Antibiotika-Resistenzen:WHO warnt vor unbehandelbarer Geschlechtskrankheit

Gonorrhoe-Erreger

Der Erreger der Geschlechtskrankheit: Neisseria gonorrhoeae

(Foto: US CDC)
  • Die WHO warnt, dass es gegen die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (Tripper) bald keine Medikamente mehr geben könnte.
  • In zwei Drittel aller untersuchten Länder sind Resistenzen gegen die letzten verbliebenen Antibiotika festgestellt worden.
  • Die Krankheit kann unbehandelt schwere Komplikationen wie Infektionen und Unfruchtbarkeit hervorrufen.

Die auch als "Tripper" bekannte Geschlechtskrankheit Gonorrhoe wird immer schwerer zu bekämpfen. In etlichen Industrieländern, darunter auch in Deutschland, seien Fälle aufgetreten, bei denen die letzten verfügbaren Antibiotika versagten, warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Lage in den Entwicklungsländern sei vermutlich ähnlich, nur fehlten dort verlässliche Statistiken.

Die WHO beruft sich auf Daten aus 77 Ländern. In 66 Prozent dieser Staaten sind Bakterien gefunden worden, die auch gegen die Antibiotika der letzten Wahl resistent sind. Diese Mittel sind in vielen Ländern zugleich die einzigen überhaupt noch verfügbaren Antibiotika, warnt die Behörde weiter. Denn gegen andere Medikamente sind Resistenzen noch weiter verbreitet. In nahezu allen untersuchten Ländern sind sie bereits aufgetreten.

Der WHO zufolge erkranken weltweit jährlich 78 Millionen Menschen an Gonorrhoe. In Deutschland besteht keine Meldepflicht, so dass die genauen Zahlen unbekannt sind. Experten warnen jedoch schon seit Jahren, dass Geschlechtskrankheiten insgesamt zunehmen.

Die Krankheit wird beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und kann unter anderem zu schweren Entzündungen und Unfruchtbarkeit führen. Zudem erhöht Gonorrhoe die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren.

Schneller Nachschub an neuen Antibiotika ist nicht in Sicht. Nur drei Kandidaten werden derzeit überprüft, zwei von ihnen befinden sich noch in einer frühen Testphase. Die WHO kündigte an, die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen. Die Lage sei ernst, erklärte der Direktor des gemeinsamen Programms, Manica Balasegaram. Am sichersten sei jedoch, die Übertragung von Gonorrhoe durch den Gebrauch von Kondomen zu unterbinden.

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