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Smart Home:Versteckter Verbrauch

Netzwerkkabel

Immer an: Smart-Home-Geräte sind permanent mit dem Netzwerk verbunden. Das macht sich bei der Stromrechnung bemerkbar.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Haushalte können mit Smart-Home-Geräten Heizkosten sparen, zeigt eine Studie des Öko-Instituts. Die moderne Technik lohnt sich allerdings nur auf lange Sicht - denn die Stromrechnung fällt deutlich höher aus.

Smart-Home-Geräte, so das Versprechen ihrer Hersteller, können dabei helfen, zu Hause Energie zu sparen. Die kleinen Steuereinheiten drosseln zum Beispiel Heizkörper, sobald ein Fenster im Raum offen steht. Sie schalten das Licht aus, wenn sich niemand mehr im Zimmer aufhält. Oder sie lassen nach Einbruch der Dunkelheit automatisch die Rollläden herunter, sodass weniger Wärme durch die Fenster entweicht. Manche Geräte sind sogar in der Lage, aus dem Tagesrhythmus der Bewohner zu lernen: Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Räume wie das Bad nur dann aufgeheizt werden, wenn sie auch tatsächlich genutzt werden.

Bei der Sache gibt es - neben dem Datenschutz - allerdings einen Haken: Für all das Messen, Steuern und Regeln benötigen die Smart-Home-Anwendungen Strom. Wie verhält sich dieser Energieaufwand zu den Einsparungen, die die Geräte bringen? Können die Haushalte mit der smarten Technik tatsächlich ihre Energiekosten senken? Und ihre CO₂-Emissionen? Diese Fragen hat jetzt das Öko-Institut im Auftrag der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen untersucht. Dabei haben die Forscher zwei Musterhaushalte - einen in einem Einfamilienhaus mit Ölheizung, einen in einer Wohnung - simuliert, die mit Smart-Home-Geräten ausgestattet sind. Um deren Energieverbräuche einzuordnen, haben ihnen die Experten Referenzhaushalte gegenübergestellt, die über keine dieser digitalen Helfer verfügen.

Finanziell lohnen sich die intelligenten Geräte nur auf lange Sicht

Die Analyse hat ergeben, dass die Geräte zur Steuerung des Energieverbrauchs tatsächlich einiges an Heizwärme einsparen - im Haus 14 Prozent, in der Wohnung neun Prozent. Der Stromverbrauch steigt in beiden Szenarien nur um drei Prozent. Das schlägt sich positiv in der Klimabilanz nieder. So reduziert die smarte Technik die CO₂-Emissionen im Haus um zehn Prozent, in der Wohnung um sechs Prozent. Deutlich geringer fallen jedoch die Einsparungen bei den Energiekosten aus: In der Wohnung sinken die Heizkosten um 56 Euro im Jahr, während die Stromrechnung um 17 Euro steigt - Strom ist vergleichsweise teuer, sodass sich der Mehrverbrauch hier relativ stark bemerkbar macht. Im Haus gehen die Kosten für Wärme um 172 Euro pro Jahr zurück, die für Strom steigen um 30 Euro.

Ob die Einsparungen groß genug sind, um die Anschaffungs- und Installationskosten der Smart-Home-Geräte zu refinanzieren, haben die Experten des Öko-Instituts zwar nicht explizit untersucht. Angesichts der geringen Einsparmengen ist Studienleiterin Dietlinde Quack aber überzeugt, dass sich die Ausgaben in dem meisten Fällen erst nach längerer Zeit amortisieren. "Schließlich sind die Investitionskosten nicht unerheblich", sagt Quack. Sie weist zudem darauf hin, dass es für den einzelnen Haushalt sehr schwer abzuschätzen ist, wie viel Heizenergie er mit smarter Technik tatsächlich einsparen kann. "Es wäre hilfreich, wenn es ein Rechen- und Entscheidungstool für Smart-Home-Anwendungen gäbe, auf dessen Basis man zwischen den eigenen spezifischen Energieverbräuchen und -einsparpotenzialen sowie den Anschaffungs- und Energiekosten abwägen könnte", sagt Quack. Darüber hinaus sollten die Hersteller verpflichtet werden, den Stromverbrauch ihrer Geräte und Anwendungen zu deklarieren. "In den Bedienungsanleitungen sind die Informationen oft unvollständig", erklärt die Expertin.

Neben den Anwendungen zum Energieverbrauch vermarkten die Hersteller unter dem Smart-Home-Label auch Geräte, die dem Komfort und der Sicherheit der Bewohner dienen - Raumluftsensoren zum Beispiel, Systeme zur automatischen Gartenbewässerung und Rasenpflege, smarte Lautsprecher, Kameras oder vernetzte Rauchmelder. Sie benötigen viel Strom, wie die Studie des Öko-Instituts zeigt: Bei einer umfassenden Ausstattung mit dieser Komfort- und Sicherheitstechnik steigt der Stromverbrauch gegenüber den Referenzgebäuden im Haus um insgesamt 19 Prozent und in der Wohnung um elf Prozent. Für die Wohnung bedeutet das Mehrkosten für den Strom in Höhe von 68 Euro - das sind zwölf Euro mehr, als die Haushalte mit der smarten Technik bei der Heizenergie einsparen. Beim Haus liegen die Mehrkosten bei 170 Euro, etwa genauso viel, wie die Bewohner bei der Wärme sparen.

© SZ vom 16.05.2020

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