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SZ-Serie: Die großen Spekulanten (14):Der König der Krise

Der Hedgefonds-Manager John Paulson sah die US-Immobilienkrise voraus und kassierte vergangenes Jahr 2,3 Milliarden Euro - so viel verdiente an der Wall Street noch nie jemand.

Nikolaus Piper

Im Nachhinein erscheint es fast unglaublich, wie lange so viele kluge Menschen an Wunder glauben konnten. Die Helden der Stunde sind jene, denen der Wunderglaube abging, denen also rechtzeitig klar war, dass die Preise für Häuser und Grundstücke auch in Amerika nicht ewig weiter steigen konnten.

Im Jahr 1994 gründete Paulson seine eigene Firma und legte einige Hedgefonds auf. Paulsons Fonds liefen gut, aber sie erregten in keiner Weise Aufsehen. Doch dann entdeckte er die "Subprime Mortgages".

(Foto: Foto: Reuters)

Einer dieser Helden ist John Paulson. Der Hedgefonds-Manager aus New York hat auf den Zusammenbruch des Immobilienmarktes spekuliert und damit im vergangenen Jahr schätzungsweise 3,7 Milliarden Dollar verdient. Das ist mehr, als ein einzelner Mensch je zuvor innerhalb eines Jahres an der Wall Street verdient hat.

Das Magazin Trader Monthly, das Paulson soeben zum Sieger auf seiner Liste der Top 100 erklärte, schreibt sogar, es könne der größte Jahresgewinn in der Geschichte der Menschheit sein. Das ist zwar ein wenig kühn, schließlich gab es zu den Zeiten von König Midas, Jakob Fugger und John D. Rockefeller noch keine anständige Statistik, aber ganz unplausibel ist die Behauptung eben auch wieder nicht. Paulson selbst ist, wie die gesamte Branche, ziemlich verschwiegen. Daher gibt es keine offizielle Bestätigung für die 3,7 Milliarden Dollar, doch die Schätzungen, bei denen Experten die unter Hedgefonds üblichen Honorierungsmodelle zugrunde legen, dürften ziemlich verlässlich sein.

John Paulson ist 52 Jahre alt und lebt zurückgezogen mit seiner Frau und zwei Töchtern in einem fünfstöckigen Stadthaus an der Upper East Side in Manhattan. Das 2600-Quadratmeter-Anwesen hat er vor vier Jahren in einer Zwangsversteigerung erworben - durchaus standesgemäß für jemanden, der durch die Immobilienkrise zum Milliardär wurde.

Und es ist nicht irgendein Haus. Erbaut wurde es 1916 für den Banker William Woodward, dessen Familiengeschichte die Vorlage lieferte für Truman Capotes Romanfragment "Erhörte Gebete".

Im Gegensatz zu vielen eher flippigen Angehörigen der Hedgefonds-Szene kleidet Paulson sich konservativ und wird in New York nur mit dunklem Anzug und Krawatte gesehen. Geboren wurde er im New Yorker Stadtteil Queens, er studierte zuerst an der New York University und dann in Harvard. Den Umgang mit Geld lernte er anschließend bei dem legendären Finanzgenie Leon Levy in dessen Private-Equity-Firma Odyssey Partners. Später arbeitete er für Bear Stearns, der inzwischen untergegangenen New Yorker Investmentbank, und für den Finanzinvestor Gruss Partners.

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