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Studie zum Vermögen:Die armen Deutschen

NRW aus der Luft

Die Deutschen lieben ihre Immobilie und das Sparbuch. Beides verspricht jedoch leider nicht die beste Rendite.

(Foto: Oliver Berg/dpa)
  • Den Deutschen geht es finanziell gut, sie werden immer reicher - so der Eindruck.
  • Doch das Nettovermögen der Privathaushalte ist innerhalb eines Jahrzehns deutlich gesunken, zeigt eine Studie des DIW.
  • Schuld sind daran auch die Deutschen selbst.

Die Aktienbewertungen haben sich seit 2003 ungefähr vervierfacht, die Arbeitslosigkeit ist seit Jahren niedrig, die Stimmung gut, und der Immobilienbesitz war angeblich auch noch nie so viel wert wie heute. Alles klar also, finanziell geht es den Deutschen gut, alle werden immer reicher. Sollte man meinen.

Tatsächlich aber sind die Nettovermögen der privaten Haushalte hierzulande in den Jahren 2003 bis 2013 geschrumpft. Werde die Inflation in der Zeitspanne berücksichtigt, hätten die deutschen Haushalte fast 15 Prozent ihres Nettovermögens verloren, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Im Durchschnitt verloren die Privathaushalte damit gut 20 000 Euro in zehn Jahren. Ein durchschnittlicher Haushalt verfügt demnach noch über ein Nettovermögen von etwa 117 000 Euro. Gemeint ist also die Kaufkraft des Vermögens, das sich aus Geldvermögen, Finanzanlagen und Immobilienbesitz abzüglich der Schulden ergibt.

Viele Eigenheime verlieren real an Wert

Die Forscher machen dafür vor allem zwei Gründe verantwortlich: die "schwache Wertentwicklung selbstgenutzter Immobilien" und das "Anlageverhalten der Deutschen". Denn der Wert von Immobilien ist in den vergangenen Jahren nur in bestimmten Großstadtregionen wie München, Berlin, Hamburg oder Köln gestiegen. In großen Teilen der restlichen Republik hingegen verlieren viele Eigenheime real an Wert.

Hinzu kommt, dass viele Sparer ihr übriges Vermögen bevorzugt in sehr risikoarme, dafür aber renditeschwache Anlagen wie Sparbücher, Girokonten oder Bausparverträge investierten. Und diese würden eben "oftmals nicht einmal die Inflation ausgleichen", erklärte Markus Grabka, einer der Studienautoren. Wird die Preissteigerung nicht mitberücksichtigt, stieg das Vermögen der Haushalte im selben Zeitraum demnach durchschnittlich marginal, um 0,4 Prozent oder 500 Euro an.

Besonders bitter: Die Sparquote der privaten Haushalte lag in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Forschern zufolge fast durchgehend bei über neun Prozent. Tatsächlich ging also noch mehr Vermögen verloren. Besonders stark gestiegen seien die Vermögen hingegen bei Menschen, die Schenkungen oder Erbschaften erhielten. Haushalte, die zwischen 2002 und 2007 in den Genuss von Schenkungen kamen, wurden dadurch laut Studie im Schnitt um 35 000 Euro reicher, bei Erbschaften gab es einen durchschnittlichen Zuwachs von 18 000 Euro.

Heirat steigert das Vermögen statistisch gesehen

Dauerhaft zur Miete lebende Personen hatten dagegen sehr geringe Vermögenszuwächse und zudem im Schnitt mit weniger als 3000 Euro die geringsten Nettovermögen. Dies sei "insofern problematisch, als dass schon kurzfristige Engpässe beim laufenden Einkommen das Vermögen aufzehren können", erklärte Christian Westermeier, ebenfalls Autor der Studie.

Zu den Faktoren, die die Vermögensbildung beeinflussen, gehören demnach auch der Familienstand und die Gesundheit: Während eine Heirat das Vermögen statistisch gesehen steigert, reduzieren Trennungen und Scheidungen die finanziellen Mittel. Insbesondere Pflegebedürftigkeit sei mit "erheblichen finanziellen Belastungen" verbunden, da die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten nur zum Teil abdecke.

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