Reden wir über Geld Meine Mitarbeiter können machen was sie wollen

SZ: Wie haben Sie Geld verdient?

Chouinard: Ich habe Kletterhaken geschmiedet und das Stück für einen Dollar und 50 Cent am Yosemite Nationalpark verkauft. Sie waren viel feiner als die Haken, die es bereits gab. Also habe ich sehr gut verkauft. Das war mein Einstieg ins Business.

SZ: Heute beschäftigen Sie 1400 Mitarbeiter und stellen teure Sportkleidung für Kletterer, Surfer oder Wanderer her.

Chouinard: Ja, unsere Produkte sind nicht günstig. Aber ich will Kunden, die unsere Produkte brauchen - nicht diejenigen, die unsere Produkte nur wollen.

SZ: Das ist doch Wunschdenken. Das war einmal, als Sie ihre Sachen nur an Hardcore-Kletterer verkauften. Sie selbst sprachen über jene New Yorker, die Patagonia-Jacken tragen, wenn sie in ihrem Jeep zu ihrem Landhaus nach Connecticut hinausfahren.

Chouinard: (lacht) Wissen Sie, wir verkaufen denen einen Traum. Die führen doch ein schreckliches Leben in dieser großen Stadt. Aber klar, zugegeben, das ist ein großer Teil unseres Geschäfts.

SZ: Wie sehr trifft Sie die Finanzkrise?

Chouinard: Das letzte Geschäftsjahr war das beste unserer Geschichte. In der Krise geben die Menschen weniger Geld für Mode aus. Sie besinnen sich auf das Wesentliche und investieren lieber in Kleidung, die lange hält. Genau das machen wir. Ich liebe Rezessionen!

SZ: Aber in der Rezession 1991 mussten Sie 120 Mitarbeiter entlassen.

Chouinard: Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.

SZ: Was hatten Sie falsch gemacht?

Chouinard: Wir machten alle Fehler, die börsennotierte Firmen immer wieder machen. Wir wuchsen viel zu schnell. 30 bis 50 Prozent Wachstum pro Jahr - das ist verrückt, das kann nicht gutgehen.

SZ: Zunächst verdienten Sie gut.

Chouinard: Aber mir war nicht klar, was mein Unternehmen eigentlich sein sollte. Also habe ich Werte aufgeschrieben, auf die es mir ankommt.

SZ: Das sagen alle Manager.

Chouinard: Ich spreche von organischem Wachstum. Wir machen wenig Werbung. Wenn Produkte ausverkauft sind, wissen wir, dass wir zu wenig hergestellt haben. Und wir machen keine Schulden. So können uns auch keine Banken sagen, was wir zu tun haben.

SZ: Wie schaffen Sie organisches Wachstum?

Chouinard: Durch das, was ich MBA nenne. Diese drei Buchstaben stehen für "Management By Absence". Ich bin mal gerne sechs Monate nicht im Büro, sondern auf Expedition in Südamerika.

SZ: Und wer macht die Arbeit?

Chouinard: Wenn ich in der Natur unterwegs bin, kommen mir die besten Ideen. Auch meine Mitarbeiter können machen was sie wollen. Hauptsache sie machen ihre Arbeit.

SZ: Und wie soll das bitte gehen?

Chouinard: Ich nenne das "Flextime". Wenn zum Beispiel das Surfwetter großartig ist, sage ich meinen Mitarbeitern: Lasst uns surfen! Wir packen unsere Bretter, gehen an den Strand und haben zwei Stunden Spaß. Danach geht's zurück an den Schreibtisch.