschieden, die - benannt nach dem britischen Pathologen Michael Marsh - in Marsh-Typ 1 bis Typ 3 unterteilt werden.

Zur Diagnosestellung muss laut der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) zumindest eine Veränderung der Schleimhaut nach Typ 2 vorliegen. Das heißt, die Konzentration der Entzündungszellen (T-Lymphozyten) in der Dünndarmschleimhaut ist erhöht. Im fortgeschrittenen Stadium sind zusätzlich die Darmzotten leicht (Typ 3a) bis ganz (Typ 3c) abgeflacht. Sicher ist die Diagnose, wenn die Beschwerden durch glutenfreie Diät verschwinden.

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"Bei glutenfreier Ernährung regeneriert sich die Darmschleimhaut in der Regel nach vier bis neun Monaten wieder", sagt Stephanie Baas, medizinische Beraterin der DZG. Bei Kindern geht es meist rascher, bei Erwachsenen kann es, je nachdem wie lange die Erkrankung bestand, etwas länger dauern. Ist durch die Zöliakie bereits ein Nährstoffmangel enstanden, können Eisen-, Vitamin B12- oder Folsäureinfusionen die Beschwerden schneller lindern.

Eine ausgeprägte Zöliakie steigert insbesondere bei Erwachsenen das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. "Etwa 20 bis 50 Prozent der Zöliakiepatienten haben eine verminderte Knochendichte", sagt Baas. Der Zustand bessert sich zwar unter glutenfreier Ernährung, erreicht aber bei Erwachsenen nicht mehr die Werte von Menschen ohne Zöliakie. Vor allem bei Frauen in der Menopause kann daher auch ein Test auf Osteoporose sinnvoll sein. Bei Risikopatienten übernehmen Baas zufolge die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Vier bis sechs Monate nach der Umstellung auf glutenfreie Kost steht ein Kontroll-Bluttest an, um zu sehen, ob sich die Antikörper zurückgebildet haben. Danach genügt einmal jährlich eine Kontrolle der Blutwerte. "Die strikte Einhaltung der glutenfreien Diät mag zu Beginn vielleicht als einschränkend empfunden werden. Doch die meisten Patienten gewinnen durch den Wegfall oft jahrelanger Beschwerden mehr Lebensqualität zurück, als die glutenfreie Ernährung ihnen scheinbar nimmt", so Baas.

© Sz.de/beu
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