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Tipps für Konsumenten:Altervorsorge - wo ist denn das Geld hin?

Den Garantiezins gibt es nur auf den Sparanteil eines Versicherungsbeitrags. Das ist die Summe, die nach Abzug der Kosten übrig bleibt.

(Foto: NDR)

Arbeiten bis 67, minimale Rentensteigerungen und eine steigende Zahl von Pensionären in den kommenden Jahren: Ohne Leistungskürzungen wird die gesetzliche Rentenversicherung kaum stabil bleiben. Umso wichtiger wird für jeden Einzelnen, privat vorzusorgen.

Zum Beispiel mit einer privaten Rentenversicherung. Jeden Monat eine ordentliche Extra-Rente zu der gesetzlichen - bis ans Lebensende! Das verspricht jedenfalls die private Rentenversicherung. Und anders als bei Aktien und anderen Geldanlageformen geht das Ersparte nicht verloren, sondern der Zins ist von Anfang an garantiert. Oder?

Der Garantiezins liegt derzeit bei 1,75 Prozent bei neuen Vertragsabschlüssen. Fragt sich nur: Wofür gibt es die 1,75 Prozent? Auf die eingezahlten Prämien natürlich, werden die meisten denken. Wer dann zum Beispiel 1000 Euro einzahlt, bekommt darauf 17,50 Euro Zinsen. Doch das ist falsch. Den Garantiezins gibt es nur auf den Sparanteil. Das ist die Summe, die nach Abzug der Kosten des Unternehmens übrig bleibt.

Doch über die Höhe der Kosten erfahren die Kunden in aller Regel nichts. Edda Castelló, Geldexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg, kritisiert denn auch die mangelnde Kostentransparenz bei privaten Rentenversicherungen: "Die Versicherer machen da ein Riesen-Geheimnis draus. Wenn man als Verbraucher wüsste, wie hoch die Kosten sind und wie gering der Sparanteil, dann würde kein Mensch sowas abschließen."

Besonders ärgerlich sei, dass genauso wie bei Lebensversicherungsverträgen die Kosten für die Vertreterprovision mit den Beiträgen der ersten Prämienjahre beglichen würden. Das verschlechtere die Renditen ganz beträchtlich, meint die Verbraucherschützerin. Interessenten sollten sich daher überlegen, ihr Geld für die private Altersvorsorge lieber in andere, genauso sichere und oft besser verzinste Produkte zu stecken, zum Beispiel in Sparbriefe.

Weil viele private Rentenversicherungsverträge vorzeitig gekündigt werden, zum Beispiel wegen Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Scheidung, sind sogar Verluste möglich. "Dann rutschen die Renditen ins Minus", weiß Versicherungsexpertin Castelló: " Die meisten Leute, die in die Verbraucherzentrale zur Beratung kommen, sind entsetzt und fassungslos darüber, wie wenig ausgezahlt worden ist, oft weniger als was sie eingezahlt haben". Im schlimmsten Fall kann es sogar passieren, dass bei einer vorzeitigen Kündigung der privaten Rentenversicherung gar nichts von den eingezahlten Beiträgen übrig bleibt.

Tipps

Wer privat vorsorgen will, sollte unabhängigen Rat einholen. Zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen, bei der Stiftung Warentest oder bei Versicherungsberatern, die vom Kunden ein Beratungshonorar bekommen und nicht eine Provision vom Versicherungsunternehmen. Wer sich dennoch für eine private Rentenversicherung interessiert, zum Beispiel Selbständige oder Besserverdiener, die auf die Steuervorteile wert legen, sollte Folgendes beachten:

[] Viele Versicherer bieten ihren Kunden die Wahl zwischen einer monatlichen Rentenzahlung bis ans Lebensende oder einer einmaligen Auszahlung der angesparten Summe plus Zinsen bei Renteneintritt an. Was besser ist, hängt besonders von den individuellen Gegebenheiten ab. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Danach müssen Männer, die mit 67 in Rente gehen, mindestens 15 bis 17 Jahre Rente beziehen, bis sie ihre eingezahlten Beiträge wieder herausbekommen haben.

[] Die Angebote der Versicherer variieren drastisch. Die Wahl des falschen Vertrags kann neben den geschilderten Risiken Tausende Euro ausmachen. Immerhin konnte die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr neunmal das Prädikat "gut" vergeben. Allerdings galt da noch ein Garantiezins von 2,25 Prozent. Der wurde zum Jahreswechsel um 0,5 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent abgesenkt.

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