Ruhrgebietsstudie Ausgebremst

Denkmalgeschützter Malakoffturm der ehemaligen Zeche Prosper II: In Bottrop muss man beim Flächenumsatz mit besonders großen Einschränkungen rechnen.

(Foto: Stadt Bottrop)

Hohe Nachfrage, knappes Angebot: In 53 Kommunen der Metropole Ruhr behindern Restriktionen den Umsatz von Gewerbeflächen. Bestehende Betriebe können sich deshalb häufig nicht vergrößern, neue gar nicht erst ansiedeln.

Von Miriam Beul

Restflächen und Ladenhüter - viele Wirtschaftsförderer in der Metropole Ruhr können Ansiedlungswünsche von Unternehmen mangels geeigneter Grundstücke nicht erfüllen. Dass die Gewerbeflächennachfrage zwischen Wesel und Dortmund das Angebot bei Weitem übersteigt, mag gewiss nicht neu sein. Doch wie dramatisch die Lage für die 53 Kommunen und ihre Arbeitsmärkte inzwischen ist, belegt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR). Demnach reicht der Vorrat an Gewerbeflächen, die sofort genutzt werden können, nur noch für sechs Jahre. Natürlich mangelt es den einstigen Hochburgen der Kohle- und Stahlproduktion in Deutschland nicht an Brachflächen. Doch der Mobilisierung dieser Areale stehen jede Menge Restriktionen entgegen. Mit schwerwiegenden Folgen: Bestehende Betriebe können sich am Standort oftmals nicht vergrößern, neue Unternehmen nicht in der Region ansiedeln. In Zahlen ausgedrückt: Von den insgesamt 2400 Hektar Flächen, die in den kommenden 15 Jahren in den Kommunen der Metropole Ruhr planerisch zur Verfügung stehen, sind 47 Prozent oder 1130 Hektar mit Einschränkungen belegt.

Diese Flächen, zusammen so groß wie 1500 Fußballfelder, können nicht vermarktet werden, weil der private Eigentümer nicht verkaufen will, er die Grundstücke als Erweiterungsflächen für den Eigenbedarf vorhält, der Preis zu hoch ist, die Altlastensanierung zu teuer wäre oder weil andere Gründe vorliegen. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass ohne den Abbau von Restriktionen zu wenig verfügbare Gewerbe- und Industrieflächen vorhanden sind und dass es damit keinen nennenswerten Zuwachs an Arbeitsplätzen geben wird", stellte der Vorsitzende der WMR-Geschäftsführung, Rasmus Beck, vor Kurzem bei der Präsentation der Zahlen fest. Man müsse gemeinsam schauen, wo Flächenentwicklungspotenziale im Ruhrgebiet liegen und diese rasch mobilisieren.

Die Uhr tickt, denn nach Berechnungen der WMR nahm der Anteil nicht vermarktungsfähiger Gewerbeflächen bereits im Untersuchungszeitraum spürbar zu. Den 47 Prozent aus 2014 stand 2013 "nur" ein Anteil von 43 Prozent gegenüber. Mitverantwortlich für den zunehmenden Flächenmangel sind nicht zuletzt auch die Erfolge bei der Vermarktung restriktionsfreier Flächen. Eine gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung und niedrige Zinsen hätten zu erheblichen Investitionen der Unternehmen beigetragen, heißt es in der Studie.

Allein zwischen 2013 und 2014 seien in den Städten der Metropole Ruhr immerhin 196 Hektar Gewerbeflächen vom Markt absorbiert worden. "Unter den gegebenen Voraussetzungen werden viele Kommunen ihre Vermarktungserfolge der vergangenen Jahre kaum verstetigen können", warnt Hans-Jürgen Best, Stadtdirektor von Essen und Vorsitzender des Lenkungskreises der Städteregion Ruhr 2030. So seien etwa in Duisburg 263 Hektar Gewerbeflächen zwischen 2005 und 2013 vermarktet worden. Diesen stünden jetzt nur noch 95 Hektar restriktionsfreie Areale gegenüber. "Nun wird es darauf ankommen, dass wir gemeindeübergreifend den Abbau von Nutzungseinschränkungen - und im Einzelfall auch die Mobilisierung neuer Zusatzflächen - vorantreiben", fordert Best mit kritischem Blick auf das in der Region noch immer verbreitete Kirchturm-Denken.

Auffällig ist freilich, dass der Zugriff auf vermarktungsfähige Gewerbeflächen nicht in allen Kommunen gleich schwierig ist, die Wirtschaftsförderer nicht überall Unternehmen mit Ansiedlungs- oder Erweiterungsabsichten einen Korb geben müssen. Besonders viele Flächen mit Einschränkungen weisen laut der WMR-Studie Bottrop (68 Prozent), Hagen (62 Prozent), Herne (49 Prozent), Essen (45 Prozent), Mülheim an der Ruhr (44 Prozent) und Oberhausen (40 Prozent) auf. Weniger problematisch ist die Situation im Kreis Unna mit einem Anteil von zwölf Prozent, in Hamm (17 Prozent), im Kreis Wesel (20 Prozent) und Duisburg (22 Prozent).