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Verwerfungen der Finanzkrise:Postbank schreibt tiefrote Zahlen

Warnsignal aus Bonn: Auch die Postbank mit ihrem vergleichsweise soliden Einlagengeschäft ist Opfer der Finanzkrise. In der Bilanz steht 2008 als Verlustjahr.

Die Postbank wird wegen der Finanzkrise im Jahr 2008 erstmals seit Jahren tiefrote Zahlen schreiben. Im vierten Quartal habe es weitere Ergebnis-Belastungen gegeben, teilte die Postbank am Freitag in Bonn ihren Investoren mit.

Fililale der Postbank in Frankfurt am Main: Trotz der Finanzkrise will das Institut bislang keine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen.

(Foto: Foto: ddp)

Für das Gesamtjahr erwartet die Post-Tochter ein "deutlich negatives Ergebnis". Genaue Zahlen wurden noch nicht genannt. Sie sollen am 19. Februar bei der Vorlage der Bilanz für 2008 mitgeteilt werden.

Trotz der Verluste durch die Finanzkrise hat das Geldinstitut bisher nicht signalisiert, dass es möglicherweise staatliche Hilfe in Anspruch nehmen könnte. Rote Zahlen infolge der Verwerfungen auf dem Kapitalmarkt wurden aber schon vorher nicht ausgeschlossen.

Im Vorjahr noch hoher Gewinn

Bis Ende September war ein Konzernverlust von 114 Millionen Euro (Ergebnis vor Steuern: minus 112 Millionen Euro) verzeichnet worden. Zuvor war die Postbank für das Gesamtjahr von einem Vorsteuergewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro ausgegangen.

2007 lag der Jahresüberschuss bei rund 870 Millionen Euro. Der nun erwartete Verlust ist der erste Jahresverlust für die Postbank seit der Jahrtausendwende und dem Börsengang 2004.

Die Deutsche Bank will nach festen Vereinbarungen mit dem Mehrheitseigner Deutsche Post in einem ersten Schritt mit knapp 30 Prozent bei der Postbank einsteigen. Die Transaktion war für "Anfang 2009" anvisiert worden, ist aber nach Angaben einer Post-Sprecherin noch nicht realisiert worden.

Bis Ende Dezember 2008 seien die eigenen Aktienbestände komplett abgebaut worden, berichtete die Postbank. Damit könnten künftig keine weitere Belastungen der Kernkapitalquote durch fallende Aktienkurse mehr entstehen.

Die Kapitalposition sei außerdem durch die im vierten Quartal erfolgte Kapitalerhöhung verbessert worden. Die Postbank hatte Ende November neue eigene Aktien für eine Milliarde Euro ausgegeben, um das Eigenkapital zu stärken.

Aktie eingebrochen

Da sich kein externer Käufer für die Papiere fand, hatte der Mutterkonzern Post alle Aktien gekauft. Der Anteil der Post stieg damit mittlerweile auf 62,35 Prozent. Die Deutsche Bank will 29,75 Prozent der Postbank übernehmen und dafür 2,8 Milliarden Euro zahlen. Bei der Vereinbarung im September war der Wert einer Postbank-Aktie auf 57,25 Euro festgelegt worden.

Der Kurs des Dax-Wertes brach aber anschließend im Zuge der Finanzkrise deutlich ein. Am Freitag rutschte das Papier nach der Mitteilung auf unter 14 Euro. Die Postbank ist mit rund 15 Millionen Kunden die größte Privatkundenbank in Deutschland.

© sueddeutsche.de/dpa/pak/mel
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