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Reden wir über Geld: Graeter:"Berlin hat mir sehr weh getan"

SZ: Also, wo ist das ganze Geld hin, das Sie verdient haben?

Graeter: Was soll ich sagen, es ist weg. Ich habe es in meine Cafés und Kinos gesteckt.

SZ: Und scheiterten grandios. Sind brillante Journalisten lausige Geschäftsleute?

Graeter: Das "Extrablatt" in der Leopoldstraße lief 20 Jahre super, bis ich es verkauft habe. Bei dem Cafe in Santa Monica kam mir ein Erdbeben dazwischen. Und mei, das Restaurant in Berlin war halt ein Fiasko.

SZ: Wie viel haben Sie da versenkt?

Graeter: (zeigt drei Finger)

SZ: Drei Millionen Mark?

Graeter: (nickt)

SZ: Berlin scheiterte, weil sich die Münchner Leopoldstraße nicht auf die Spree übertragen lässt.

Graeter: Schmarrn! Ich war einfach zu gut, das Restaurant zu edel. Ein italienischer Koch kam mal zu mir und sagte nach neun Minuten: "Michele, wie willst du denn hier Geld verdienen? Schau doch mal die Schuhe von den Leuten an und ihre verbissenen Gesichter." Da hab ich mir gedacht: Mei Bua, was sagst du da Kluges! Ich brauchte für diese Erkenntnis leider neun Monate. Berlin hat mir sehr weh getan.

SZ: Wären Sie in München geblieben...

Graeter: ...wär ich ein reicher Mann.

SZ: Zuletzt mussten Sie im Gefängnis sitzen, weil Sozialbeiträge für Mitarbeiter nicht rechtzeitig bezahlt wurden.

Graeter: Wegen einer Kette von Lappalien haben die mir fast ein Jahr meines Lebens gestohlen! Ich musste in Landsberg in Adolf Hitlers Zelle sitzen. Sie schauen aus dem Fenster, sehen einen blauen Himmel und dürfen nicht raus. Ich habe gedacht, ich sterbe. Davon habe ich immer noch Rückblenden.

SZ: Waren Sie deshalb mal beim Psychologen?

Graeter: Na.

SZ: Sie waren immer ein großer Fan von Franz Josef Strauß und der CSU. Wegen der CSU sind die Gefängnisse in Bayern strenger.

Graeter: Sie sind die schlimmsten in der ganzen Bundesrepublik!

SZ: Da haben Sie die Kehrseite von dem, was Sie immer so toll fanden.

Graeter: Wäre Strauß noch da, wäre ich nicht in Hitlers Zelle gelandet. Ich wandte mich letztes Jahr an Huber und Beckstein, aber umsonst.

SZ: Welchen Politiker finden Sie heute klatschfähig?

Graeter: Jedenfalls nicht die Eckbank Merkel. Guttenberg dagegen ist auf dem besten Weg. Gutes Material. Seehofer find ich auch nicht schlecht, wenn er nicht ganz so links wäre. Die Frauen können sich den auch gut im Bett vorstellen, weil er die Haare wie der Kennedy trägt. Der Seehofer hat so Haare, wo man reingreifen kann - Frauen denken so.

SZ: Lässt sich mit Klatsch noch Geld verdienen, seit alles umsonst im Internet ist?

Graeter: Wie die Eitelkeit, der Tod und die Liebe ist auch der Klatsch zeitlos.

SZ: Aber die Auflagen der Boulevardblätter schrumpfen, Magazine wie Park Avenue und Vanity Fair sterben.

Graeter: Die Magazine hatten zu viele Männer auf dem Titelblatt. Da müssen Frauen drauf!

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Ob Michael Graeter auf seine Sprüche stolz ist - und was Geld seiner Meinung nach mit den Leuten anstellt .

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