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Tipps für Konsumenten:Zu viel der Treue

Sie machen gierig, sie machen glücklich, sie versprechen werthaltige Ware für kleines Geld und dienen der Kundenbindung. Die Rede ist von Rabattmarken, Treuepunkten, Coupons & Co. Doch lohnen sich diese angeblichen Belohnungssysteme des Handels für den Kunden wirklich?

Rabattmarken zu sammeln hat offenbar einen gewissen Reiz. Hier eine Szene aus dem NDR-Film mit Schauspieler Sky du Mont.

(Foto: NDR)

Bereits in den 50er und 60er Jahren lagen Rabattmarken voll im Trend. Heute heißen sie Treuepunkte und sind nach wie vor ein beliebtes Instrument der Kundenbindung. Ob Penny, Real, Rewe oder Edeka - sie alle belohnen die Treue ihrer Kunden mit angeblichen Markenprodukten. Doch nicht selten sind die vermeintlichen Prämien-Artikel nur von minderer Qualität. Das fanden NDR-Reporter heraus, die die Treueaktionen von Supermärkten ein halbes Jahr lang beobachtet haben.

Eine Supermarkt-Kette beispielsweise bot ihren Kunden gegen Treuepunkte und eine Zuzahlung von 30 Euro einen WMF-Topf an, der laut Werbeprospekt einen Wert von 119 Euro haben sollte. Für Verbraucher ein vermeintliches Schnäppchen. Denn im Fachhandel gab es ebenfalls einen WMF-Topf für 119 Euro, der von der Stiftung Warentest für "gut" befunden worden war.

Ein Materialtest ergab allerdings: Beim WMF-Prämientopf der Supermarktkette waren die Wände zwei Millimeter dünner, es wurde also am Material gespart. Außerdem ergab der Test, dass das Erhitzen von Wasser mit dem Prämien-Topf fünf Minuten länger dauerte als mit dem WMF-Topf aus dem Fachhandel. Treue Kunden zahlen also bei den Energiekosten.

Grundsätzlich gilt: Niemandem wird etwas geschenkt. Allen Kundenbindungssystemen ist gemeinsam, dass die Händler mit ihnen fast immer verdienen. Was nämlich als "Bonus", "Rabatt" oder "Prämie" daher kommt, hat der Händler in seinen regulären Preisen längst einkalkuliert.

Wer sich als Verbraucher durch Rabattmarken, Treuepunkte oder Kundenkarten an ein bestimmtes Geschäft bindet, kauft dort auch teurere Artikel, so das Kalkül der Händler.

Tipps und Warnungen

Kundenkarten von Firmen: Sie versprechen Einkaufsvorteile, bieten oft einen vergleichsweise geringen Preisvorteil und dienen in erster Linie dazu, Daten über Kunden zu sammeln. Wer seine Kunden kennt, kann gezielter verkaufen.

Rabatt- und SMS-Coupons: Mit Hilfe von Rabatt- oder SMS-Coupons sind manche Artikel günstiger erhältlich. Jedoch sind die Preisvorteile oft mit Nachteilen verbunden. Zum Beispiel mit Mindestbestellmengen und anderen intransparenten Bedingungen.

Klebemarken und Stempelheftchen: Mit diesem einfachen, anonymen und klaren Rabattsystem können Kunden durch Sammeln von Klebemarken oder "Stempeln" Anspruch auf Sachprämien erwerben. Nachteil: Oftmals muss der Kunde zuzahlen und die Artikel können von minderer Qualität sein. Der Vergleich von Preisen ist im Zweifel immer noch günstiger, als Rabattmarken zu sammeln.

Zahl eins, nimm zwei: Kaufe zwei Artikel und zahle nur einen - diese Form der Kundenbindung ist einfach zu verstehen, bietet oft echte Vorteile, verleitet aber auch dazu, mehr zu kaufen als eigentlich benötigt wird.

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