Stadtplan München Kino, Kaffee, Karawane

Herrschaftliche Wohnhäuser dominieren die Münchner Isabellastraße, die ihren Namen Prinzessin Isabella Marie von Bayern (1863-1924) verdankt.

(Foto: Florian Peljak)

Die Isabellastraße verbindet die Münchner Maxvorstadt mit Schwabing. Gediegene Altbauten reihen sich aneinander, und an den Straßenecken gibt es einige Überraschungen.

Von Ingrid Weidner

Für eine Entdeckungsreise in die eigene Stadt eignet sich der Sommer besonders gut. Wenn im Zentrum die Cafés überfüllt sind, reicht ein Fahrrad, um andere Viertel zu erkunden. Beispielsweise die Maxvorstadt, die als erste, geplante Stadterweiterung zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand. Die Luisenstraße beginnt am Hauptbahnhof; auf dem Weg nach Norden reihen sich Museums- und Universitätsgebäude, Mietshäuser, Läden und Cafés aneinander. Es geht laut und bunt zu. An der Backsteinmauer des Alten Nordfriedhofs endet der quirlige Teil der Maxvorstadt. Fortgeführt wird die Luisenstraße auf der anderen Seite des Friedhofs als Isabellastraße, benannt nach Prinzessin Isabella Marie von Bayern (1863 - 1924), Tochter des Prinzen Adalbert von Bayern.

Bebaut wurde die 1891 geplante Straße in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts zuerst auf der östlichen Straßenseite. Herrschaftliche Wohnhäuser im Stil der Neurenaissance und des Jugendstils finden sich dort. Auch auf der westlichen Straßenseite gibt es Altbauten, doch zumindest am Straßenanfang mit deutlich bescheideneren Maßen, weniger Dekor und damals häufig von Handwerkern bewohnt.

Das Programmkino "Studio Isabella" findet sich an der ersten Straßenecke. Auch wenn der Eingang in der Neureutherstraße liegt, nutzen die Kinogänger nach der Vorstellung häufig die Seitentür zur Isabellastraße. Louis Anschütz übernahm das Isabella 1980, modernisierte es behutsam und zeigt Arthouse-Filme. Jeden Mittwoch treffen sich dort die Spanien- und Lateinamerika-Begeisterten, um sich spanischsprachige Filme anzusehen. Auf den Tickets steht "Kino in Schwabing", das ist zwar geschummelt, denn die Grenze zu Schwabing bildet die einen Häuserblock entfernte Georgenstraße, doch das stört weder die Nachbarn noch die Kinobesucher. Körbe mit orientalischen Stoffen stehen vor dem Laden Caravanserai, im Innern stapeln sich Teppiche. Kunstgegenstände aus Holz und Metall verteilen sich über die Räume, ein umfangreiches Angebot an Kleidung und Schmuck aus Zentralasien offeriert dort Heidrun Niemann. Myrthe Niemann, die Tochter der Inhaberin, erzählt, dass es den Laden schon seit mehr als 25 Jahren in der Isabellastraße 6 gibt und ihre Mutter in den Sechzigerjahren Persien, Afghanistan, Indien und Nepal bereiste, dort einige Zeit lebte und Handelsbeziehungen knüpfte. "Die Lage ist ideal, zu uns kommt Laufkundschaft, es kommen aber auch Stammkunden", sagt sie. Die Nähe zum Kino und das nebenan gelegene Café ziehe Menschen an, erzählt die Juniorchefin, die den Online-Shop Musuri betreibt und dort Kleidung, Accessoires und Bettwäsche vertreibt.

Entlang der Straße erinnern zahlreiche größere Fenster im Erdgeschoss an Läden, die über die Jahre verschwunden sind. Hinter vielen Scheiben verstecken sich Büros, die die Schaufenster mit blickdichter Folie oder Milchglasscheiben vor neugierigen Blicken schützen und den großen Fenstern die Chance der Selbstdarstellung nehmen.

Auch im Laden der Bäckerei Preininger herrschte einige Zeit gähnende Leere. Im Erdgeschoss des schlichten, viergeschossigen Mietshauses im Stil der Neurenaissance, das 1899 erbaut wurde, gab es über Jahrzehnte Semmeln und Brote zu kaufen. Um das Jahr 2000 endete die Ära, verschiedene andere Bäcker und Backshops versuchten in den Räumen ihr Glück, etablieren konnte sich keiner, schließlich standen die Räume leer.

