Telefontarife: Call-by-Call Für zwei Cent nach Usbekistan

Telefonieren ist so billig wie nie. Oder? Viele Kunden zahlen für Dienste, die sie gar nicht brauchen oder treiben ihre Telefonrechnung trotz Flatrate in die Höhe. Eine gute Möglichkeit, bei Anrufen auf Handys und ins Ausland zu sparen, ist fast in Vergessenheit geraten.

Von Jannis Brühl

Wenn viele Anbieter sich streiten, freut sich der Kunde. "Der Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt funktioniert", sagt Jürgen Scheurer vom Verbraucherportal Verivox. Seit die Bundesregierung das Monopol der Telekom 1996 geknackt hat, sind die Preise fürs Telefonieren und Surfen im Sturzflug. Laut Statistischem Bundesamt ist der Preisindex für Festnetz und Internet seitdem um ein Drittel gesunken. Und trotzdem gibt der Einzelne nicht unbedingt weniger aus als früher.

Während die Minutenpreise sinken, bleiben die Komplettpakete der Anbieter etwa gleich teuer. Dafür bieten sie zwar immer mehr: DSL-Flat, Festnetz-Flat, dazu noch ein Mobilfunkvertrag, alles in einem Deal. Aber braucht das jeder Kunde? "Da sind die Kosten dann schnell hoch, weil man für Dienste zahlt, die man gar nicht unbedingt nutzt", sagt Scheurer.

Kunden sollten sich also fragen, ob sie wirklich Flatrates für Handy und Festnetz brauchen. Und selbst wer eine Pauschale abgeschlossen hat, kann die Telefonrechnung noch in die Höhe treiben - Anrufe auf Handys oder ins Ausland kosten extra. Die meisten Festnetzanbieter verlangen dafür zweistellige Centbeträge. Aber es gibt ja noch Call-by-Call.

Call-by-Call? War da was? Richtig, in den ersten Jahren des Handy-Booms nutzten viele die Vorwahlen, die mit "010" beginnen, um vom Festnetz günstiger auf Mobiltelefonen anzurufen. Heute sind die Nummern fast in Vergessenheit geraten: Seit 2005 ist der Anteil von Call-by-Call-Telefonaten von 50 Prozent auf 15 gesunken. Dabei lohnen sie sich nach wie vor: Ein Anruf vom Telekom-Heimanschluss aufs Handy kostet derzeit fast 13 Cent pro Minute. Mit den günstigsten Call-by-Call-Nummern zahlt der Anrufer nur etwas mehr als drei Cent. Immerhin ist bei der Telekom Call-by-Call möglich. Bei anderen Telefonanbietern geht das nicht.

Bei Gesprächen ins Ausland gilt nämlich ebenfalls: Call-by-Call-Nummern sind oft billiger - das gilt sowohl für beliebte Urlaubsländer wie Spanien (1,5 Cent pro MInute, Stand: 5. Juli 2011) als auch für exotischere Orte wie Usbekistan (2,5 Cent). Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Vor allem bei sogenannten Städtetarifen. Ein Call-by-Call-Anruf in bestimmte Großstädte kann günstiger sein als in den Rest des entsprechenden Landes - oder aber wesentlich teurer.

50 Cent für einen Anruf nach Zürich

Laut einer Aufstellung der Verbraucherberater von Verivox ist ein Anruf mit der Vorwahl 01045 nach Wien etwas billiger als beispielsweise nach Linz (1,26 Cent statt 1,47). Bei der Nummer 01057 wartet dagegen eine böse Überraschung: Wer damit in der Schweiz anruft, kommt mit 0,7 Cent pro Minute günstig weg - es sei denn, er telefoniert mit Bekannten in den Metropolen Genf, Lausanne oder Zürich. Dann sind horrende 50 Cent pro Minute fällig. Außerdem ändern die Anbieter ihre Preise ständig - eine einst günstige Call-by-Call-Nummer kann plötzlich teuer werden.

Call-by-Call sollte man also nur nutzen, wenn man immer auf dem neuesten Stand ist - zum Beispiel mit dem sueddeutsche.de-Tarifrechner.

Ein weiteres Problem bei Call-by-Call-Gesprächen ist oft die Abrechnung. Sollten Telefonate auftauchen, die man sicher nicht geführt hat oder zu hoch abgerechnet wurden, gilt es einige Punkte zu beachten: Der Kunde muss nicht beim Anschlussbetreiber (also meist der Telekom) reklamieren, sondern beim Anbieter der Call-by-Call-Nummer selbst, raten Verbraucherschützer. Das muss außerdem innerhalb von acht Wochen geschehen - sonst ist der Anbieter von seiner Nachweispflicht für einzelne Verbindungen entbunden.

Wer unnötige Kosten vermeiden will, sollte seine Datenschutzbedenken hintanstellen: Auch wenn es ein ungutes Gefühl hinterlässt, sollten sich Kunden bei Vertragsabschluss nicht für die automatische Löschung ihrer Verbindungsdaten entscheiden - sonst können sie im Streitfall einen Fehler des Anbieters nicht mehr nachweisen. Und auch bei Flatrates gilt: Ein Einzelverbindungsnachweis bringt einem im Zweifelsfall zu viel bezahltes Geld zurück - nur so kann man seine Call-by-Call-Telefonate nachvollziehen.

Bei welchem Anruf lohnt sich welcher Anbieter? Finden Sie das heraus mit dem sueddeutsche.de-Tarifrechner.