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SZ-Serie: Die großen Spekulanten (29):Vom König zum Ekel der Wall Street

Dekadent ins Abseits stolziert: Zuerst krempelte Finanzinvestor Stephen Schwarzman Firmen um und wurde dabei reich. Doch dann stieg ihm der Erfolg zu Kopf.

Die Reporter sind an diesem Abend die Ersten, die Allerersten, die vor der New York Public Library auf ihn warten. Es ist Montag, der 18. Juni 2007, 19.30 Uhr. Wie es sich für einen echten Star gehört, lässt er auf sich warten. Pünktlichkeit ist auf der ganzen Welt verboten.

Sogar während einer Vorstellung in der Carnegie Hall holte Schwarzman seine Akten hervor und studierte sie. Die Konsequenz: Sie ließ sich scheiden.

(Foto: Foto: AFP)

Es ist heiß, kein Lüftchen auf der Fifth Avenue, nur der Gestank der Abgase und der Schweißgeruch der Kameramänner, die sich bei Starbucks noch schnell einen Becher eiskalten Kaffee geholt haben. Zusammen mit ihren Tonleuten und einer Handvoll aufgebrezelter Fernsehmoderatorinnen drängen sie sich vor dem Treppenaufgang der Bibliothek. Jeder will das beste Bild. Jeder will das beste Statement. Jeder will: den Star. Also noch mal schön: schieben, drücken, rempeln.

Provokateur und Draufgänger

Der Star an diesem Montagabend heißt Stephen Schwarzman, er ist 60 Jahre alt, kämmt seine grauen Haare zum Seitenscheitel und ist einer der reichsten Menschen dieses Planeten. Er soll an diesem Abend in der Bibliothek geehrt werden.

An Tagen wie diesen hasst es Schwarzman ein Star zu sein. Also pfeift er auf die Meute, nimmt den Seiteneingang. Er hat keine Lust auf kritische Fragen. Vier Tage zuvor hat ihn das Wall Street Journal öffentlich gedemütigt.

Das mächtigste Finanzblatt der Welt hat ihn, Stephen Schwarzman, Chef des mächtigsten Finanzinvestors der Welt, beleidigt. Das Journal zitierte Schwarzman mit seiner Auffassung von Business. Erstens: "Ich will Krieg - nicht eine Serie von Scharmützeln." Zweitens: "Ich denke immer daran, was meinen Gegner umbringen könnte."

Manchmal sind es zwei Sätze, die genügen. Aber es kam noch dicker: Schwarzman soll sich, so weiß es das Journal, während eines 400-Dollar-Dinners - es gab Flusskrebse - über die quietschenden Schuhsohlen der Kellner beschwert haben.

Mit einem Schlag wurde aus dem "König der Wall Street" (New York Times) das Ekel der Wall Street. Dieses Etikett, so meinen Kritiker, passe ganz gut in eine Zeit von rücksichtslosen Kapitalisten, die den Dow Jones, die Immobilien- und Kunstpreise in die Höhe treiben, während die Einkommen der hart arbeitenden Amerikaner stagnieren oder schrumpfen.

Betteln um Startkapital

Bis Schwarzman zum "König der Wall Street" wurde, musste er erstmal Klinken putzen, um Geld für seine Geschäftsidee einzusammeln. Als er 1985 zusammen mit seinem Partner, dem früheren US-Handelsminister Peter Peterson, den Finanzinvestor Blackstone gründete, schuf er ein neues Unternehmensmodell in der Finanzbranche: Private Equity.

Private Equity ist privates Kapital, mit dem sich Investoren an einem Unternehmen beteiligen. Das Unternehmen wird entweder umgekrempelt und dann gewinnbringend verkauft oder zerlegt, um für die Einzelteile mehr als den Kaufpreis zu erzielen. Ein raues Geschäft, Schwarzman ist einer der Besten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Stephen Schwarzman seine Millionen verprasst.