Reden wir über Geld (16): Mark Warnecke:"In der Geschäftswelt gibt es weniger Fairplay als im Sport"

Lesezeit: 7 min

Spitzenschwimmer Mark Warnecke über sein neues Leben in der Wirtschaft, Schwindel bei Diätprodukten und seine Angst vor dem Wasser.

A. Hagelüken und C. Nohn

Ex-Weltrekordler Mark Warnecke, 38, steuert den Wagen in rekordverdächtiger Zeit zu seiner Firma für Diät-Produkte. In einem Raum sitzt sein Vater, er macht die Buchhaltung. Die Firma ist eine völlig neue Welt für Warnecke, der gelernt hat, das Wasser in Rekordzeit zu durchpflügen. Jetzt stößt er auf andere Hindernisse.

Reden wir über Geld (16): Mark Warnecke: Schwimmer Mark Warnecke

Schwimmer Mark Warnecke

(Foto: Foto: AP)

SZ: Herr Warnecke, reden wir über Geld. Was verdient man als Spitzenschwimmer?

Warnecke: Die Sporthilfe steuert einen Teil bei, das war als Jugendlicher der größte Beitrag. Als Erwachsener kommt's darauf an, was für Werbe- oder Sponsorenverträge du hast. Es gibt wenige, die überhaupt was verdienen. Die meisten kriegen höchstens 500 Euro im Monat - davon kann man kaum leben.

SZ: Und Franziska van Almsick mit ihren Werbespots für Autofirmen?

Warnecke: Das ist die große Ausnahme. Almsick hat den Weg bereitet für Sandra Völker, die sehr gut verdient hat. Und für Thomas Rupprath, der viele Werbeeinnahmen hat und gut verdient.

SZ: Und Sie?

Warnecke: Ich war dahinter, habe aber auch davon profitiert. Ich habe nicht so viel verdient, weil ich zu eckig bin. Ich sag' immer meine Meinung.

SZ: Was für Werbeverträge hatten Sie?

Warnecke: Man kann zum Beispiel Prämien für bestimmte Erfolge aushandeln. Wenn du einen guten Vertrag hast, bekommst du vielleicht 10.000 Euro für einen Weltmeistertitel.

SZ: Als Orthopäde hatten Sie immer einen Brotjob. Ist das bei den Spitzenschwimmern die Regel?

Warnecke: Früher haben viele studiert. Jetzt ist es anders: Die Professionalisierung fordert ihren Preis. Ich bin auch für Professionalisierung, aber nur unter professionellen Bedingungen.

SZ: Was soll das heißen?

Warnecke: Es wird gefordert, dass die Schwimmer sich wie Profis verhalten. Aber dann kassieren einer oder zwei ganz oben ein paar Hunderttausend und die meisten Schwimmer maximal 500 Euro im Monat. Damit bist du kein Profi. Nur, weil du die Schule abbrichst und nichts anderes mehr machst, bist du kein Profi. Du bist mit der falschen Einstellung schnell ein Sozialfall, sobald du mit dem Schwimmen aufhörst.

SZ: Fußballer lachen über die Summen, die Schwimmer verdienen. Wären Sie lieber trocken geblieben und auf den Rasen gestürmt?

Warnecke: Mit den Erfolgen, die ich im Schwimmen hatte, wär' ich im Fußball oder im Tennis Millionär geworden. Dann müsste ich nie mehr arbeiten. Man kann aber nur in dem gut sein, was einem Spaß macht und was man kann. Ich kann weder Fußball spielen noch den Ball beim Tennis richtig treffen.

SZ: Aber Sie fuhren Autorennen.

Warnecke: Es ärgert mich, dass ich das nicht früher angefangen habe. Da hätte ich was verdienen können. Aber egal! Ich bin mit dem Schwimmen zufrieden. Ich habe mir da alle wirklichen Sportträume erfüllt, Weltmeister, Weltrekorde...

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Mark Warnecke zum Firmengründer wurde.

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