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Steuererleichterung für Verheiratete:Wie soll diese Ungleichbehandlung gerechtfertigt sein?

Doch das ist noch gar nicht mal der Hauptpunkt, der gegen das Ehegattensplitting spricht. Es gehört vielmehr deshalb abgeschafft, weil es zu völlig widersprüchlichen Ergebnissen führt. So profitieren beispielsweise Ehepartner, die beide gleich viel verdienen, überhaupt nicht davon. Unterm Strich werden sie genauso besteuert wie ein lediges Pärchen.

Vorteile aus dem Splittingtarif entstehen erst dann, wenn einer der Partner mehr als der andere verdient. Und der Vorteil wächst, je größer der Unterschied ist. Am meisten profitieren also solche Ehen, in denen einer richtig viel verdient und der andere gar nichts. Sie haben die größte Steuerersparnis im Vergleich zur getrennten Veranlagung - schnell mal mehrere tausend Euro.

Gerechter wäre eine individuelle Besteuerung

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Das allein wirft bereits die Frage auf, wie diese Ungleichbehandlung gerechtfertigt sein soll. Ist denn eine Alleinverdiener-Ehe aus Sicht des Staates tatsächlich so viel förderungswürdiger als eine, in der die Frau ebenfalls arbeiten geht? Unabhängig davon, ob Kinder vorhanden sind? Vor allem aber stellt dieses seltsame Ergebnis die Frau, die beispielsweise nach der Babypause erwägt, wieder arbeiten zu gehen, vor ein ungeheures Problem: Sie weiß, dass sich ihre Arbeit erst dann lohnt, wenn sie mindestens den Steuervorteil wieder reinholt, der dem Paar künftig verloren geht. Mal ganz abgesehen von den Betreuungskosten, die erst dadurch anfallen, dass sie wieder berufstätig ist. Eben dieses Dilemma hält Frauen häufig von einer Erwerbstätigkeit ab. Ein Entschluss, der sich nicht zuletzt im Fall einer Scheidung bitter rächen kann.

Das Ehegattensplitting ist also wieder mal ein Beispiel dafür, dass auch eine gut gemeinte Idee schlecht sein kann. Gerechter wäre eine individuelle Besteuerung, bei der natürlich die Unterhaltspflichten zwischen den Eheleuten sowie gegenüber Kindern berücksichtigt werden müssen, etwa indem Grundfreibeträge übertragbar sind. Dann wären die Anreize zur Hausfrauen-Ehe beseitigt, und es bestünde für Frauen mehr Chancengleichheit. Zumindest im Steuerrecht.