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Sonnenschutz:Kühler Kopf an heißen Tagen

Kühler Kopf an heißen Tagen: Der richtige Sonnenschutz am Fenster

Der Klassiker: Markisen an den Balkonen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Jalousie, Rollo, Vorhang - es gibt viele Verschattungssysteme. Aber welcher Sonnenschutz ist der richtige?

So schön die Sommersonne ist, sie kann auch belastend sein. Ihre Strahlen heizen Räume bei direkter Einstrahlung schon bei moderaten Außentemperaturen schnell auf. Vielen Menschen wird das jetzt erst so richtig im Homeoffice bewusst. Doch als Schutz die Rollläden unten zu lassen und im Dunkeln bei Kunstlicht zu arbeiten, ist auch keine gute Lösung.

"Große Fensterflächen liegen im Trend, denn sie bringen gesundes Tageslicht und Sonnenwärme ins Haus", sagt Jürgen Benitz-Wildenburg vom Institut für Fenstertechnik. Trotzdem: Ohne Sonnenschutz lassen sich moderne Gebäude heute nicht betreiben. Denn gerade neuere Häuser sind so gut gedämmt, dass ohne Verschattungen die Sonne die Räume schon im Frühjahr sehr stark aufheizen kann.

Ein Sonnenschutz, der das Licht durchlässt, die Hitze aber draußen hält, wäre ideal, sagt Benitz-Wildenburg. "Einerseits brauchen wir das Sonnenlicht für unser Wohlbefinden. Andererseits kommen mit dem Tageslicht bereits 50 Prozent der Sonnenenergie durch die Fenster hinein." Verschattungssysteme wie Rollläden, Außenjalousien, Markisen oder Fensterläden schützen gut vor Hitze, sagt Martin Brandis, Energieberater der Verbraucherzentrale. "Da sie außen vor dem Fenster angebracht werden, lassen sie einen Großteil der Sonnenwärme erst gar nicht ins Haus." Ein weiterer Vorteil dieser Verschattungssysteme: Sie schützen vor unerwünschten Einblicken Fremder durch die Fenster.

Für Mieter eignen sich Lösungen von innen, zum Beispiel Wabenplissees

"Mit solchen außen liegenden Systemen kann die Sonneneinstrahlung im Raum um 60 bis 75 Prozent reduziert werden", betont Frank Lange, Geschäftsführer des Verbands Fenster + Fassade. Er sagt aber auch: "Sonnenschutz sollte man nicht unvorbereitet kaufen." Welche Produkte und Materialien in Frage kommen, hängt von den individuellen Bedingungen ab. Wie groß ist das Fenster? In welcher Himmelsrichtung liegt es? Gibt es eine natürliche Verschattung, zum Beispiel durch Bäume?

Weniger wirksam, aber dennoch sinnvoll sind innen liegende Sonnenschutzsysteme. Das sind Rollos, Plissees oder auch Vorhänge. "Sie können gut mit dem Außenschutz kombiniert werden", sagt Brandis. Wer allerdings ausschließlich auf Innenschutz setzt, muss damit rechnen, dass die Räume wärmer werden als mit einem Außenschutz. Denn die Wärme kommt durch die Fensterscheibe ins Haus und kann dort selbst durch speziell beschichtete Stoffe oder Lamellen nur teilweise nach außen reflektiert werden.

Eine weitere Möglichkeit: Sonnenschutzfolie. Sie ist vor allem dann interessant, wenn bauliche Veränderungen nicht möglich oder gewünscht sind. Mieter dürfen in ihren Wohnungen oft keine baulichen Veränderungen vornehmen oder müssen diese beim Auszug wieder entfernen. Aufwendige Sonnenschutzsysteme wie Rollläden oder Markisen kommen daher kaum in Frage. Für sie eignen sich Lösungen von innen. "Wirkungsvoll ist ein individuell für das jeweilige Fenster konfektioniertes Wabenplissee mit Beschichtung, das entsprechend der Herstellerangaben direkt auf der Scheibe angebracht wird", erklärt Martin Auerbach, Geschäftsführer des Verbands innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS). "Es reflektiert die Sonnenstrahlen und erhöht den Wärmedurchlasswiderstand." Es kann dauerhaft angebracht und beim Auszug leicht zurückgebaut werden. In diesem Fall empfiehlt sich die Befestigung mittels Klebeleisten, die rechts und links auf der Scheibe angebracht werden und kaum auffallen. Aber es gibt auch vorkonfektionierte Produkte mit Klemm- oder Klebeleistenträger, die bündig am Fensterrahmen angebracht werden können, so Auerbach. "Sonnenschutzfolien sind durchaus wirksam, vor allem, wenn sie außen auf die Scheibe geklebt werden", sagt auch Energieberater Brandis. Aber sie haben einen entscheidenden Nachteil: Sie verdunkeln den Raum. Und das stört vor allem im Winter, wenn es ohnehin schon wenig Tageslicht gibt.

Wer sein Haus energetisch modernisieren oder sanieren möchte, kann auch über den Einbau von Sonnenschutzfenstern nachdenken. Sie lassen das Tageslicht hinein und reduzieren gleichzeitig die Wärmeeinstrahlung von außen. Es gibt drei Arten. "Beschichtete Gläser reflektieren und absorbieren die Sonnenstrahlen dank nahezu unsichtbarer Beschichtungen im Scheibenzwischenraum", erklärt Lange. Dadurch sinkt der Energiedurchlass abhängig vom gewählten Glastyp um bis zu 50 Prozent und die Räume werden weniger warm. Einen etwas anderen Weg gehen schaltbare Verglasungen. Sie verändern mittels Stromzugabe in mehreren Schritten ihre Farbe von glasklar bis beispielsweise hin zu einem tiefen Blau. Bei der dritten Variante, den Systemen im Scheibenzwischenraum, werden Jalousien, Rollos oder Plissees in die Verglasung integriert.

"Wer sich ein Sonnenschutzfenster einbauen lassen will, sollte nicht nur an den Sommer denken, sondern das ganze Jahr im Blick haben", empfiehlt Benitz-Wildenburg. "Denn die leistungsfähigen Beschichtungssysteme wirken ständig und reduzieren das Tageslicht, das im Herbst und Winter aber erwünscht ist." Er empfiehlt das Sonnenschutzglas mit einem Verschattungssystem zu kombinieren, um so ein angenehmes Wohnklima zu erreichen.

Bei sehr starker Überhitzung der Räume im Sommer ist es zudem ratsam, neben den Fenstern das gesamte Haus im Blick zu haben, sagt Brandis: "Oft sind die Dachräume nicht ausreichend gedämmt. Dann erreicht man nicht viel, wenn man nur die Fenster austauscht oder verschattet." Es müsse nachträglich gedämmt werden, um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, so der Experte.

© SZ vom 25.07.2020 / Katja Fischer/dpa

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