Christoph Jünger wohnt in der Nähe, er kannte den Bäcker, weil er für sein Café im Lenbachhaus die Backwaren von Preininger bezog. Als Jünger das Museumscafé im Lenbachhaus wegen der Umbauarbeiten aufgab, waren er und seine Frau Alexandra von Mutius auf der Suche nach einer neuen Adresse. "Wir kannten die Bäckerei Preininger, es war ein Trauerspiel mitanzusehen, wie es abwärtsging", sagt Alexandra von Mutius. Schließlich fasste sich Christoph Jünger ein Herz und sprach den pensionierten Bäcker auf der Straße an. Nach umfangreichen Umbauarbeiten eröffneten sie das Café Clara im Mai 2010 als Tagescafé. Auf der Sitzbank vor dem Schaufenster und an den Tischen auf dem Bürgersteig treffen sich Freundinnen zum Ratschen, Cafégänger vertiefen sich in die ausliegenden Tageszeitungen, eine Mutter füttert ihre Zwillinge im Kinderwagen mit mitgebrachtem Gemüsebrei. "Zu uns kommen Nachbarn, Familien, Kreative und Akademiker", erzählt von Mutius. Auch kleine Ausstellungen organisieren sie im Innenraum. Nur noch das schmiedeeiserne Schild mit einer Breze erinnert an die ehemalige Bäckerei.

An der Straßenecke zur Agnesstraße ragt die Agnespost in die Isabellastraße. Das fünfgeschossige, ockerfarbene Postgebäude mit Walmdach und Figuren an der Fassade wurde von Robert Vorhoelzer und Frank Holzhammer in den Jahren 1925 und 1926 geplant. Mit Anklängen an den Expressionismus unterscheidet es sich deutlich von anderen, ebenfalls von Vorhoelzer geplanten Postgebäuden, etwa dem am Goetheplatz, das im Stil der Neuen Sachlichkeit zwischen 1931 und 1932 entstand. Während sich die Post am Goetheplatz elegant in die Lindwurmstraße schwingt, wirkt die Agnespost in Schwabing deutlich düsterer und verschlossener.

In Schwabing West leben viele Bildungsbürger - gut für die Buchhandlung um die Ecke

Herausgeputzte Altbauten im Jugendstil und der Neurenaissance säumen die Isabellastraße, dazwischen drängen sich wenige neuere Wohnhäuser. Die großen, oft ausgeschmückten Eingangsportale einiger Altbauten lenken geschickt von den seitlich danebenliegenden, deutlich kleineren, schlichten Türen ab, die in das Souterrain führen. Durch sie betrat früher das Personal das Gebäude, heute führen die Türen oft in Abstellräume für Räder oder zu den Mülltonnen. Doch in der Isabellastraße 22 befindet sich ein mit floralen Elementen und Glas gestalteter Nebeneingang, der die Elemente des Jugendstils am Hauptportal aufnimmt und auch in der kleinen Form offen und einladend wirkt.

Kurz bevor die Isabellastraße auf die Hohenzollernstraße trifft, überrascht der kleine Kaffeeladen Necado mit kräftigem Espresso. Schräg gegenüber in der Isabellastraße 49 befindet sich zumindest die Postanschrift des Buchladens "Literabella", der Ladeneingang liegt aber in der Hohenzollernstraße. Die wohlsortierte Buchhandlung gibt es seit 1976, Timo Zeschky arbeitet dort als Buchhändler. "Nur mit der Postzustellung gibt es gelegentlich Probleme, weil unser Eingang um die Ecke ist, ansonsten ist die Lage prima", sagt er. In Schwabing-West leben viele Bildungsbürger, erzählt er, für die eine Buchhandlung zum Leben dazugehört. Auch viele in der Nähe angesiedelte Rechtsanwälte oder Psychologen ordern ihre Fachbücher dort. "Manche Kunden recherchieren auch antiquarische Bücher selbständig zu Hause und kommen dann zu uns, um sie hier zu bestellen."

Zeschky lebt mit seiner Familie in der Isabellastraße und fühlt sich dort sehr wohl. Der Münchner wuchs in Nymphenburg auf, verbrachte einige Zeit im Ausland. Als die Familie beschloss, zurück nach München zu gehen, war klar, dass sie nicht an den Stadtrand ziehen wollten. "Meine Frau kommt aus Schwabing, für sie ist Neuhausen schon außerhalb", sagt er. Die Isabellastraße war eine gute Wahl, auch der Spielplatz direkt am Alten Nordfriedhof sei ideal, so der Familienvater.

Gegen den Friedhof im neuen Quartier Maxvorstadt wehrten sich die Münchner zunächst. 1866 begannen die Bauarbeiten nach den Plänen von Arnold Zenetti dennoch, bis 1944 gab es dort Beisetzungen. Anfang der Fünfzigerjahre kam zwar die Idee auf, die Luisen- und Isabellastraße zu verbinden und den Friedhof einzuebnen. Doch glücklicherweise wurden die Pläne nie umgesetzt; der Friedhof verwandelte sich in einen Park und trennt die beiden Straßenteile immer noch voneinander.